Segeln olympisch
Nach Wadenbeinbruch: Lutz/Beucke kämpfen um Olympiatraum

Die in der nationalen Olympiaausscheidung führenden 49erFX-Seglerinnen Tina Lutz und Susann Beucke ringen nach einem Trainingsunfall um ihr Comeback

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 29.01.2020
So stark traten Tina Lutz und Susann Beucke noch bei der WM im Dezember vor Auckland auf. Zu dieser Form wollen sie nun möglichst schnell zurückfinden So stark traten Tina Lutz und Susann Beucke noch bei der WM im Dezember vor Auckland auf. Zu dieser Form wollen sie nun möglichst schnell zurückfinden So stark traten Tina Lutz und Susann Beucke noch bei der WM im Dezember vor Auckland auf. Zu dieser Form wollen sie nun möglichst schnell zurückfinden

Weltmeisterschaft 49er, 49erFX, Nacra 17 / Sailing Energy So stark traten Tina Lutz und Susann Beucke noch bei der WM im Dezember vor Auckland auf. Zu dieser Form wollen sie nun möglichst schnell zurückfinden

Das Unglück hatte sich bereits am Silvesternachmittag in Argentinien ereignet: Susann Beucke war am zweiten dort anberaumten Trainingstag in Buenos Aires so unglücklich auf den Baum ihres Skiffs gefallen und nach innen umgeknickt, dass sie sich die rechte Fibula (Wadenbein) gebrochen hat. Glück im Unglück: Es war ein glatter Bruch. Dank guter Kontakte zum argentinischen Olympiasieger Santi Lange und dessen Team konnte Susann Beucke vor Ort bereits drei Stunden nach dem Unfall von einem Lange gut bekannten Chirurgen operiert werden. Eine dauerhaft eingesetzte Platte hilft seitdem bei der Heilung.

Der anfängliche Kummer über den Tiefschlag inmitten der nationalen Olympiaausscheidung, die Lutz/Beucke seit ihrem furiosen Auftritt bei der WM 2019 in Auckland und dem dort erzielten fünften Platz souverän anführen, ist inzwischen längst dem alten Kampfgeist gewichen. "Geheult habe ich nur die ersten beiden Tage wie ein Schlosshund", erinnert sich Beucke. Nach dem Motto "Jetzt erst recht" haben Tina Lutz und Susann Beucke ihre Pläne der neuen Situation angepasst und alles Menschenmögliche dafür getan, dass der Unfall nicht auch den dritten Olympiaanlauf des Duos vereitelt.

WM 49er, 49erFX, Nacra 17 2019 / Sailing Energy Das Ziel hat sich trotz des Unfalls nicht verändert: Tina Lutz und Susann Beucke kämpfen um die 49erFX-Fahrkarte zur Olympia-Regatta in Enoshima

Während Susann Beucke vom Hannoverschen Yacht-Club ihre Rehabilitation in Argentinien vorantrieb, baute Tina Lutz vom Chiemsee Yacht-Club das Programm vor der am 10. Februar im Australien beginnenden Weltmeisterschaft 2020 (Teil 2 von 3 der Olympiaausscheidung für die deutschen 49erFX-Seglerinnen) um, lotete Ersatz-Vorschoterinnen aus und trainiert seit knapp einer Woche vor Ort mit Lotta Wiemers (ehem. Görge). Die heute ebenfalls dort gelandete Susann Beucke attestiert: "Tina und Lotta segeln super zusammen, haben auch schon ein paar Trainingsrennen gewonnen."

Team Lutz/Beucke Erste Belastungsübungen sind für Sanni Beucke wieder möglich

Team Lutz/Beucke Sanni Beucke treibt den Heilungsprozess mit eiserner Disziplin voran

Beucke selbst hat ihren Heilungsprozess in Argentinien nach der anfänglichen Frustration beeindruckend schnell vorangetrieben. Geholfen haben ihr dabei auch der Physiotherapeut von Santi Langes Olympiavorschoterin Cecilia Carranza Saroli, der diese Mission zum Happy End bringen will und in wenigen Tagen zum deutschen FX-Team in Australien stoßen wird. Beucke erzählt: "Ich bin seit einer Woche krückenfrei, kann schon bald wieder in den Zehenspitzenstand. Das ist viel besser als jede Prognose." Beucke hat im Verlauf ihres Gesundungsprozesses den Fuß halbe Tage in einem "Eisschuh" stecken, nachts in einer Art Magnetröhre, die die Ionenbewegungen im Körper anregen soll.

Inzwischen hat sie sogar schon zwei kleine Segeleinsätze (noch in Argentinien) hinter sich. Ein aktuelles Röntgenbild soll am 3. Februar genauen Aufschluss darüber geben, wie viele "Brücken" der Knochen hat bauen können und ob Beucke womöglich doch schon bei der WM einsatzfähig ist. Üblicherweise gehen Experten davon aus, dass die Heilung eines solchen Bruchs sechs bis acht Wochen dauert. Bei jungen, gut trainierten Leistungssportlern und intensivem wie positiv verlaufendem Prozess kann es aber auch schneller gehen. "Ich mache mit meinem intensiven Reha-Programm weiter. Der Orthopäde wird am 3. Februar sagen, ob ich segeln kann oder nicht. Wir entscheiden das ohne Emotionen."

Team Lutz/Beucke Kämpfen sich gemeinsam zurück: Sanni Beucke und Tina Lutz

Sailing Energy/World Sailing Und so wollen sie am liebsten bald wieder gemeinsam im Einsatz sein: Tina Lutz und Susann Beucke

Bis dahin will Sanni Beucke ihr Team in Australien unterstützen, kämpfen und hoffen. "Tina hat die Kampagne in den vergangenen Wochen komplett allein gemanagt, sodass ich mich zu hundert Prozent auf die Heilung fokussieren konnte. Das hat uns als Sportlerinnen und auch als Menschen sehr gefordert. Ich denke, wir sind an dieser Aufgabe als Team gewachsen. Es war am Anfang ein echter Schock, und wir hatten zu kämpfen, sind aber jetzt wieder auf Kurs. Unser großes Ziel ist ein halbes Jahr entfernt."

In der nationalen Olympiaausscheidung führen Tina Lutz und Susann Beucke mit großem Vorsprung vor den Berlinerinnen Vicky Jurczok und Anika Lorenz. Beucke weiß aber, dass sich ihr Team angesichts von insgesamt drei Ausscheidungsregatten (WM 2019, WM 2020, Trofeo Princesa Sofía) darauf nicht ausruhen kann. Auch die Rivalinnen sind bekannt für ihre kämpferischen Qualitäten. Dennoch: Mit WM-Platz fünf bei den Welttitelkämpfen 2019 hatten Lutz/Beucke 16 Punkte für ihr Ausscheidungskonto eingeheimst. Jurczok/Lorenz dagegen hatten die WM mit Platz 27 enttäuscht und punktlos beendet. Auf Basis dieses Polsters geht der Kampf um nur ein Olympiaticket in der Skiff-Disziplin der Frauen ab dem 10. Februar in Runde zwei. Mit diesen interessanten Fragen als Vorzeichen: Kann Susann Beucke selbst segeln? Ist das nicht der Fall: Kann Tina Lutz mit Ersatz-Vorschoterin Lotta Wiemers, die seit drei Jahren nicht mehr aktiv ist im olympischen Sport, aber bei der Vorbereitung in Australien hervorragende Leistungen zeigt, an das bei der WM 2019 gezeigte Leistungsniveau anknüpfen und den Ausscheidungsvorsprung verteidigen? Und: Wie reagieren Jurczok/Lorenz auf die Situation? Werden die Olympianeunten von 2016 wieder zu gewohnt starker Form finden?

Weltmeisterschaft 49er, 49erFX, Nacra 17 2019 / Sailing Energy Bei der WM 2019 brachte sie eine Kenterung im Finale um die mögliche Medaille. Vor Auckland hatte die Crew bis dahin Weltklasse-Leistungen gezeigt

Weltmeisterschaft 49er, 49erFX, Nacra 17 2019 / Sailing Energy Beeindruckten bei der 49er-WM 2019 im Dezember mit Silber. Was geht bei der WM 2020 im Februar für Erik Heil und Thomas Plößel?

Gefordert sind parallel die deutschen 49er-Segler, die ebenfalls ihre zweite Olympiaausscheidung im Visier haben. Hier führen die Vize-Weltmeister Erik Heil und Thomas Plößel vom NRV Olympic Team deutlich vor ihren Sparringspartnern Justus Schmid/Max Boehme (Kieler Yacht-Club) und Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger (Bayerischer Yacht-Club). Zeitgleich sind im selben Revier die Mixed-Katamaran-Crews im Nacra 17 mit dem Top-Team Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club) vor Geelong im Einsatz. Aus deutscher Sicht wird es in dieser zweiten Februar-Woche sogar noch interessanter, denn gar nicht weit entfernt von Geelong sind im Melbourne-Revier des Sandringham Yacht Club auch Deutschlands beste Lasersegler und Laser-Radial-Akteurinnen bei ihrer Weltmeisterschaft gefordert. Dort sind unter anderen Philipp Buhl vom Segelclub Alpsee-Immenstadt und Svenja Weger vom Potsdamer Yacht-Club am Start. Beide würden das Olympiajahr 2020 nur zu gern mit einem starken Ergebnis einläuten.

Jesus Renedo/Trofeo Princesa Sofía Iberostar 2019 Für ihn kann die Laser-WM im Februar in Melbourne kommen: Philipp Buhl freut sich auf die hochkarätige Saisoneröffnung in Down Under


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Themen: 49erFXOlympiaSanti LangeSusann BeuckeTina Lutz

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