Segel-Weltmeisterschaft
Als die Flaute den Showdown verschluckte

Elf Tage lang war Aarhus der Weltmittelpunkt des olympischen Segelsports. Dass der finale Nacra-17-Krimi ausfiel, hatten Segler und Fans nicht verdient

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 12.08.2018
Aarhus Aarhus Aarhus

Sailing Energy/World Sailing Aarhus

Zu einem spannenden RS:X-Finale der Herren und einem schon leichtwindigeren Medaillenrennen der Surferinnen reichte die abflauende Brise in der Bucht von Aarhus am Sonntag gerade noch. Danach schien es, als hätte sich der Wind nach elf Tagen Weltmeisterschaft aller olympischen Segeldisziplinen und der Kiter endgültig verausgabt. Um 16.30 Uhr lief die Zeit für einen möglichen Start ab. Da wussten die Italiener Ruggero Tita und Caterina Banti, dass die Nacra-17-Jäger ihnen den WM-Titel nicht mehr würden streitig machen können.

Die letzten Finalrennen, die Medaillenzeremonien und die Übergabe der Flagge von Aarhus an die Ausrichter der kombinierten Segel-Weltmeisterschaft aller olympischen Disziplinen in vier Jahren in Den Haag

Dabei war es genau dieses Finale, das den spektakulären Schlusspunkt unter eine organisatorisch sehr gelungene kombinierte Weltmeisterschaft mit einem Heer charmanter freiwilliger Helfer hätte setzen sollen. Denn Neueinsteiger, 49er-Olympiasieger und America's-Cup-Profi Nathan Outteridge und seine Schwester Haylee aus Australien hatten nur einen Zähler Rückstand auf die Azzurri. Weitere zwei Punkte dahinter – im doppelt gewerteten Medaillenrennen gerade einmal einen Platz wert – lauerten Olympiasieger Santi Lange und Cecilia Carranza Saroli. Auch die beste Nacra-Steuerfrau Lin Ea Cenholt und ihr Vorschoter Christian Peter Lübeck aus Dänemark hatten mit weiteren drei Punkten dahinter noch in den Kampf um alle drei Medaillen eingreifen wollen. Darauf hatten sich vor allem die Fans in Aarhus gefreut. Doch die hartnäckige Flaute verschluckte den erhofften Thriller gnadenlos. Die beteiligten Segler hatten es schon geahnt. Vor allem Nathan und Haylee Outteridge nahmen es gelassen und gratulierten den Italienern noch auf dem Wasser lachend. Das Geschwisterpaar aus Down Under hatte allen Grund zur Freude, denn die Australier sind gerade erst zusammen in den foilenden Katamaran umgestiegen und direkt in der Weltspitze durchgestartet.

Sailing Energy/World Sailing Italiens Nacra-17-Weltmeister Ruggero Tita und Catarina Banti

Sailing Energy/World Sailing Die nationale und internationale Konkurrenz darf sich warm anziehen: Nathan und Haylee Outteridge sind im Nacra 17 durchgestartet. Und wie! Bei der zweiten gemeinsam bestrittenen Regatta nach der Kieler Woche führten Erfahrung, Können und Kampfgeist direkt zu WM-Silber

Die Wiederholung aller Medaillenrennen und die Endergebnisse der Weltmeisterschaft finden sich hier.

Sailing Energy/World Sailing Der sterbende Wind in Aarhus ließ den Olympiasiegern Santi Lange und Cecilia Carranza Saroli keine Chance mehr, auch im WM-Finale um den Titel zu kämpfen. Die Argentinier freuten sich trotzdem über Bronze

Am Ende der zwei statt der geplanten drei Finalrennen standen die abschließenden Siegerehrungen und der Abschied aus Aarhus. Den sportlichen Schlusspunkt setzten die Niederländer, die als beste Nation dieser Welttitelkämpfe den IOC Predent's Cup gewannen. Mit drei Gold-, zwei Silber- und einer Bronzemedaille waren die "fliegenden Holländer" die dominierende Nation aller 1400 Athleten aus 85 Ländern. Die sonst so von Erfolgen verwöhnten Australier gewannen zwei Silbermedaillen, die Briten gar nur zweimal Bronze. Damit landeten sie in der Nationenwertung genau einen Platz vor dem German Sailing Team, das sich ebenfalls mit zwei Bronzemedaillen von Laser-Ass Philipp Buhl und der jungen Kieler 49er-Crew Tim Fischer/Fabian Graf auf Nationenplatz 14 verabschiedete.

Sailing Energy/World Sailing Die Surfer der Niederlande gewannen zweimal Gold (Dorian van Rijsselberghe, rechts, Lilian de Geus) und einmal Silber (Kiran Badloe) – das war schon mehr als die halbe Miete für den dominanten Sieg der Holländer in der Nationenwertung

Lina Nagel/DSV Nehmen mit Doppel-Bronze Abschied aus Aarhus: Fabian Graf, Philipp Buhl und Tim Fischer (v.l.)

Die vom German Sailing Team angestrebten zwei Medaillen konnten tatsächlich gewonnen werden. Die Hoffnung dagegen, schon zu diesem frühen Zeitpunkt fünf der angestrebten acht Nationenstartplätze sichern zu können, erfüllte sich nicht. Das gelang nur in den Klassen Laser, 49er und überraschend auch im Laser Radial. Zwar war Svenja Weger nicht über den 26. WM-Platz hinausgekommen. Weil aber die Laser-Radial-Flotte auf 44 bei Olympia startenden Booten zur größten aller zehn olympischen Disziplinen gemacht wurde, um die Starterzahl von Seglerinnen zugunsten der Geschlechtergleichheit zu erhöhen, reichte das Resultat zur Punktlandung. Denn in der Laser-Radial-Nationenwertung bedeutete Wegers Platz Rang 18. Genau so viele Nationenfahrkarten wurde in Aarhus in der Frauen-Einhandjolle für Tokio 2020 vergeben. "Wir haben unsere Zielsetzung von zwei Medaillen erreicht", zog DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner am Sonntag eine erste Bilanz.  "Die zweite Mission konnten wir nicht ganz erfüllen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir die Nationenstartplätze in unseren acht Segeldisziplinen lösen werden."

Lina Nagel/DSV Svenja Weger sicherte den Nationenstartplatz im Laser Radial mit einer Punktlandung

In vier Jahren wird die kombinierte Weltmeisterschaft aller olympischen Segeldisziplinen in Den Haag ausgetragen – und damit erneut in einem von Deutschland nicht weit entfernten und den Seglern gut bekannten Revier.

Sailing Energy/World Sailing Mit einem gelben Shirt der Spitzenreiter: IOC-Präsident Thomas Bach hatte die Segel-Weltmeisterschaft in Aarhus besucht und den olympischen Geist der Segler gelobt


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Themen: Dorian van RijsselbergeNacra 17Nathan und Haylee OutteridgeRS:XSailing World Championships AarhusSegel-Weltmeisterschaft 2018

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