Weltcup
Der steile Weg nach Rio de Janeiro

Der Auftakt zum letzten Finale der deutschen Olympia-Ausscheidung verlief stürmisch. Fast zwei Drittel der Nacra-Flotte kam nicht ins Ziel

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 27.04.2016

Pedro Martinez/Sailing Energy/Hyères Kein Auftakt nach Maß für Paul Kohlhoff und Carolina Werner beim olympischen Ausscheidungsfinale vor Hyères

Sechs Rio-Fahrkarten haben sich Deutschlands beste Olympiasegler bereits gesichert. Beim Weltcup vor Hyères winkt nun 100 Tage vor der Eröffnungsfeier der XXXI. Olympischen Spiele die siebte und letzte mögliche für das Audi Sailing Team Germany. Zwei junge deutsche Nacra-17-Crews kämpfen darum – gegeneinander und gleichzeitig gegen die internationale Konkurrenz. Zwei Bedingungen haben entweder die nach zwei von drei Regatten in der Ausscheidung mit acht Punkten Vorsprung führenden Kieler Paul Kohlhoff und Carolina Werner oder die Flensburger Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann dafür zu erfüllen: Sie müssen in der internen Wertung zum Ende der drei Ausscheidungsregatten unter den besten zehn Nationen platziert sein. Gleichzeitig müssen sie das innerdeutsche Duell für sich entscheiden.

Pedro Martinez/Sailing Energy/Hyères Nur 14 von 34 Nacra-17-Crews konnten die erste stürmische Wettfahrt vor Hyères beenden. Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann erreichten das Ziel als Vierte. Dass es keine leichte Aufgabe war, steht Lea Spitzmann ins Gesicht geschrieben

Mit der besseren Ausgangsposition sind Kohlhoff/Werner in den Weltcup gestartet. Sie lagen vor Regattabeginn auf dem wichtigen zehnten Nationenplatz und müssen den halten oder verbessern. Die Strategie dafür erläuterte Caro Werner: "Wir werden uns vor allem auf uns selbst konzentrieren, denn sonst geben wir direkt zehn Prozent Konzentration an die anderen ab." Erichsen/Spitzmann haben nicht nur ihren Acht-Punkte-Rückstand auf Kohlhoff/Werner aufzuholen, sondern müssen auch in der Nationenwertung deutlich vorrücken, wollen sie die Kriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes für ihren Olympiastart erfüllen. "Wir glauben daran, dass wir das schaffen können", hatte Steuermann Erichsen einen Tag vor dem ersten Startschuss gesagt.

Vor diesem spannungsgeladenen Hintergrund begann die erste und einzige von drei geplanten Weltcup-Wettfahrten der Nacra-17-Flotte am Mittwoch stürmisch. In Mistral-Winden um 28 Knoten, in denen die 49erFX-Seglerinnen erst gar nicht starten durften, hatten die Katamaran-Mixed-Crews vor Hyères mit den Elementen zu kämpfen. Das Ergebnis der forschen Entscheidung der Wettfahrtleitung: Nur 14 Crews kamen durch. 20 blieben auf der Strecke, darunter auch Kohlhoff/Werner, die französischen Olympiafavoriten und Weltmeister Billy Besson und Marie Riou und eine Reihe weiterer internationaler Top-Crews. Während Kohlhoff/Werner immerhin ohne schwere Materialschäden blieben, brachen ringsum die Masten. Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann aber kamen durch. Sie kreuzten die Ziellinie als Vierte und starten am Donnerstag aus dieser Position in die nächsten Rennen, für die es schon Entwarnung gibt: Der Wind soll nachlassen.

Während die deutschen Nacra-17-Crews unter Ausscheidungsdruck agieren, können Deutschlands Beste in den anderen Klassen befreit segeln und auf Kurs Rio an ihrer Olympiaform arbeiten. Laser-Vizeweltmeister Philipp Buhl übernahm am ersten Weltcup-Tag mit Rang sechs und einem Tagessieg die Führung. "Ich hatte Spaß", sagte Buhl fröhlich, "dem Laser machen solche Bedingungen nicht so viel aus. Aber die 49er- und Nacra-Segler haben meinen Respekt. Für die war es heute krass." Die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel verbuchten ebenfalls einen Tagessieg, dazu die Ränge 8 und 13, liegen nach drei Wettfahrten auf Platz vier. Pech hatte Heiko Kröger in der Paralympics-Klasse 2.4mR, als ihm in der ersten Wettfahrt in Führung liegend der Lümmelbeschlag brach. Deutschlands Segler des Jahres muss sich ab Donnerstag von unten wieder nach oben vorarbeiten.

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Pedro Martinez/Sailing Energy/Hyères Vize-Weltmeister und Aktivensprecher Philipp Buhl eröffnete den Weltcup stark, übernahm mit einem Tagessieg und einem sechsten Rang die Führung


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Themen: Erichsen/SpitzmannHyèresKohlhoff/WernerNacra 17Weltcup

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