Regatta
Bei der 470er-WM geht es um olympisches Sein oder Nichtsein

Die Saison beginnt für das German Sailing Team mit einem Showdown: Nach Corona-bedingten Absagen in Serie steht vor Vilamoura in Portugal viel auf dem Spiel

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor einem Monat
470er 470er 470er

DSV/Lars Wehrmann 470er

Für die meisten Menschen beginnt am Montag die neue Arbeitswoche. Für Deutschlands beste 470er-Segler beginnt vor Vilamoura in Portugal der Kampf um olympisches Sein oder Nichtsein in diesem Sommer. Nach Regatta-Absagen in Serie in der Corona-Pandemie bleibt den DSV-Akteuren nur noch die WM zur Sicherung des noch fehlenden olympischen Nationenstartplatzes für die 470er-Männer und die individuelle Olympiafahrkarte bei Männern und Frauen. Beim 470er-Gipfel mit 29 Männer-Duos aus 19 Nationen und 27 Frauen-Crews aus 18 Ländern steht sportlich so viel wie selten auf dem Spiel.

Um bei den Olympischen Spielen starten zu dürfen, müssen die deutschen 470er-Männer bei der Weltmeisterschaft vom 8. bis zum 13. März erst einmal den letzten verbliebenen Nationenstartplatz für eine europäische 470er-Crew sichern. Aber sie sind bei Weitem nicht die einzigen, die ihn haben wollen. Auch die Österreicher, die Schweizer, die Gastgeber, Ungarn und weitere Nationen wollen diese letzte Chance nutzen, bei Olympia 2020 im Jahr 2021 im 470er-Männerfeld dabei zu sein.

DSV/Lars Wehrmann Simon Diesch und Philipp Autenrieth kämpfen um ihren Olympiatraum

"Es gibt noch sechs Nationen, die mit jeweils ein bis drei Crews um diesen letzten europäischen Startplatz kämpfen. Es wird der vielleicht härteste Wettbewerb unserer Kampagne", weiß Simon Diesch (Württembergischer Yacht-Club), der seit 2016 mit Vorschoter Philipp Autenrieth (Bayerischer Yacht-Club) eines der beiden deutschen Top-Teams bildet. Der Name des Steuermanns steht für Güte und Gold, denn sein Onkel und sein Vater Jörg und Eckart Diesch segelten 1976 im Flying Dutchman zum Olympiasieg. 45 Jahre später ringt nun der Junior um seine Olympiachance. Genauso wie die Teamgefährten Malte Winkel und Matti Cipra (Schweriner Yacht-Club/Plauer Wassersportverein).

DSV/wecamz Simon Diesch und Philipp Autenrieth segeln seit 2016 zusammen im 470er

DSV/Lars Wehrmann Malte Winkel und Matti Cipra sitzen seit 2014 in einem Boot

Gleichzeitig zur gemeinsamen großen Aufgabe der Sicherung des Nationenstartplatzes geht es für Diesch/Autenrieth auf der einen und Winkel/Cipra auf der anderen Seite aber auch darum, ein möglichst gutes und vor allem besseres Ergebnis einzufahren als die jeweils andere Crew, um das persönliche Olympiaticket lösen zu können. Die beiden Zielsetzungen vertragen sich nicht immer, denn ein "Privatduell" um die Enoshima-Fahrkarte könnte den erforderlichen Nationenstartplatz möglicherweise außer Sicht geraten lassen. Doch Winkel sagt: "Ich sehe keine 1:1-Situationen. Wir wissen alle, wie wichtig der Nationenstartplatz ist. Und ich sehe auch keinen Druck. Wir sind im Winter zusammengewachsen und freuen uns einfach mega auf die WM." Tatsächlich haben die beiden DSV-Crews unter der Regie von Trainer Tytus Konarzewski viel zusammen trainiert, sich intensiv ausgetauscht. Diesch und Winkel haben Boote und Ausrüstung gemeinsam in einem Auto nach Vilamoura gebracht.

Der Österreicher David Bargehr und Lukas Mähr (AUT 1) erklären den WM-Kampf um den Nationenstartplatz

Dort haben die Veranstalter in den vergangenen Monaten erfolgreich alle Corona-Hürden genommen und konnten bei zuletzt sinkenden Infektionszahlen in der Region Loulé grünes Licht für den 470er-Showdown geben, in den auch vier deutsche Frauen-Crews mit olympischen Zielen starten. Zwar hatten die 470er-Seglerinnen schon 2019 ihren Nationenstartplatz gesichert, doch wer ihn besetzen darf, das entscheidet sich bei dieser nun einzig verbliebenen Ausscheidungsregatta. Als Favoritinnen sind die Berlinerinnen Frederike Loewe/Anna Markfort (Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) am Start. Um die Olympiafahrkarte kämpfen aber auch Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß (Deutscher Touring Yacht-Club), Theres Dahnke/Birte Winkel (Plauer Wassersportverein/Schweriner Yacht-Club) und das neu formierte Duo Luise Wanser/Anastasiya Winkel (Norddeutscher Regatta Verein).

DSV/Lars Wehrmann Wollen bei der WM das Olympiaticket lösen: Frederike Loewe und Anna Markfort

DSV/Lars Wehrmann Theres Dahnke und Birte Winkel wollen beim letzten Olympiaauftritt der Disziplin 470er Frauen dabei sein. Ab 2024 wird der 470er olympisch nur noch von Mixed-Teams gesegelt

Festhalten lässt sich schon vor WM-Beginn, dass die Corona-Pandemie starken Einfluss auf das vorolympische Geschehen und den Verlauf der Qualifikation hat. Die Verjüngung auf nur eine Ausscheidungsregatta wird nicht nur herausragendes Segelkönnen, sondern auch starke Nerven und das Abrufvermögen der besten Leistung zum entscheidenden Zeitpunkt erfordern. Damit kommt diese WM der Olympiaregatta in vielen Bereichen schon sehr nah. Fehlen werden bei den Herren vor allem die Titelverteidiger: Mathew Belcher und Will Ryan, Sieger der letzten ausgetragenen WM 2019, hatten früh angekündigt, dass für sie in der Pandemie aktuell kein Europa-Einsatz in Frage kommt. Für die drei Winkels unter deutscher Flagge wird die WM einmal mehr zur Familienangelegenheit: Malte Winkel, seine Ehefrau Anastasiya Winkel und seine Schwester Birte Winkel kämpfen – jeder im eigenen Team – um ihren Olympiatraum. Maximal zwei von ihnen können ihn verwirklichen.

Themen: 470er470er-WM 2021Frederike Loewe/Anna MarkfortMalte Winkel/Matti CipraNadine Böhm/Ann-Christin GoliaßOlympiaOlympische SpieleSimon Diesch/Philipp Autenrieth


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