Nordseewoche

Orkan-Regatta hat Konsequenzen

Die Ereignisse im Orkan der Edinburgh-Regatta vor zwei Jahren haben zu einer Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen geführt

Lars Bolle am 19.05.2015
Spannende Duelle bei Traumwetter:

Spannende Duelle bei Traumwetter auf der Nordseewoche 2014

Es ist schon erstaunlich: Trotz des Orkans vor zwei Jahren, bei dem 16 von 21 Teilnehmern aufgaben, scheint der Reiz dieser Langstrecke ungebrochen. Für die Auflage 2015 wurden sogar 36 Yachten gemeldet. In Anbetracht der Erfahrungen vor zwei Jahren, als einige Teilnehmer ums Überleben kämpften, sah sich Nordseewoche-Organisationsleiter Marcus Böhlich zu verschärften Sicherheitsbestimmungen gezwungen. Die Edinburgh-Regatta wird in diesem Jahr erstmalig nach den Ausrüstungsvorschriften der ISAF Offshore Special Regulations für Wettfahrten der Kategorie 2 gesegelt. Das beinhaltet auch die Pflicht, ein aktives AIS an Bord zu haben. Solcherlei Maßnahmen stoßen jedoch nicht auf die ungeteilte Gegenliebe aller Teilnehmer, denn sie bedeuten zusätzliche Kosten und Aufwand.

Doch Böhlich lässt sich nicht beirren und erklärt die Gründe in einem längeren Kommentar, gerichtet an die Teilnehmer:

"Ich glaube euch allen, dass ihr die Nordsee auch ohne Zertifikate überqueren könnt, gerade bei Seglern, die das schon mal getan haben, erscheint das alles etwas lächerlich. Unsere Außenwelt ist aber leider nicht so einfach gestrickt. Das Team der ehrenamtlichen Organisatoren macht die Nordseewoche gerne, aber hat keine Lust, eines Tages vor einem Gericht zu stehen und gefragt zu werden: Warum habt ihr den mitsegeln lassen, der ist doch gar nicht qualifiziert? Solche Fälle hat es nämlich bereits gegeben, wo eine Wettfahrtleitung für Unfall oder gar Tod eines Teilnehmers mitverantwortlich gemacht worden ist, weil Teilnehmer ohne ausreichende Qualifikation an einer Wettfahrt teilnehmen durften. Davor möchte ich unseren Wettfahrtleiter schützen!

Dazu zählt eben, dass ich darauf achte, dass sowohl die notwendige Anzahl ISAF-Safety-at-Sea-Zertifikate, der Nachweis eines ISAF-Medizinkurses und ein dem Fahrtgebiet entsprechender Führerschein (BK oder SSS) vorgezeigt werden muss. Außerdem finden auf Helgoland stichprobenartige Kontrollen der Sicherheitsausrüstung statt. Zuletzt fahren alle Teilnehmer mit gesetzten Sturmsegeln durch ein Kontrollgate, wo wir in diesem Jahr auch das Vorhandensein eines aktiven AIS kontrollieren werden.

Dies alles ist seit Erscheinen der Ausschreibung im Januar 2015 bekannt und unsere Erfahrungen aus 2013 rechtfertigen dies alles zur Genüge. Es ist als Wettfahrtleiter einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass bei der Langstrecke Schiffe und Menschen segeln, die auch mit schlechtem und sehr schlechtem Wetter umgehen können. Fragt doch einmal Segler, die bereits in Cowes oder Gotland teilgenommen haben, dort sind die Anforderungen noch höher! Wer immer noch nicht überzeugt ist, möge einfach mal die Seite wechseln und selber eine Regatta veranstalten. Aus der Sicht sieht vieles anders aus. Viel Spaß und Sicherheit bei der Langstrecke der Nordseewoche, die in den letzten Jahren ohne Tote abgelaufen ist."

Für den Rest der Nordseewoche müssen jedoch nur die ISAF Offshore Special Regulations für Wettfahrten der Kategorie 3 eingehalten werden, für die Wettfahrt 1 Wedel–Cuxhaven sogar nur Kategorie 4.

Mit insgesamt 143 Meldungen ist die Nordseewoche laut Veranstalter weiterhin die Nummer eins der deutschen Seesegler. Allerdings liegen die Zahlen unter dem Vorjahr. Als Grund heißt es, dass die Meldezahlen in den Jahren der Edinburgh-Regatta immer geringer als in den Jahren mit der Pantaenius-Rund-Skagen-Regatta sind. Die Langstrecken der Nordseewoche werden am Pfingstmontag zum Ende der Nordseewoche gestartet, im Wechsel von zwei Jahren geht es entweder nach Kiel oder nach Edinburgh; und die Yachten auf der Ostsee nutzen die Rund-Skagen-Regatta gerne als Rücktour.
 

Lars Bolle am 19.05.2015

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