Segel-Weltmeisterschaft
Angriffslustig in Aarhus: Buhl wahrt Medaillenchancen

Der sechste WM-Tag war für die Mehrheit der deutschen Flotte kein guter. Einer aber blieb auf Kurs: Philipp Buhl konnte glänzen, musste sich aber auch ärgern

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 07.08.2018
Philipp Buhl Philipp Buhl Philipp Buhl

Sailing Energy/World Sailing Philipp Buhl

Ungewöhnlich wütend stapfte Philipp Buhl am Dienstag mit seinem Laser die Rampe in Bootspark 3 im Hafenviertel Aarhus Ø hinauf – der Blick fast finster, das bekannte Lächeln trotz guter Leistungen nicht zu sehen. Nach und nach erzählte er vom Grund seiner Verärgerung. Da hatte er ein fast brillantes Rennen 7 gesegelt, seinem WM-Konto den so wertvollen zweiten Rang hinzugefügt und sich danach auch für Wettfahrt 8 der Laser-Goldflotte bereits eine formidable Startposition erkämpft, als ihm plötzlich ein Segler aus Montenegro vor den Bug wendete. Schon konnte Deutschlands bester Lasersegler nicht mehr nach Plan aus der ersten Reihe starten und musste das Feld von hinten aufrollen. Das tat er zwar in mitreißender Weise, machte aus Position 31 an der ersten Wendemarke noch einen 16. Rang im Ziel, doch das hätte sich Buhl für seinen Gipfelsturm anders vorgestellt. Selbst ein mit Blick auf die Live-Bilder voraussichtlich aussichtsreicher Protest jedoch hätte ihm die verlorenen Plätze nicht wiedergegeben. So ist es im Segelsport. "Ich kann ihn rausprotestieren und überlege das auch zu tun, damit er beim nächsten Mal mehr Respekt hat, aber mir bringt das leider nichts", erklärte Buhl.

Buhls Zwischenbilanz fiel am Dienstagabend trotzdem positiv aus: "Es war in den flauen Winden ein langer harter Tag da draußen. Es ist nicht einfach, in der Hitze sieben Stunden lang die volle Konzentration aufrechtzuerhalten. Im ersten Rennen war ich gut. Im zweiten habe ich zumindest sehr gut aufgeholt. Ich werde nun wohl nicht als Spitzenreiter ins Medaillenfinale einziehen, aber ein Platz in den Top Drei wäre wichtig. Dann ist noch alles möglich."

In der Wiederholung der Live-Übertragung vom 6. Tag der Segel-Weltmeisterschaft werden die Laser-Wettfahrten mit Philipp Buhl gezeigt

Mit seinen Leistungen rückte der Weltranglisten-Zweite in der mit 165 Booten größten WM-Flotte vor den letzten beiden Wettfahrten bis zum Finale auf Platz sechs vor. 18 Punkte trennen ihn vom australischen Spitzenreiter Matthew Wearn (23 Punkte).  Zwei Rennen bleiben Buhl am Mittwoch noch, um sich eine gute Ausgangsposition für das doppelt gewertete Medaillenrennen am Freitag zu verschaffen und seinen großen Traum wahrzumachen. Der Sportsoldat, der in seiner Karriere schon WM-Bronze (2013) und WM-Silber (2015) gewann, hatte vor WM-Beginn kein Geheimnis daraus gemacht: "Ich habe Sehnsucht nach dem Titel." Was sein Schützling dafür am Mittwoch zu tun hat, erklärte Bundestrainer Alex Schonski: "Philipp hat heute stark gesegelt. Wirklich! Er muss am Mittwoch genau so weitermachen, die Punkte nach vorn so stark wie möglich verringern. Dafür müssen zwei Top-Rennen her. Das hat er drauf. Und dann ist im Finale alles drin."

Sailing Energy/World Sailing Philipp Buhl in Aktion: In Winden um anfänglich zwei bis fünf Knoten war es für die Lasersegler ein langer und harter Tag in der Bucht von Aarhus

Finn-Steuermann Phillip Kasüske aus Berlin dagegen hat am Dienstag viele Federn lassen müssen und seine Top-Ten-Position eingebüßt. Der Berliner vom Verein Seglerhaus am Wannsee fiel mit den Rängen 35 und 30 auf Platz 18 zurück und müsste nun in den verbleibenden beiden Rennen bis zum Medaillenfinale der Finn-Flotte am Donnerstag herausragend segeln, um noch unter die besten acht Nationen zu kommen und den deutschen Nationenstartplatz für die Olympischen Spiele 2020 zu diesem frühen Zeitpunkt zu sichern.

Sailing Energy/World Sailing Fiel am Dienstag nach bislang stark gesegelter Serie neun Plätze zurück und muss am Mittwoch kämpfen, wenn er das Nationenticket für die Olympischen Spiele 2020 noch lösen will: der Berliner Finn-Steuermann Phillip Kasüske

Auch der Kieler Nacra-17-Steuermann Paul Kohlhoff und seine Vorschoterin Alica Stuhlemmer fielen in den wenig geliebten leichten und drehenden Winden mit den Rängen 19, 11, 16 und 33 auf Platz 22 zurück. "Wir hatten schlechte Starts, und im vierten Rennen des Tages ist erneut der Pinnenausleger gebrochen, als ich baden gegangen bin", sagte Paul Kohlhoff, der seine lebensbedrohliche Operation im vergangenen Dezember und die lange Genesungsphase nicht als Ausrede gelten lassen wollte. "Ich bin unzufrieden und hoffe, dass wir unsere Starts und unsere Bootsgeschwindigkeit ab Donnerstag verbessern können." Dann geht es für die Mixed-Katamaran-Teams, die als letzte Klasse in die Welttitelkämpfe gestartet waren, in die Hauptrunde. Johannes Polgar und Carolina Werner liegen nach bislang sieben Rennen, von denen am Dienstag vier (!) ausgetragen wurden, auf Platz 30.

Sailing Energy/World Sailing Noch nicht zufrieden mit Starts und Bootsgeschwindigkeit: Nacra-17-Steuermann Paul Kohlhoff und seine Vorschoterin Alica Stuhlemmer

Für Deutschlands auf hohem Niveau agierende 49er-Crews beginnt die Hauptrunde nach dem gestrigen Ruhetag bereits am Mittwoch. Als Dritte und als Neunte starten Tim Fischer/Fabian Graf (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee) sowie die Rio-Bronzemedaillen-Gewinner Erik Heil und Thomas Plößel (Norddeutscher Regatta Verein) aussichtsreich mit der Goldflotte der besten 29 WM-Crews durch. Auch die Kieler Justus Schmidt/Max Boehme haben sich trotz verpatzten Auftakts ("Das war mehr als ein Schuss vor den Bug!") als 25. den Einzug ins Medaillenfinale als "realistisches Ziel" gesetzt.

Hier geht es zu den Zwischenständen.


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