Sailing World Cup
Aus Loyalität: Kiel sagt "nein" zum Weltcup-Finale

Das für 2018 erhoffte Weltcup-Finale findet nicht in Kiel statt. Konkurrierende Sponsoren von Kieler Woche und Weltverband machen die Kooperation unmöglich

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 04.09.2017
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Schade für den internationalen Segelsport und seine Fans in Deutschland: Das vom Weltseglerverband World Sailing und den Kieler-Woche-Organisatoren ins Visier genommene Weltcup-Finale der Olympia-Disziplinen kann 2018 nicht in Kiel stattfinden. Die Austragung des sportlichen Leckerbissens mit Starbesetzung scheitert nicht an den organisatorischen Möglichkeiten der Kieler Veranstalter und auch nicht am Revier, sondern an Kollisionen zwischen den großen Partnern und Sponsoren des Weltverbandes auf der einen und der Kieler Woche auf der anderen Seite. So wird World Sailing beispielsweise von Volvo unterstützt, während Audi traditionell mit den Kielern in einem Boot sitzt. Auch im Uhrenbereich (Rolex vs. Tutima) und bei weiteren Themen gibt es gegenläufige Interessen.

Kieler Woche/www.segel-bilder.de Sportlich war die Kieler Woche aus Sicht von World Sailing erste Wahl für das Weltcup-Finale 2018

"Wir sind nach vielen guten Gesprächen an den Punkt gekommen, dass wir es nicht gelöst kriegen", sagte Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst gegenüber YACHT online. Von den Beteiligten wurden mehrere Szenarien evaluiert. Auch die mögliche Vorverlegung des Weltcup-Finals vor die Kieler Woche (und damit möglicherweise aus ihrem gewohnten Sponsoring-Umfeld heraus), weil im Anschluss die Worlds im dänischen Aarhus stattfinden. "Das Olympiazentrum Schilksee wird seit acht Jahren von Audi gebrandet und geprägt. Das ist ein Punkt, an dem wir einfach nicht zusammen kamen", erklärt Ramhorst, dessen Team die Loyalität zu seinen Wirtschaftspartnern hoch einstuft.

"Die sportliche Zusammenarbeit mit World Sailing passt, der Termin ist stimmig, aber wir haben zu viele konkurrierende Partner aus der Wirtschaft", sagt auch Sven Christensen. Der Geschäftsführer der Kieler-Woche-Vermarktungsagentur Point of Sailing erklärt: "Wir wollen den Partnern der Kieler Woche Exklusivität garantieren und sehen daher leider keine ausreichende Möglichkeit, den Partnern des Weltverbandes einen Auftritt im Umfeld der Kieler Woche zu ermöglichen, ohne dabei lange bestehende Partnerschaften zu gefährden." Zum Zwist mit World Sailing habe die Entwicklung aber nicht geführt. Ramhorst sagt: "Der gute Kontakt zu World Sailing besteht fort, und wir sind gemeinsam bemüht, in Zukunft gemeinsame Konzepte umzusetzen, nicht jedoch 2018. Wir haben den Event für 2018 zurückgegeben. Das Finale wird nun neu ausgeschrieben. Wir haben leidenschaftlich dafür gearbeitet, den Weltcup nach Kiel zu holen. Deswegen bin ich nach der Entscheidung auch traurig."

segel-bieder.de Individuell und bei der Kieler Woche von Audi beflügelt: die Rio-Bronzemedaillen-Gewinner Erik Heil und Thomas Plößel

Die Kieler wollen sich nun verstärkt darauf konzentrieren, andere Segel-Großveranstaltungen wie Welt- und Europameisterschaften an und auf die Förde zu holen. "Für 2018 können wir solche natürlich nur bedingt aus dem Hut zaubern, denn Welt- und Europameisterschaften in olympischen Disziplinen werden zwei bis drei Jahre im Voraus vergeben. Aber wir erhoffen uns für 2018 viele Spitzensegler zur Kieler Woche, die vor den Worlds in Aarhus in unmittelbarer Nähe und einem sehr ähnlichen Revier stattfindet."

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Für das Weltcup-Finale 2018 sucht der Weltseglerverband nun einen neuen Veranstalter. Ausgeschrieben sind die Finals in den Jahren 2018 und 2019. Der Weltcup 2018 führt über Stationen in Japan (Oktober 2017), Miami (USA) und Hyères (Frankreich) zum Finale, dessen Ausrichter nun ermittelt wird. Die Kieler Woche findet vom 16. bis zum 24. Juni 2018 statt.


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Themen: Kieler WocheWeltcupWeltseglerverbandWorld Sailing

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