Segeln olympisch
Rio ruft: "Pussy Galore" vs. "Gyde"

Showdown in der Olympia-Ausscheidung der Skiff-Klassen: Die Rio-Tickets im 49er und 49erFX werden am 2. April in Palma de Mallorca vergeben

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 27.03.2016

Pedro Martinez Jagen Erik Heil und Thomas Plößel ab Ostermontag mit vier Zählern Rückstand im Finale der nationalen Olympia-Ausscheidung vor Palma de Mallorca: Justus Schmidt und Max Boehme vom Kieler Yacht-Club. Ihr neuer 49er trägt mit "Pussy Galore" einen kämpferischen Namen, folgt Vorgängerin "Honey Ryder"

Archiv Bond-Girl Pussy Galore, gespielt von Honor Blackmann

"Pussy Galore" kennt man als Pilotin aus dem Bond-Streifen "Goldfinger". Im Film ist die Blondine eine Trapezkünstlerin und Chefin einer rein weiblichen Gangsterbande ("Abrocats"), die sich im Laufe des Films auf Bonds Seite schlägt. Im olympischen Segelsport heißt der neue 49er von Justus Schmidt und Max Boehme "Pussy Galore". Die Vorgängerin war "Honey Rider". Die Bond Girls haben es der Kieler 49er-Crew angetan. Jetzt sollen sie beim Kampf um das Olympia-Ticket nach Rio de Janeiro helfen.

Ricardo Pinto/49er EM Hier segeln sie noch mit "Honey Ryder" auf Erfolgskurs: Europameister Justus Schmidt und Max Boehme

Beim Regatta-Klassiker Trofeo Princesa Sofía vor Palma de Mallorca geht es ab Ostermontag um die olympischen Fahrkarten in den Skiff-Disziplinen. Bei den Männer wie bei den Frauen sind es Duelle, die spätestens nach dem Medaillenrennen am 2. April entschieden sein werden. Im 49er machen Justus Schmidt und Max Boehme mit ihrem neuen McKay-49er namens "Pussy Galore" und vier Zählern Rückstand Jagd auf ihre Freunde und Teamkameraden Erik Heil und Thomas Plößel und deren zwei Jahre alten 49er namens "Gyde", benannt nach der Ehefrau von NRV-Kommodore, NRV-Olympic-Team-Förderer und Bundesverdienstkreuz-Träger Gunter Persiehl. Heil/Plößel, Europameister von 2014, starten mit 29 Punkten auf dem Ausscheidungskonto in den vorolympischen Showdown. Schmidt/Boehme konnten bislang 25 Punkte für ihren EM-Sieg sammeln.

Edeny/EdneyAP Setzten beim Ausscheidungsfinale auf ihren zwei Jahre alten 49er "Gyde": Erik Heil und Thomas Plößel sind die olympischen Hoffnungsträger des Norddeutschen Regatta Vereins

"Wenn die Bedingungen gut sind und wir nicht irgendwelche Psychomacken entwickeln, sollte es gut für uns laufen", sagt Erik Heil vor Regattabeginn. Die Berliner, die für den Norddeutschen Regatta Verein starten und dessen letzte Olympiahoffnung für die Rio-Regatta sind, starten selbstbewusst in die Entscheidung. "Wir haben zwar auch unser neues Boot hier in Palma, setzen aber auf das alte und dessen WM-Setup. Beide deutschen Mannschaften haben den Ehrgeiz, das Ticket im Rahmen einer möglicherweise harten, aber fairen Auseinandersetzung zu lösen. "Wir wünschen uns eine saubere Quali", sagt Justus Schmidt, "vier Punkte Rückstand sind nicht wenig, aber wir haben eine realistische Chance auf das Ticket, wenn wir eine supergute Regatta zusammensetzen und kaum Fehler machen."

Die beiden deutschen Männer-Teams sind Teil einer intensiv gemeinsam arbeitenden Trainingsgruppe mit dem dänischen Olympiasieger Jonas Warrer und seinem Vorschoter Anders Thomsen. Zu dritt haben sie sich in der Weltspitze etabliert. Von den beiden deutschen Crews kann aber nur eine in Rio starten. "Möge es die bessere Crew sein", wünscht sich nicht nur Justus Schmidt. Die beiden befreundeten deutschen Teams haben sich versprochen, die die jeweils andere Crew im Fall der eigenen Niederlage bis zu den Olympischen Spielen im gemeinsamen Ringen um eine olympische Medaille als Sparring-Partner zu unterstützen. Beide hoffen, dass ihre erfolgreiche Trainingsgemeinschaft auch den Showdown unbeschadet übersteht und bleibt, was sie bislang nicht nur laut Erik Heil war: "Die loyalste Trainingsgruppe der Welt".

Jen Edney/EdneyAP Können nach hervorragenden Vorleistungen ihren Traum von der Olympiateilnahme aus eigener Kraft erreichen: Victoria Jurczok und Anika Lorenz

Olli Können das Ticket aus eigener Kraft lösen: Victoria Jurczok und Anika Lorenz

Parallel zu den 49er-Seglern fällt auch bei den 49erFX-Frauen vor Palma de Mallorca die Entscheidung im Kampf um nur eine Rio-Fahrkarte. Hier haben es die Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz mit 20 Punkten Vorsprung vor der dritten und letzten Ausscheidungsregatta selbst in der Hand, ihren Traum von der Olympiateilnahme zu realisieren. Gefährden können sie auf Kurs Rio nur noch Tina Lutz (Chiemasee Yacht Club) und Susann Beucke (Hannoverscher Yacht-Club). Dazu müssten "Lutz/Beucke allerdings in die Top Zwei segeln (25 Punkte für Platz 1, 22 Punkte für Platz 2, 20 Punkte für Platz drei) und Jurczok/Lorenz gleichzeitig massiv patzen. Bei Punktgleichheit – etwa, wenn Lutz/Beucke vor Palma Platz drei erkämpfen und Jurczok/Lorenz nicht in die Top 20 segeln – hätten ebenfalls Jurzcok/Lorenz die Bugspitze vorne, weil sie mit 25 Zählern für WM-Platz drei die höchste Punktzahl bei einer der drei Ausscheidungsregatten erkämpft hatten. Die Entscheidungs fällt auch bei den Frauen spätestens am 2. April mit dem finalen Medaillenrennen bei der mit Spannung erwarteten Trofeo Princesa Sofía, die auch viele andere Nationen für ihre Olympia-Ausscheidungs nutzen.

Martinez Studio / Sofia Trofeo Princesa Sofia 2014 Tag 5 Lutz/Beucke 49er FX

SailingEnergy/Jesús Renedo Bald schon wird sich der Nebel lichten: Am 2. April ist klar, wer Deutschland bei der olympischen Regatta im August in Rio de Janeiro zu Füßen der Christus-Statue in den Skiff-Klassen vertreten wird


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