Segeln olympisch
Mit "Amelie-Lux-Potenzial" nach Rio

Gut gelaunt und voller Vorfreude präsentierten sich die vom DOSB für die Olympischen Spiele nominierten Segler und Seglerinnen heute im VSaW

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 01.06.2016

tati Deutsche Olympiasegler 2016 (v. l. n. r.): Ferdinand Gerz, Oliver Szymanski, Philipp Buhl, Marlene Steinherr, Annika Bochmann, Toni Wilhelm, Thomas Plößel, Erik Heil, Victoria Jurczok, Anika Lorenz

Es herrscht Aufbruchstimmung unter Deutschlands Olympiaseglern. Gestern hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die vom Deutschen Segler-Verband (DSV) zunächst vorgeschlagenen zehn Seglerinnen und Segler offiziell nominiert. Heute stellten sich die Aktiven mit ihren Trainern und Betreuern im Verein Seglerhaus am Wannsee der Öffentlichkeit vor. Dass die Wahl des Gastgebers für diesen Medientag auf Berlins größten Segelverein und sein schönes Clubhaus und Gelände am Wannsee fiel, war mit Blick auf die Anzahl von Berliner Seglern im Team für Rio kein Wunder: Sieben der zehn Athleten kommen aus der Hauptstadt, haben hier das Segeln gelernt.

tati Heimspiel für die Medaillenjäger: Sieben von zehn Aktiven in der DSV-Flotte für Rio sind aus Berlin

Bei den Olympischen Spielen wollen sie nun die schon zwölf Jahre währende Medaillenflaute deutscher Segler bei Olympischen Spielen beenden. Seit 2004 gab es zwei medaillenlose Spiele und 2008 eine Bronzemedaille für die 49er-Brüder Hannes und Jan-Peter Peckolt. Nach der Enttäuschung vor vier Jahren, als zwar fünf Top-Ten-Platzierungen starke Leistungen und den Aufwärtstrend signalisierten, das erhoffte Edelmetall aber knapp verpasst worden war, will das Audi Sailing Team Germany die Trendwende nun im August in der Guanabara-Bucht endlich einläuten.

"Wir sind ein starkes Team, haben mehrere Kandidaten mit absoluten Medaillenchancen und dazu einige, die gleich hinter den Top-Favoriten in Lauerposition sitzen", sagte der Aktivensprecher Philipp Buhl am Mittwoch. Der 26 Jahre alte Vizeweltmeister zählt bei seiner Olympia-Premiere selbst zu den größten Hoffnungsträgern, bekommt es aber beim Kampf um Edelmetall im Laser auch mit der größten Anzahl von internationalen Medaillenkandidaten zu tun.

tati So eine Medaille, die wär's! Aktivensprecher Philipp Buhl vor der Medaillen-Vitrine im Verein Seglerhaus am Wannsee, in der auch das Goldstück von Willy Kuhweide hängt

Sechs deutsche Crews wurden nach ihrer offiziellen Nominierung im VSaW offiziell vorgestellt: Neben Buhl startet der in Lörrach geborene RS:X-Surfer Toni Wilhelm in Rio. Er hatte vor vier Jahren im britischen Olympiarevier von Weymouth die Bronzemedaille im Finale ganz knapp verpasst und will nun unter dem Zuckerhut zum dritten Mal um eine Medaille kämpfen. Zu den Hoffnungsträgern zählen auch die beiden starken deutschen Skiff-Crews Erik Heil/Thomas Plößel (Norddeutscher Regatta Verein) und die WM-Dritten Victoria Jurczok/Anika Lorenz aus Berlin. Für 470er-Steuermann Ferdinand Gerz (München) ist es der zweite Olympiastart, sein Vorschoter Oliver Szymanski aus Berlin blickt seiner Premiere entgegen. Wie Jurczok/Lorenz starten auch die 470er-Seglerinnen Annika Bochmann und Marlene Steinherr für den Verein Seglerhaus am Wannsee. Ob noch eine junge Nacra-17-Crew nachnominiert wird, hängt von der Leistung der beiden rivalisierenden Bewerber beim Weltcup vor Weymouth ab 8. Juni ab.

"Als deutsches Team können wir die Medaillenflaute beenden. Und Thomas und ich können dabei helfen", sagte 49er-Steuermann Erik Heil. Buhls Trainer Thomas Piesker glaubt an das "Amelie-Lux-Prinzip" und nennt die gewinnbringende Freude der DSV-Segler an ihrem Sport einen wichtigen Erfolgsfaktor. Mit seiner Einschätzung erinnerte der Berliner an die umjubelte Silbermedaille, die Amelie Lux als "Kieler Surffloh" bei den Olympischen Spielen 2000 über Nacht berühmt machte, weil sie sich über Platz zwei so mitreißend freute wie andere über einen Olympiasieg. Piesker sagte am Wannsee: "Unsere Mannschaft hat großes Amelie-Lux-Potenzial ohne Top-Favoriten-Druck. Die können aus Freude siegen. Und wir uns auf einige Überraschungen gefasst machen." Auch Deutschlands erfolgreichster Olympiasegler glaubt an die erfolgshungrige Mannschaft. Jochen Schümann sagt: "Ich traue diesem Team Medaillen zu. Zwei wären kein Wunder, aber dafür braucht es im Segelsport auch das Glück des Tüchtigen. Von dreien darf man träumen."


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Themen: Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)Deutscher Segler-Verband (DSV)Erik Heil/Thomas PlößelJochen SchümannOlympiaPhilipp BuhlVerein Seglerhaus am WannseeVictoria Jurczok/Anika Lorenz

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