Segeln olympisch
"Neutralität ist das Wichtigste"

NRV-Geschäftsführer Klaus Lahme ist als einziger deutscher Schiedsrichter und Jury-Mitglied bei der olympischen Segelregatta im Einsatz

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 11.08.2016

tati Als einziger deutscher Schiedsrichter und Jury-Mitglied bei der Olympia-Regatta im Einsatz: NRV-Geschäftsführer und Trainer Klaus Lahme

Wenn Klaus Lahme durch den Olympiahafen geht, dann ist er nie allein. Die Schiedsrichter und Jury-Mitglieder der olympischen Regatta in Rio de Janeiro sind gehalten, sich außerhalb ihrer Arbeitsstätten auf dem Wasser und Land grundsätzlich zu zweit zu bewegen und ausschließlich auf Englisch zu kommunizieren. Das gilt in Lahmes Fall auch für mögliche Begrüßungen und Gespräche mit den deutschen Seglern, die Lahme gut kennt. "Unsere Neutralität ist das Wichtigste", sagt der 47-jährige Geschäftsführer des Norddeutschen Regatta Vereins in Hamburg. Der Welt-Seglerverband World Sailing hatte ihn gefragt, ob er – als einziger Deutscher – bei den Spielen als Schiedsrichter und Jury-Mitglied wirken wolle. "Für mich ist das eine Riesenehre", sagt Lahme, der gern zusagte.

tati Hier schieben die Lasersegler und auch Philipp Buhl ihre Boote in Richtung Hafenbecken. Klaus Lahme ist in der Regel als Schiedsrichter auf der Laserbahn eingesetzt, weil er mit der eigenen Erfahrung als ehemaliger Vize-Europameister einen guten Blick für die erlaubten und unerlaubten Bewegungen der Athleten hat

Ein Salär bekommen die Regatta-Richter für ihren gut 14-tägigen Einsatz nicht. Sie erhalten lediglich eine Kostenerstattung, dafür aber tiefe Einblicke in den alle vier Jahre ausgetragenen Höhepunkt des olympischen Segelsports. Klaus Lahme zählt zu den wenigen geprüften deutschen "International Judges" und "International Race Officer", die bei hochkarätigen Regatten weltweit im Einsatz sein dürfen.

Lahme ist auch in Rio de Janeiro dabei, weil er lernen will. Er hat sich schon zu Regattazeiten intensiv für das komplexe Regelwerk des Segelsports interessiert. Auf dem Wasser, so der versierte Regelwächter, geht es bei den Regatten fast ausschließlich um das nach Regel 42 verbotene Pumpen. Bislang, so Lahme, hätte es allerdings nur wenige Regelverstöße gegeben. Was wiederum an dem hohen Niveau der Teilnehmer läge. Auch Philipp Buhl fahre bislang absolut regelkonform.

Dass er als Schiedsrichter auf dem Wasser mit seinen Entscheidungen, die stets von beiden "Umpires" in einem Boot (von denen je drei pro Wettfahrt im Einsatz sind) einvernehmlich gefällt werden müssen, auch Einfluss auf Medaillen-Entscheidungen haben könnte, beunruhigt Lahme nicht: "Diese Verantwortung muss man übernehmen können." Bei abendlichen Protestverhandlungen ist Lahme eines von jeweils fünf Mitgliedern einer Jury, die Protestverhandlungen führt und entscheidet. Ungeschriebenes Gesetz ist, dass in einer Jury keine Schiedsrichter aus Nationen sitzen, aus denen die Protestparteien stammen.


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Themen: juryKlaus LahmeMarina da GloriaOlympiaPhilipp BuhlRio de JaneiroSchiedsrichterUmpire

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