Segeln olympisch
Mastbruch-Drama in der Olympia-Quali

Die Olympia-Hoffnungen von Schmidt/Boehme sind nach dem Mastbruch auf ein Minimum gesunken. Heil/Plößel mit zwei Rennsiegen auf Kurs Rio

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 31.03.2016

Pedro Martinez/Sailing Energy/Sofía Bitterer Tag für Justus Schmidt und Max Boehme: Nach dem Mastbruch sind ihre Chancen im Kampf um das Rio-Ticket auf ein Minimum gesunken

Im Finale der Olympia-Ausscheidung der beiden besten deutschen 49er-Teams haben sich am Donnerstag bei der spanischen Trofeo Princesa Sofía dramatische Szenen abgespielt. Nachdem es für beide GER-Crews in den Wettfahrten 8 und 9 nur zu durchschnittlichen Ergebnissen reichte, brach der Mast auf der neuen "Pussy Galore" der 49er-Europameister Justus Schmidt und Max Boehme.

Die begleitenden Trainer und Betreuer reagierten sofort und bemühten sich fieberhaft um ein Ersatzboot, das der Crew vom Kieler Yacht-Club dann sehr großzügig von den Briten James Peters und Fynn Sterritt zur Verfügung gestellt wurde. Auch die Kieler Clubkameraden Tim Fischer und Fabian Graf hatten helfen wollen, waren aber auf einer anderen Bahn und damit zu weit weg unterwegs, um ihr Boot Schmidt/Boehme rechtzeitig zum nächsten Rennen zu übergeben. Dennoch brachen Fischer/Graf ihre eigene Wettfahrt ab und rasten zum "Unglücksort". Dort hatten Schmidt/Boehme bereits das britische Boot übernommen. So gaben Fischer/Graf ihr Boot den britischen Schützenhelfern – eine sicher so noch nicht vorgekommene Aktion.

Pedro Martinez/Sailing Energy/Sofia Segeln auf Kurs Rio, müssen aber noch zwei Tage solide Leistungen abliefern: Erik Heil und Thomas Plößel

Das erste Rennen mit dem britischen Leihboot schlossen Schmidt/Boehme mit Rang acht ab (was beim Zieldurchgang aber nicht bemerkt und als DNS gewertet wurde, weil sie im britischen Boot unterwegs waren), das zweite mit Rang 13. Für die Tauschaktion mussten sich die involvierten Parteien am späten Nachmittag noch vor der Jury verantworten.

Jesus Renedo/Sailing Energy/Sofìa Probleme mit dem Schwert, das zu tief in den Rumpf eindrang und das Boot beschädigte, haben Paul Kohlhoff und Carolina Werner vor Mallorca aus dem Rennen geworfen

Unabhängig vom Ausgang der Jury-Verhandlung bleibt es ein schwarzer Tag aus Sicht der Kieler, denn ihre Rivalen im Kampf um die Rio-Fahrkarte liegen nach zwölf Wettfahrten auf Platz 1 der Regatta, punkteten mit zwei Tagessiegen am Donnerstag imposant und empfahlen sich damit für die 49er-Fahrkarte nach Rio de Janeiro. "Das ist nun schon ein fettes Brett", zollte auch Trainer Thomas Rein der Leistung von Erik Heil und Thomas Plößel Respekt, während er mit seinen unglücklicheren Schützlingen die Jury-Verhandlung vorbereitete.

Heil/Plößel-Betreuer Frithjof Kleen sagte nach den Rennen: "Erik und Thomas sind sehr gut drauf. Sie haben heute ganz stark aufgedreht und allen richtig was geboten, nachdem sie in der ersten Wettfahrt gekentert waren." Maximal vier Wettfahrten und das Medaillenrennen bleiben Schmidt/Boehme, das am Donnerstag Unmögliche am Freitag und am Samstag doch noch wahrzumachen. Die Chancen dafür sind allerdings dramatisch geschrumpft.

Mit "Schredder" in die Weltspitze

Auch in den anderen Klassen lief für das Audi Sailing Team Germany vieles nicht nach Plan. Im Nacra 17 geriet das Schwert von Paul Kohlhoff und Carolina Werner – vermutlich aufgrund zu kleiner Knoten – zu tief in den Rumpf und beschädigte den Katamaran so sehr, dass die Kieler aufgeben mussten und die Regatta aufgrund der notwendigen Reparaturen auch nicht mehr beenden können. "Unser Schwert hat das Boot innen kaputt gemacht. Da muss nun von außen ein Loch reingebohrt und dann von innen laminiert werden. Das ist ein längerer Prozess", erklärte Carolina Werner.

Während die Kieler mit ihrem Schicksal haderten, segelten die Flensburger Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann mit ihrem Katamaran namens "Schredder" und den starken Rängen drei und sechs auf Platz sechs vor, während Kohlhoff/Werner auf Platz 15 abstürzten und in den letzten Rennen nur noch zuschauen können.

Toni Wilhelm liegt bei den RS:X-Surfern nach vier von sechs Regattatagen auf Platz vier. Bei der 49erFX-Frauen sind Tina Lutz und Susann Beucke Vierte, Victoria Jurczok und Anika Lorenz Fünfte. Damit segeln Jurczok/Lorenz weiter ungefährdet auf Kurs Rio, dürfen sich aber an den letzten beiden Regattatagen auch keine Riesenpatzer oder Materialbruch leisten.

Ganz nach Plan verlief der zweite Renntag für Deutschlands Segler des Jahres 2015. 2.4mR-Steuermann Heiko Kröger hat das Bild in der Ergebnisliste wieder nach seinem Geschmack gerade gerückt und die Führung des Feldes mit den Rängen 1 und 3 übernommen. Teamkamerad Lasse Klötzing rutschte nach gelungenem Auftakt auf Platz fünf zurück.

Redaktionelle Ergänzung, 21.45 Uhr: Nach mehreren Jury-Entscheidungen hat sich das 49er-Klassement am späten Donnerstagabend noch einmal verändert: Erik Heil und Thomas Plößel lagen danach auf Platz drei (46 Punkte), Justus Schmidt und Max Boehme auf Platz 8 (79 Punkte). Damit trennen die beiden Teams nicht mehr 41, sondern 33 Punkte vor den vier geplanten Wettfahrten am Freitag und dem Medaillenrennen.


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Themen: Heil/PlößelJurczok/LorenzLutz/BeuckePalma de MallorcaSchmidt/BoehmeTrofeo Princesa SofiaWilhelm

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