Olympia 2012
Gänsehaut im Flammenschein

Die olympische Segelregatta beginnt Sonntag. Für Deutschland gehen Robert Stanjek und Frithjof Kleen ab 13.30 Uhr Ortszeit auf Medaillenjagd

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 28.07.2012

tati Das Olympische Dorf in Weymouth

tati Nadine Stegenwalner, Friederike Belcher, Kathrin Kadelbach und RS:X-Surfer Toni Wilhelm in Weymouth

Drei magische Momente hat 470er-Vorschoterin Frederieke Belcher am Freitagabend bei der Eröffnungsfeier für die XXX. Olympischen Spiele im Stadion von London erlebt: «Den Moment, in dem wir ins Stadion einliefen, den Moment, als sieben junge Athleten das olympischen Feuer entzündet haben und den Moment, als die britische Mannschaft ins Stadion einlief und das ganze Stadion losbrüllte." Auch Steuerfrau Kathrin Kadelbach nimmt die Erinnerung an die erleuchtende olympische Flamme als schönsten Moment mit in die Regatta. Auf der grünen Wiese vom dem kleinen olympischen Dorf der Aktiven mit insgesamt 77 typischen "Town Houses" berichtete sie nach der Rückkehr aus London, wo die Segler die Nacht im "großen " Olympischen Dorf der Athleten verbracht hatten: "Für mich war das der magische Moment. Ich konnte die Hitze des Feuers im Gesicht spüren."

Elf DSV-Seglerinnen und Segler waren mit "Deputy Chef de Mission" Nadine Stegenwalner nach London gereist, um die Eröffnungsfeier mitzuerleben, gemeinsam mit den 392 Sportlern der deutschen Olympiamannschaft vor 80.000 Gästen im Stadion und rund einer Milliarde Menschen an den Bildschirmen in aller Welt in die Herzkammer der Olympischen Spiele einzulaufen und Motivation zu tanken.

Lediglich Starboot-Steuermann Robert Stanjek hatte schweren Herzens verzichtet, weil die Regatta der Zweimann-Kielboote bereits am Sonntag beginnt und er die Strapazen der stundenlangen An- und Abreise wie viele andere internationale Segler nicht auf sich nehmen und sich dadurch in seiner Konzentration stören wollte. Stanjeks Vorschoter Frithjof Kleen aber riskierte es und wurde belohnt: „Es war ein einmaliges Erlebnis mit viel Gänsehaut, als das Feuer angezündet wurde», sagte auch Kleen, «ich gebe gerne zu, dass ich die mir gegenüber geäußerten Bedenken im Nachhinein noch besser verstehen kann. Die Reise war tatsächlich anstrengend, aber sie war es einfach wert. Das Erlebnis motiviert mich sehr.“

STG Starten am Sonntag als Erste in die Olympia-Regatta: Robert Stanjek und Frithjof Kleen

Die beiden Berliner Robert Stanjek und Frithjof Kleen steigen am Sonntag als erste deutsche Segler in die olympische Regatta ein. Ihr Auftaktrennen beginnt um 13.30 Uhr Ortszeit (14.30 Uhr deutscher Zeit) auf Kurs Nord in der Bucht von Weymouth. Auch das zweite Rennen des Tages ist für die Starbootsegler auf diesem Kurs geplant. Nach dem sonnigen Samstag erwartet die Segler am Sonntag aber laut Wetterprognose voraussichtlich ein grauer Himmel. Immerhin: Zwölf bis 14 Knoten Wind sollen für gute Segelbedingungen sorgen.

„Wir nehmen es, wie es kommt“, sagte Frithjof Kleen, „unser Ziel ist ein Platz im Medaillenrennen der besten zehn Mannschaften am 5. August. Und wer das in einem so starken Feld schafft, dem kann fast alles gelingen.“ Die Flotte der Starboote ist mit 16 Mannschaften die zweitkleinste nach dem überschaubaren Feld von nur 12 Match-Race-Frauen-Mannschaften, die ebenfalls am Sonntag, aber ohne deutsche Beteiligung, in ihre ersten Round-Robin-Runden (jeder gegen jeden) einsteigen.

Starboot-Party für Briten und Brasilianer?

Top-Favoriten in der Starbootklasse sind die Olympiasieger Iain Percy und Andrew „Bart“ Simpson sowie die Weltmeister Robert Scheidt und Bruno Prada aus Brasilien. Die beiden Steuerleute haben schon jeweils zwei olympische Goldmedaillen gewonnen. Beide Crews dominieren die Klasse derart überzeugend, dass sogar der Weltseglerverband ISAF diese Überschrift für eine Pressemitteilung formulierte: „Die Star-Segler legen los, um den Briten und Brasilianern ihre Party zu verderben.“

Einen kleinen Dämpfer hatte es für ein halbes Dutzend Starboot-Teams bereits vor dem ersten Startschuss gegeben, als sie bei der Vermessung durchfielen. Während Stanjek/Kleen diese Hürde anstandslos überstanden, mussten sechs Mannschaften nachsitzen und zum Kiel-Schleifen antreten, darunter auch die Briten, die Iren, der polnische Olympiasieger Mateusz Kusznierewics, die Neuseeländer mit Steuermann Hamish Papper und die Franzosen mit Steuermann Xavier Rohart. Inzwischen haben alle die Nachvermessung korrekt absolviert.

Mit dem Schrecken davongekommen

Mit dem Schrecken kam der griechische Lesersegler Vagelis Himonas davon, der sein – wie für alle Laserteilnehmer – vom Veranstalter gestelltes Boot aus der allgemeinen Zone mit in seinen Teambereich genommen und daran gearbeitet hatte. Dieses ohne bösen Hintergedanken absolvierte, aber unerlaubte Landmanöver hätte für den 32-Jährigen mit einer Wettfahrtdisqualifikation enden können, doch stattdessen beließ es die Jury bei einer strengen Ermahnung.

Ben Ainslie würde ein solcher Patzer nicht unterlaufen. Schon, weil die Finn-Dinghi-Segler mit eigenem Material antreten. Der Darling der Briten ist der Top-Favorit der olympischen Finn-Regatta, kann mit einer möglichen vierten Goldmedaille nebst einer 1996 gewonnenen Silbermedaille den legendären Dänen Paul Elvström vom Thron schubsen und zum erfolgreichsten Olympiasegler aller Zeiten aufsteigen.

onEdition Startet am Sonntag in die Regatta seines Lebens: Großbritanniens Hoffnungsträger Ben Ainslie

Wie für die Starboote findet auch das Medaillenfinale der Finn-Dinghi-Segler am 5. August statt. An dem Tag wird ganz England nach Weymouth blicken und dem Segelsuperstar die Daumen drücken. Die Zuschauertickets für diesen Tag waren die begehrtesten. Insgesamt standen für die zwei Wochen dauernde olympische Segelregatta 63.000 Tickets für einen Platz (ohne Stuhl!) auf den gepflegten britischen Grüns der erhöhten Burganlage „The Nothe“ zur Verfügung. Doch alle waren bereits 2011 ausverkauft. Auf dem nach der Festung benannten zuschauerfreundlichen Kurs „The Nothe“ starten die Finn Dinghis am Sonntag bereits um 12 Uhr in ihre erste Wettfahrt, um die Arena danach den Matchracerinnen zu überlassen und für ihr zweites Rennen zu den Starbooten auf den Nordkurs zu wechseln.

Ainslie und der Auftakt-Fluch

Für den Ausnahmesegler Ben Ainslie wäre alles andere als eine Goldmedaille eine Riesenenttäuschung. Mit dem dadurch entstandenen Druck geht der 35-Jährige zumindest äußerlich gelassen um. „Ich weiß, dass die Erwartungen von außen an mich groß sind, aber sie werden meine eigenen niemals erreichen.“ Auch über das Phänomen seiner auffällig oft verpatzten ersten Tage einer Regatta kann Ainslie, der am Samstagabend das Olympische Feuer in Weymouth entzündete, lachen: „Ich weiß nicht, ob das einfach nur Pech ist, oder ich das vielleicht sogar als Weckruf brauche.“ Dennoch wünscht er sich für die Olympischen Spiele keine Fortsetzung dieser Negativserie: „Es wäre schön, wenn ich hier mit einem soliden Ergebnis in die Serie einsteigen könnte.“ Genau das wird er am Sonntag versuchen, wenn um 12 Uhr Ortszeit der erste olympische Startschuss für die Finnsegler fällt.


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Themen: Ben AinslieFinn-DinghyFriederike BelcherFrithjof KleenKathrin KadelbachOlympiaRobert StanjekStarbootWeymouth

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