Mixed-Offshore-Segler müssen bangen
Das Aus noch vor der Olympia-Premiere in Sicht

Der Traum vom olympischen Mixed-Offshore-Segeln könnte noch vor dem ersten Einsatz geplatzt sein. Der Weltseglerverband steht unter Druck

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor 22 Tagen
Mit der Europameisterschaft 2019 waren die ersten Mixed-Offshore-Crews international schnell durchgestartet. Die Covid-Pandemie hat auch sie ausgebremst und um viele Chancen gebracht, sich und ihre mögliche Olympia-Disziplin zu testen und zu präsentieren Mit der Europameisterschaft 2019 waren die ersten Mixed-Offshore-Crews international schnell durchgestartet. Die Covid-Pandemie hat auch sie ausgebremst und um viele Chancen gebracht, sich und ihre mögliche Olympia-Disziplin zu testen und zu präsentieren Mit der Europameisterschaft 2019 waren die ersten Mixed-Offshore-Crews international schnell durchgestartet. Die Covid-Pandemie hat auch sie ausgebremst und um viele Chancen gebracht, sich und ihre mögliche Olympia-Disziplin zu testen und zu präsentieren

EUROSAF/Regnemer Mit der Europameisterschaft 2019 waren die ersten Mixed-Offshore-Crews international schnell durchgestartet. Die Covid-Pandemie hat auch sie ausgebremst und um viele Chancen gebracht, sich und ihre mögliche Olympia-Disziplin zu testen und zu präsentieren

Die Freude unter den regattabegeisterten Kielbootseglern in aller Welt war groß, als der Weltsegler-Verband die neue Disziplin Mixed-Offshore 2019 auf seine Liste für das künftige olympische Segelprogramm 2024 wählte. Seesegeln im gemischten Zweier-Team, das erschien neu, spannend, zukunftsweisend und aufregend. Während die Gegner auch nach der Wahl noch zu hohe Kosten und andere Risikofaktoren ins Feld führten, freuten sich die Fans des Offshore-Sports über die am olympischen Horizont aufgetauchte Chance. Viele nationale Verbände starteten bereits im schwierigen ersten Pandemie-Jahr 2020 mit Investitionen und Trainingsmaßnahmen durch. So auch der Deutsche Segler-Verband (DSV), der eigenes Geld in die Hand nahm und loslegte. Interessierte Athleten formierten sich überall in der Welt zu Teams. Unter ihnen prominente Olympioniken wie die zweimalige Goldmedaillen-Gewinnerin Shirley Robertson mit Weltumsegler Henry Bomby und die französische Weltumseglerin Marie Riou, die mit Benjamin Schwartz die Europameisterschaft 2020 gewann. Auch der sechsmalige spanische Weltumsegler und olympische Erfolgs-Coach Guillermo Altadill und die österreichischen Premieren-Europameister von 2019, Christian Kargl und Lisa Berger, segelten direkt auf Kurs Mixed-Offshore.

Tatjana Pokorny Blitzstarter: Max Gurgel und Lena Weißkichel begeisterten und fanden sich sofort für das vom Weltseglerverband als neue Olympia-Disziplin vorgestellte Mixed-Offshore-Segeln. Die jungen Segler investierten viel Zeit, Geld und Lernwillen

Dabei wussten alle Beteiligten, dass der Disziplinen-Vorschlag eines internationalen Dachverbandes wie World Sailing vor dem endgültigen Sprung ins olympische Programm noch grünes Licht vom Internationalen Olympische Komitee (IOC) benötigt. Bis auf wenige Ausnahmen war das IOC in der Vergangenheit allerdings stets den Vorschlägen der Dachverbände gefolgt. Dieses Mal könnte es anders ausgehen. Die Mixed-Offshore-Befürworter müssen nach dem ersten aktiven Jahr noch vor der erhofften Premiere bei der olympischen Premiere 2024 vor Marseille bangen. Das hatte sich schon am 7. Dezember 2020 angekündigt, als der IOC-Exekutivausschuss zwar die anderen Segel-Neuvorschläge (Mixed-Zweipersonen-Jolle/470er und Mixed-Kiteboard) problemlos durchwinkte, die Neueinführung der Mixed-Offshore-Kielboot-Disziplin aber mit einem Fragezeichen versah und eine genauere Überprüfung ankündigte. Und die dauert immer noch an. Entsprechend wurde die IOC-Entscheidung auf spätestens 31. Mai 2021 vertagt.

Nun sorgt ein Brief, den IOC-Sportdirektor Kit McConnell am 12. April an den neuen World-Sailing-Präsidenten Quanhai Li richtete, für noch mehr Sorge im Lager der Seesegelfans. Darin geht es nach einem Bericht des neuseeländischen Journalisten Richard Gladwell im Magazin „Sail World“ um „Herausforderungen“, die sich im Fokus der von der Olympischen Programmkommission beauftragten Überprüfung befunden haben. Diese „Herausforderungen“ seien die „Sicherheit auf dem Spielfeld, Umfang und Komplexität“, „Übertragungskosten und Komplexität“ sowie die „nicht gegebene Möglichkeit für World Sailing, eine Weltmeisterschaft abzuliefern“.

Im IOC-Brief wird laut Gladwell darauf hingewiesen, dass zwar die Überprüfung noch laufe, der Weltseglerverband aber aufgefordert ist, eine oder mehrere Alternativen für die zehnte olympische Segel-Diszipline vorzuschlagen. Dieser Teil des Briefes dürfte bei den Befürwortern von Mixed-Offshore alle Alarmglocken schrillen lassen. Er klingt nach mehr als nur dem Anfang vom Ende. Und die Aussage ist laut Gladwells Zitat aus dem Brief sogar mit einer Warnung versehen. Es heißt: „Der Vorschlag (Red.: von Alternativen) ist entscheidend, um sicherzustellen, dass – unabhängig vom Ausgang der Offshore-Bewertung – das IOC Executive Board das Segel-Programm bei seinem Treffen am 8. Juni 2021 zusammen mit weiteren ausstehenden Entscheidungen über Disziplinen und Formate in anderen Sportarten für die Olympischen Spiele in Paris 2024 finalisieren kann.“

Die Aufforderung lässt sich als deutlich interpretieren: Gebt uns Alternativen, sonst lauft ihr möglicherweise Gefahr, Eure zehnte Disziplin zu verlieren. Damit steckt der Weltseglerverband in einer überaus ungemütlichen Lage. Wer um die Bemühungen weiß, die Kosten und die Zahl der Athleten bei den Olympischen Spielen insgesamt zu drosseln, kann erahnen, wie groß die Gefahr für den Segelsport ist. 2012 waren bei den Olympischen Spielen in England noch 380 Segler im Einsatz. In diesem Sommer werden es 350 (175 Männer, 175 Frauen) sein, 2024 nur noch 330. Bis zum 26. Mai hat World Sailing Zeit, die richtigen Antworten für die beste Verteidigung zu finden. Was in andauernden Pandemie-Zeiten kein Spaziergang ist. Dass dieser Weg wohl nur über die Vergangenheit führt, machen grundsätzliche vom IOC festgelegte Kriterien klar. So etwa die Bedingung, dass die Alternative(n) bereits bei einer von World Sailing organisierten Weltmeisterschaft getestet worden sein muss beziehungsweise sein müssen. Dafür, dass eine solche WM für die neue Disziplin Mixed-Offshore in Pandemie-Zeiten nicht ausgetragen werden konnte, ist World Sailing allerdings nicht verantwortlich.

Für ein Comeback kämen die unter viel prominentem Protest eliminierten Finnsegler nur theoretisch in Frage. Zwar hätten dann auch Segelathleten jenseits von 85 Kilogramm Körpergewicht wieder eine Startmöglichkeit, doch würde ihre Rückkehr würde die gerade im kommenden Sommer erreichte paritätische olympische Teilnehmerzahl von Männern und Frauen gefährden – ein ebenso erklärtes Ziel des IOC. Es bleibt ein schwieriges Puzzle-Spiel, in dem nun nach vielen internen Querelen in den vergangenen Jahren binnen sehr kurzer Zeit der neue World-Sailing-Präsident Quanhai Li, der ebenfalls erst 2020 neu berufene Generalmanager David Graham und die nationalen Mitgliedsverbände stark gefordert sind.

World Sailing Der neue World-Sailing-Präsident Quanhai Li muss jetzt im olympischen Ritt auf Messers Schneide schnell und erfolgreich agieren


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