Olympia in Sicht
Noch 100 Tage bis zur Eröffnungsfeier

Das German Sailing Team hat die Verschiebung der Olympischen Spiele um ein Jahr und die stille Pandemiezeit maximal genutzt. Das DSV-Aufgebot ist klein, aber fein

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor 24 Tagen
Laser-Weltmeister Philipp Buhl bei einer Testregatta in der Sagami-Bucht Laser-Weltmeister Philipp Buhl bei einer Testregatta in der Sagami-Bucht Laser-Weltmeister Philipp Buhl bei einer Testregatta in der Sagami-Bucht

Sailing Energy Laser-Weltmeister Philipp Buhl bei einer Testregatta in der Sagami-Bucht

100 Tage noch sind es bis zur Eröffnungsfeier der Spiele der XXXII. Olympiade, 102 bis zum ersten Startschuss der olympischen Segelregatta. Am 23. Juli wollen die Gastgeber die Spiele der XXXII. Olympiade einläuten, am 25. Juli starten vor Enoshima als erste die Laser- und Laser-Radial-Flotten sowie die RS:X-Surfer und Surferinnen durch. Ihnen gehört die alte und neue olympische Wasserbühne in der Sagami-Bucht, wo Willy Kuhweide 1964 im Finn-Dinghy zu seiner legendären Goldmedaille segelte, zunächst allein. Am 27. Juli steigen auch die Skiff-Flotten und die Finn-Segler ins olympische Geschehen ein, am 28. Juli kommen die 470er-Männer und Frauenfelder sowie die Mixed-Crews im foilenden Nacra 17 dazu. Die Medaillen-Entscheidungen fallen zwischen dem 31. Juli und dem 4. August.

Das Video von 2019 zeigt den Olympiahafen, in dem in diesem Sommer 350 Seglerinnen und Segler aus der ganzen Welt zu Gast sein werden

German Sailing Team/wecamz/Alex Schmidt Für Nacra-17-Steuermann Paul Kohlhoff wird es bereits der zweite Olympia-Einsatz sein, für seine Vorschoterin Alica Stuhlemmer der erste

German Sailing Team/wecamz/Alex Schmidt Laser-Radial-Steuerfrau Svenja Weger blickt ihrer Olympia-Premiere entgegen

Das German Sailing Team schickt ein kleines, aber feines Team in den rund eineinhalb Stunden von Tokio entfernt liegenden Austragungsort der olympischen Regatta: Philipp Buhl (Sonthofen) startet als Weltmeister in seine zweiten Olympischen Spiele. Nach Platz 14 in Rio de Janeiro will der amtierende Weltmeister dieses Mal mehr. Im 49er zählen die Bronzemedaillen-Gewinner von 2016 im Kampf um die Medaillen erneut zu den Favoriten: Erik Heil und Thomas Plößel (Kiel/Berlin), WM-Zweite von 2019 und WM-Dritte von 2020, werden sich erneut mit den neuseeländischen America’s-Cup-Gewinnern und Olympiasiegern Peter Burling und Blair Tuke (Neuseeland) sowie einer Gruppe weiterer starker Konkurrenten messen. Darunter sind mit Diego Botín le Chever und Iago López Marra auch die Trainingspartner der Deutschen. Im Nacra 17 haben sich die national unangefochtenen und auch international stark aufgekommenen Kieler Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer vom Kieler Yacht-Club qualifiziert. Im 49erFX greifen die Europameisterinnen Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande) an. Im 470er der Frauen wollen Luise Wanser und Anastasiya Winkel (Hamburg/Kiel) ihre erfolgreiche Last-Minute-Kampagne mit einer gelungenen Olympia-Premiere krönen. Im Laser Radial ist Svenja Weger gefordert, die das Olympiarevier in den vergangenen Jahren mehrfach kennen- und schätzenlernen konnte.

German Sailing Team/wecamz/Alex Schmidt Im dritten Anlauf nach überragenden Leistungen im 49erFX für Olympia qualifiziert: Tina Lutz und Susann Beucke

tati Mit Last-Minute-Kampagne zur Olympia-Premiere: die 470er-Seglerinnen Luise Wanser (r.) und Anastasiya Winkel

Die Olympiaqualifikation ist für Männer härter geworden

Waren es 2012 noch acht deutsche Crews und zwölf Aktive und 2016 sieben Crews mit ebenfalls einem Dutzend Aktiven, sind bei den Olympischen Spielen 2020 im Jahr 2021 aus deutscher Sicht nur noch sechs von zehn olympischen Segeldisziplinen mit insgesamt zehn Männern und Frauen besetzt. Vor allem die olympisch geschrumpften Felder der Männer haben dafür gesorgt, dass die Qualifikationshürden für sie höher geworden sind. In anderen Worten: Es ist für männliche Olympia-Kandidaten noch härter geworden, sich für den sportlichen Gipfel ihres Sports zu qualifizieren. Aus zwei Gründen: Auf dem Weg zur 50:50-Verteilung von Athletinnen und Athleten bei Olympischen Spielen sind die Männer-Felder bei Qualifikationsregatten auf der einen Seite in der Regel immer noch größer als die der Frauen. Auf der anderen Seite winken weniger olympische Startplätze für Segler als für Seglerinnen.

Das lässt sich am Beispiel Laser Standard (Männer) und Laser Radial (Frauen) gut sehen: 2016 waren 46 Lasersegler und 37 Laser-Radial-Seglerinnen olympisch im Einsatz. In diesem Sommer werden es 35 Lasersegler und 44 Laser-Radial-Steuerfrauen sein, die in Enoshima starten. Die einfache Formel auf dem Weg der vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) angestrebten paritätischen Geschlechterbeteiligung zeigen die Zahlen: Alle olympischen Männer-Disziplinen haben in Japan weniger Startplätze als noch 2016, alle Frauen-Disziplinen mehr. So wurde erreicht, dass vor Enoshima 155 Männer in 117 Booten, 155 Frauen in 113 Booten und 20 Mixed-Duos in ebenso vielen Nacra-17-Katamaranen unterwegs sein. Für die deutschen 470er-Männer und die Finn-Dinghy-Segler waren die Hürden dieses Mal zu hoch. International erfolgreiche Surfer wie zuletzt Toni Wilhelm oder Moana Delle hat der deutsche Segelsport nicht mehr. Dafür aber andere Hoffnungsträger. Davon ist DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner 100 Tage vor Eröffnung der Olympischen Spiele trotz hochanspruchsvoller Pandemie-Zeiten überzeugt. Auf die Frage nach einem Medaillentipp sagte sie: „Das ist aktuell natürlich schwer einzuschätzen. Aber ich kann sagen, dass ich einigen Disziplinen Medaillen zutrauen. Das ist Plural…“

Jesus Renedo/Sofia Gewannen 2016 Olympia-Bronze und wollen in diesem Sommer erneut im Kampf um Edelmetall mitmischen: die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel


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Themen: Olympische Spiele

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