Segeln olympisch
Der Kampf um die zehnte Medaille

Der Weltseglerverband ist gefordert: Das drohende Aus für die neue Disziplin Mixed-Offshore noch vor ihrer olympischen Premiere erfordert eine Alternative. Nur welche?

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 19.04.2021
World Sailings Generalmanager David Graham muss kämpfen, will der Segelsport die zehnte olympische Medaille verteidigen World Sailings Generalmanager David Graham muss kämpfen, will der Segelsport die zehnte olympische Medaille verteidigen World Sailings Generalmanager David Graham muss kämpfen, will der Segelsport die zehnte olympische Medaille verteidigen

World Sailing World Sailings Generalmanager David Graham muss kämpfen, will der Segelsport die zehnte olympische Medaille verteidigen

Die Einführung neuer olympischer Segeldisziplinen war auch in der Vergangenheit nicht immer leicht und brachte manche Überraschung. Der aktuelle Vorgang jedoch ist einzigartig: Das von den Mitgliedern des Weltseglerverbandes 2019 für die Olympischen Spiele 2024 neu auf die Disziplinen-Liste aufgenommene Mixed-Offshore-Segeln steht schon vor der erhofften Premiere vor dem Aus. Der Grund: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) scheint sich für die Idee einer Mittelstreckenregatta über mehrere Nächte nicht erwärmen zu können. Zwar würde die Prüfung noch laufen, ließ das IOC verlauten, doch hat IOC-Sportdirektor Kit McConnell am 12. April einen Brief an den neuen Weltseglerverbands-Präsidenten Quanhai Li geschickt, der mehr als Zweifel daran nährt, dass die Seesegel-Disziplin die olympische Startlinie von Marseille 2024 jemals erreichen wird. YACHT online berichtete darüber.

Im Brief wird der Weltseglerverband aufgefordert, dem IOC ungeachtet der fortlaufenden Überprüfung von Mixed-Offshore Alternativvorschläge zu unterbreiten. Dies habe bis zum 26. Mai 2021 zu geschehen, um dem IOC eine ausreichende Entscheidungsgrundlage für die Festlegung aller Sportarten für das olympische Programm 2024 durch das Executive Board am 8. Juni dieses Jahres zu bieten. Die kritisch beleuchteten Bereiche der Disziplin Mixed-Offshore, vom IOC als „Herausforderungen“ bezeichnet, sind die „Sicherheit auf dem Spielfeld, Umfang und Komplexität“, die „Übertragungskosten und Komplexität“ sowie die „nicht gegebene Möglichkeit für World Sailing, eine Weltmeisterschaft abzuliefern“.

Die Aussichten schienen gut für die neue olympische Disziplin Mixed-Offshore. Nun sind sie auf ein Minimum gesunken

Da die IOC-Überprüfung bereits seit langer Zeit läuft und andere neue Disziplinen wie 470er-Mixed längst durchgewunken wurden, besteht für die Mixed-Offshore-Segler kaum mehr Hoffnung. Schlimmer noch: Dem Weltseglerverband bleiben nur fünf Wochen, um mit einer für das IOC akzeptablen Alternativ-Lösung aufzuwarten – andernfalls droht der Verlust der zehnten Segel-Medaille bei Olympischen Spielen. Das aus Segelsicht bedrohliche Szenario hat mit David Graham auch World Sailings Generalmanager erkannt. Der Brite sagte: „Das sind enttäuschende Neuigkeiten.“

World Sailing wirbt weiter für Mixed-Offshore, will aber eine Alternative anbieten

Woher nun soll der Weltverband binnen weniger Wochen nehmen, was in Jahren nicht gelang? Weil die Wahrung der Geschlechterverteilung 1:1 und mindestens eine, besser mehrere bereits unter World-Sailing-Dach ausgerichtete Weltmeisterschaften ebenfalls Grundvoraussetzungen für grünes IOC-Licht für eine neue Disziplin sind, bieten sich kaum vernünftige Last-Minute-Alternativen an. Die von Mixed-Offshore verdrängte Finn-Klasse allein kommt als rein männliche Disziplin nicht in Frage. Mixed-Matchracing könnte funktionieren wie andere Mixed-Disziplinen auf erprobten Klassen ebenso.

Graham sagte, der Weltseglerverband werde weiter für Mixed-Offshore werben, bestätigte aber gleichzeitig, dem IOC fristgemäß eine Alternative anbieten zu wollen. Auf dem Weg dahin sind aktuell World Sailings Mitglieder gefordert, ihrem Dachverband bis zum 23. April entsprechende Vorschläge zu unterbreiten. Und damit wiederum Segler in aller Welt, die ihrerseits ihren nationalen Verbänden zeitnah Vorschläge machen können. Diese Vorschläge werden am 30. April veröffentlich und anschließend am 10. und 11. Mai vom Satzungs-, Disziplinen und Ausrüstungskomitee des Weltseglerverbandes beleuchtet und diskutiert. Das Komitee wird eine Empfehlung für das World Sailing Council erarbeiten. Das Council wird seine Entscheidung am 14. Mai treffen.

Der Weltseglerverband in "beispielloser Situation"

Die Deadline zur Unterbreitung einer Alternative hält Graham für „eng“. Sie trifft den Weltseglerverband in einer Zeit, in der er wie viele internationale Sportverbände mit den Folgen der Pandemie und der Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 ins Jahr 2021 ringt. Emotional appellierte David Graham daher an die Mitglieder: „World Sailing befindet sich in einer beispiellosen Situation. Jetzt ist die Zeit für die World-Sailing-Gemeinschaft, sich zu vereinen und gemeinsam zu arbeiten.“


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Themen: Olympia-Disziplinen

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