Segeln olympisch
Miami-Weltcup: 49er lassen es krachen, Kohlhoff rammt Riff

Mit zwei Tagessiegen haben sich Erik Heil und Thomas Plößel auf Platz eins im 49er-Klassement katapultiert. Kohlhoff/Stuhlemmer brutal von einem Riff gestoppt

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 01.02.2019
Hatten am Donnerstag erst keinen Durchblick, dann den kompletten: Die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel haben bei der Weltcup-Regatta vor Miami mit zwei Tagessiegen in Folge die Führung übernommen Hatten am Donnerstag erst keinen Durchblick, dann den kompletten: Die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel haben bei der Weltcup-Regatta vor Miami mit zwei Tagessiegen in Folge die Führung übernommen Hatten am Donnerstag erst keinen Durchblick, dann den kompletten: Die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel haben bei der Weltcup-Regatta vor Miami mit zwei Tagessiegen in Folge die Führung übernommen

Jesus Renedo / Sailing Energy / World Sailing Hatten am Donnerstag erst keinen Durchblick, dann den kompletten: Die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel haben bei der Weltcup-Regatta vor Miami mit zwei Tagessiegen in Folge die Führung übernommen

Sie sind wieder da: Erik Heil und Thomas Plößel haben zwei Tage gebraucht, um beim Saisonauftakt vor Miami in Fahrt zu kommen. Vier Monate fast ohne Training hatten sich in den ersten Tagen doch deutlicher als erhofft bemerkbar gemacht. Am Donnerstag aber schien es, als hätten die Berliner nach zunächst erneut wackligem Beginn mit den Rängen 17 und acht genug davon zu haben, sich im Mittelfeld zu plagen. Mit zwei Tagessiegen in Folge übernahmen sie die Führung des Klassements vor dem britischen Duo Dylan Fletcher-Scott/Stuart Bithell und den kroatischen Weltmeistern Sime und Mihovil Fantela.

WECAMZ Mit diesem Bild und dem Morgen-Motto "Heute gibt es wieder eine Chance besser zu werden" waren Erik Heil und Thomas Plößel in den dritten Tag der Weltcup-Regatta vor Miami gestartet. Am Ende des Tages lagen die Berliner in Führung

"So einfach, wie es am Ende aussah, war es heute aber nicht", berichtete Erik Heil. "Vor allem das erste Rennen das Tages war eines der krankesten, das wir je erlebt haben. Mit diversen Windsystemen auf dem Kurs, sodass man am Ende wirklich nicht mehr wusste, wohin man segeln sollte. Mal stand man und wartete, dann ging's weiter. Völlig irre." Mit zwei exzellenten Starts entsprechend der Ansagen von Bundestrainer Marc Pickel, der rechtsdrehenden Wind vom Flughafen aus prognostiziert hatte, gelangen danach die beiden Rennsiege in etwas konstanteren Winden. "Wir hatten uns vor der Regatta mit Blick auf die fehlenden Trainingstage ein Top-Acht-Ergebnis zum Ziel gesetzt. Das ist realistisch, denn wir schwanken noch recht stark. Aber natürlich gibt einem ein Tag wie heute ein gutes Gefühl, auch wenn unsere Kondition noch nicht da ist, wo sie sein sollte und wir jetzt nach vier Wettfahrten ziemlich müde sind", sagte Heil.

Jesus Renedo / Sailing Energy / World Sailing Schöne 49er-Studie vor Miami

Mit knapp sieben Punkten Vorsprung startet die seit zehn Jahren 49er segelnde und damit sehr erfahrene Crew vom Norddeutschen Regatta Verein nun in die zweite Regattahälfte. Dabei haben der 29-jährige Steuermann Heil und sein ebenso alter Vorschoter Plößel, die mit den führenden deutschen 49er-Teams unter der Regie von Marc Pickel trainieren, doppelte deutsche Verstärkung in den Top Ten. Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger vom Bayerischen Yacht-Club liegen zur Halbzeit der Weltcup-Regatta in der Biscayne Bay auf Platz fünf. Die Kieler Justus Schmidt und Max Boehme folgen direkt dahinter auf Platz sechs. Die WM-Dritten Tim Fischer und Fabian Graf waren zunächst auf Platz 13 zurückgefallen. Doch auch ihnen fehlen nur fünf Punkte zu den Top Ten vor den letzten vier Wettfahrten bis zum Skiff-Medaillenrennen am Samstag. Der Gesamteindruck der deutschen 49er-Flotte nach drei Tagen: stark! Was auch für den ersten Tagessieg am Donnerstagvormittag galt, den Finn-Steuermann Max Kohlhoff ersegelte. Der Kieler konnte sich mit den anschließenden Rängen 15 und 13 auf Platz 16 vorarbeiten, während sein Teamkamerad Phillip Kasüske auf Platz 19 zurückfiel.

Pedro Martinez / Sailing Energy / World Sailing Den ersten Tagessieg am Donnerstag ersegelte Finn-Steuermann Max Kohlhoff

Im Nacra 17 auf ein Riff gefahren!

Einen guten Eindruck hatten nach etwas wackligem Beginn zuletzt auch Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer hinterlassen. Dann wurde das Duo am Donnerstag brutal gestoppt. "Wir sind auf ein Riff gefahren – mitten auf dem Kurs!", erzählte Paul Kohlhoff und konnte es selbst kaum glauben. Das Schwert des Nacra 17 wurde dabei gespalten. Durch den Crash verloren die Kieler insgesamt zwei Wettfahrten. Sie besorgten sich in größter Eile ein Ersatzschwert und konterten im vierten Durchgang des Tages mit einem weiteren vierten Rang. Anders als Hochseesegler mit ihrer technischen und elektronischen Ausrüstung haben Olympiasegler kaum eine Möglichkeit, unter Wasser befindliche Riffs zu erkennen und zu umfahren, die auf ihren Kursen grundsätzlich nicht liegen sollten. Am Abend kämpfte die Crew vom Kieler Yacht-Club noch mit einem Antrag bei der Jury um Wiedergutmachung für das außerordentliche Malheur. Ohne Wiedergutmachung lagen sie zunächst auf Platz 16. Die zweite deutsche Nacra-17-Crew, Johannes Polgar und Carolina Werner, lag nach insgesamt neun Rennen auf Platz zwölf.

Jesus Renedo / Sailing Energy / World Sailing Liegen nach neun Rennen auf Platz zwölf: Johannes Polgar und Carolina Werner im Nacra 17

Schnelle Frauen im 49erFX und im 470er

665 Seglerinnen und Segler aus 62 Nationen kämpfen bei der Hempel World Cup Series Miami 2019 um 45 Medaillen. Auch die Aktiven und die Boote des German Sailing Teams bringen sich dafür in Position. Am besten gelang das neben den Skiff-Crews bislang den 470er-Frauen: Fabienne Oster und Anastasiya Winkel vom Norddeutschen Regatta Verein lagen nach vier Wettfahrten auf Platz drei, Frederike Loewe und Anna Markfort vom Verein Seglerhaus am Wannsee auf Platz fünf. Auch die 49erFX-Titelverteidigerinnen Vicky Jurczok und Anika Lorenz segeln eine sehr gute Serie, brachten sich am Donnerstag aber nach den überzeugenden Rängen vier und zwei am Ende des Tages mit einem Frühstart um die gut mögliche Führung. Die Berlinerinnen greifen aber am Freitag als Gesamt-Dritte wieder aussichtsreich an.

Jesus Renedo / Sailing Energy / World Sailing Waren erneut rasant unterwegs, im letzten Rennen des Tages etwas zu rasant am Start: die 49erFX-Seglerinnern Vicky Jurczok und Anika Lorenz

Pedro Martinez / Sailing Energy / World Sailing Auch nach vier Rennen weiter auf einem Podiumsplatz: Fabienne Oster und Anastasiya Winkel vom Norddeutschen Regatta Verein

Schwarzer Tag für die Lasersegler

Für die deutschen Lasersegler markierte dieser Donnerstag einen schwarzen Tag, an dem sowohl Leitwolf Philipp Buhl als auch Aufsteiger Nik Aaron Willim zu kämpfen hatten. Philipp Buhl fand als Siebter zwar gut in den Tag, verlor dann aber im zweiten Rennen allein auf dem zweiten Vorwind-Abschnitt fast 15 Boote, weil er die falsche Kursseite gewählt hatte, er kam erst als 35. ins Ziel. Nach Rang 15 in der dritten Wettfahrt des Tages fiel der Sonthofener zunächst auf Platz 15 zurück. Der WM-Dritte wird sich im Endspurt eilen müssen, will er das Medaillenfinale noch erreichen. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass er einen Rückschlag mit einem Comeback beantwortet. Auch der am Vortag noch so glückliche Tagessieger Nik Aaron Willim fand sich am Ende von Tag drei nicht mehr auf seinem schönen 13., sondern nach den Rängen 50, 40 und 40 auf dem 42. Platz wieder. Im Laser Radial lag Laura Bo Voss nach fünf Wettfahrten auf Platz 33.

Nachtrag, Freitag, 1 Uhr: Der Antrag auf Wiedergutmachung der Nacra-17-Crew Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer ist abgelehnt worden. Zwar wurde bestätigt, dass das Riff auf dem Kurs lag, es also tatsächlich nicht genügend Tiefgang gegeben hat. Anderererseits aber, so berichtete Paul Kohlhoff von der Bekanntgabe der Entscheidung, habe der Wettfahrtleiter laut Jury-Auffassung den Kurs nach offiziellen Vorgaben korrekt gelegt. Der Vorgabe wiederum haben offenbar fehlerhafte Angaben zugrunde gelegen. Weil also der Wettfahrtleitung kein Fehler nachzuweisen war, müssen nun die Geschädigten ihr Auflaufen auf das Riff und die Folgen als "Pech" verbuchen. Bleibt zu hoffen, dass es ab Freitag vor Miami keine Kurse mehr mit Riffgefahr geben wird.

Hier  geht es zu den aktuellen Zwischenständen, die sich über Nacht aufgrund weiterer anstehender Proteste und der Zeitverschiebung noch leicht verändert haben könnten.

Pedro Martinez / Sailing Energy / World Sailing Kämpfte drei Rennen lang, musste sich aber am Donnerstag unter Wert geschlagen geben und am Freitag voraussichtlich als 15. seine Aufholjagd starten: Philipp Buhl


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Themen: Biscayne BayErik Heil/Thomas PlößelFabienne Oster/Anastasiya WinkelLempel World Cup Series Miami 2019MiamiPaul Kohlhoff/Alica StuhlemmerVicky Jurczok/Anika Lorenz

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