Segeln olympisch
Skiff-Crew Lutz/Beucke dominiert Attersee-EM zur Halbzeit

Tina Lutz und Susann Beucke segeln nach ihrem Kieler-Woche-Triumph weiter auf der Erfolgswelle. Ein junges MSC-Team glänzt zur Halbzeit in Österreich

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 02.10.2020
EM-Action auf dem Attersee EM-Action auf dem Attersee EM-Action auf dem Attersee

Tobias Stoerkle Photography / EM Attersee EM-Action auf dem Attersee

Drei Siege und ausschließlich Top-Fünf-Resultate in den ersten sechs Qualifikations-Wettfahrten der Europameisterschaft auf dem Attersee sagen einiges über das Leistungsvermögen von Tina Lutz und Susann Beucke aus: Das Duo segelt nach dem Kieler-Woche-Sieg und der dort gesicherten Olympia-Fahrkarte weiter in bestechender Form und führt das auch international stark besetzte Klassement der 40 Teams aus 17 Nationen mit nur sechs Punkten auf dem EM-Konto an. Von "geplatztem Knoten" wollen die beiden 29-jährigen Skiffseglerinnen deswegen aber nicht sprechen. Allerdings räumt Susann Beucke zwar lächelnd ein: "Es wäre auch gelogen, wenn wir nicht sagen würden, dass wir nach Kiel noch ein bisschen selbstbewusster agieren." Entscheidend für die auffällig und konstant herausragenden Leistungen aber sei der langfristige Plan. "Der ist jetzt aufgegangen. Wir ernten jetzt die Früchte", erklärt die Vorschoterin vom Norddeutschen Regatta Verein.

Tobias Stoerkle Photography / EM Attersee Agieren auf höchstem Niveau: die 49erFX-Seglerinnen Tina Lutz und Susann Beucke

Bei der Umsetzung dieses Plans haben die 49er-Virtuosen Klaus Lange und Ian Barker wichtige Rollen gespielt. Die beiden Skiff-Experten waren Wunschkandidaten des bayerisch-norddeutschen Duos. "Klaus Lange hat mit uns ultraviel an der Technik geschliffen", erzählt Tina Lutz vom Chiemsee Yacht Club. Mit dem aktuellen Trainer Ian Barker gelang parallel und in der Folge unter anderem die merkliche Weiterentwicklung im Bereich der Bootsgeschwindigkeit. Tina Lutz und Sausann Beucke sind bei den wenigen Regatten dieser Saison mit herausragendem Speed aufgefallen. "Da ist Ian sehr erfahren und akribisch. Er hat uns noch einmal eine Schippe professioneller mit dem Thema Speed umgehen lassen", sagt Susann Beucke. Mit Barker bilden Tina Lutz und Susann Beucke ein Trio, das sie selbst als "kleine Segel-Familie wie in unserer Jugendzeit mit Zizi Staniul" beschreiben. Dabei hört man deutlich, wie wohl sich die erfolgreichsten 49erFX-Seglerinnen des German Sailing Teams in diesem Jahr in dieser aktiv selbst kreierten Konstellation fühlen.

Tobias Stoerkle Photography / EM Attersee Ein 49er-Start vor Bergkulisse auf dem Attersee

Das Segeln bei der aktuellen Europameisterschaft genießt das Duo. Landschaftlich idyllisch im oberösterreichischen Salzkammergut gelegen, bietet der Attersee den EM-Teilnehmern in den drei olympischen Speed-Disziplinen 49erFX, 49er und Nacra 17 eine fast schon paradiesische Bühne. Nach Vorab-Corona-Tests für alle fühlen sich die insgesamt 250 Seglerinnen und Segler wohl im EM-Revier. Bislang hat es den EM-Teilnehmern noch keine komplizierten Binnensee-Bedingungen, sondern zweimal gute Winde und einen kompletten Flautentag beschert. Für die kommenden Tage werden stärkere Winde erwartet. "Man muss sich aber hier immer auf alles gefasst machen", sagt Beucke, "die crazy Lake-Bedingungen, die kommen bestimmt auch noch."

Tobias Stoerkle Photography / EM Attersee Fotograf Tobias Störkle sorgt für bildschöne Impressionen von der EM auf dem Attersee

Zu EM-Halbzeit sorgten am Freitagmorgen vor Beginn der Finalrunde nicht nur Lutz/Beucke mit ihrer Spitzenposition für gute Laune im deutschen Lager. Mit den beiden erst 19 Jahre alten FX-Seglerinnen Marla Bergmann und Hanna Wille hatte nach sechs Wettfahrten ein junges Team vom Mühlenberger Segel-Club einen bemerkenswerten zehnten Platz erobert. Den entsprechenden Ausschnitt aus der Ergebnisliste lohnt es sich genauer anzusehen, denn hinter den beiden Hamburgerinnen lagen zu dem Zeitpunkt immerhin die amtierende dänische WM-Dritte Ida Maria Baad Nielsen mit Marie Thusgaard Olsen (11.), die spanische Weltmeisterin, Weltumseglerin und Matchrace-Olympiasiegerin Támara Echegoyen mit Paula Barceló (12.) und die holländischen Doppel-Weltmeisterinnen Annemiek Bekkering und Annette Duetz (13.) – ein denkwürdiges Zwischenresultat, dessen Anblick nicht nur den beiden Seglerinnen aus dem Nachwuchskader des German Sailing Teams viel Freude machen und Motivation bescheren dürfte, sondern auch Trainer Patrick Böhmer und vielen MSC-Fans.

Tobias Stoerkle Photography / EM Attersee Marla Bergmann und Hanna Wille segeln bei der 49erFX-EM auf dem Attersee mit stark steigender Erfolgskurve. Ihre Ränge bislang: 12, 12, 9, 5, 4 und 2

Bei den olympischen 49er-Seglern blieben in Abwesenheit der WM-Dritten Erik Heil/Thomas Plößel ihre Teamkollegen Tim Fischer und Fabian Graf als Vierte nach sechs Rennen dran an den Medaillenrängen. Im Nacra 17 rangen Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer als 15. um Anschluss an die Top Ten. Die Europameisterschaft endet am Sonntag mit den Medaillenentscheidungen in allen drei Klassen.

Hier geht es zu den Zwischenständen.

Tobias Stoerkle Photography / EM Attersee Die 49er-Weltmeister von 2018: Sime und Mihovil Fantela


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Themen: 49erFXAtterseeBergmann/WilleEM 49erFischer/GrafLutz/BeuckeNacra 17ÖsterreichSkiffsegeln

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