Nordseewoche
Nebel, Flaute, Sturm – und Party

Erfolgreich trotz Extrem-Bedingungen: Die Nordseewoche 2013 hatte einen Melderekord zu verzeichnen und bot 151 Yachten ein Kontrastprogramm

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 • Publiziert am 28.05.2013

H. Franck/stockmaritime Gewinner des Nordsee-Cups: Platu 25 „Kamlade“

Extreme Wetterbedingungen waren das Kennzeichen der Nordseewoche 2013. Flaute, Nebel, Orkanböen und sogar etwas Sonne – die Witterung stellte Teilnehmer und Organisatoren vor große Herausforderungen. Fünf von 13 Wettfahrten mussten abgebrochen oder abgesagt werden. Durch die extrem lange Kälte bis in den April ist die Nordsee noch sehr frisch. Bei Wassertemperaturen von sechs Grad steigt die Nebelgefahr. Wind, der an Land noch recht warm ist, wird auf dem Wasser eiskalt, die relative Feuchte steigt, und es kommt zu Nebel.

"Die Nordseewoche 2013 war – seglerisch gesehen – eine der schwierigsten bisher: Nebel, schwache und drehende Winde, die Strömung der Nordsee um Helgoland verlangten Taktik und Navigation neben dem seglerischen Können so einiges ab und waren gleichsam entscheidend", sagte Stefan Lehnert, langjähriger Wettfahrtleiter und selbst aktiver Regattasegler. "Leider mussten – nach dem behördlich angeordneten Abbruch der Wettfahrt Haspa Private Banking Cup von Wedel nach Cuxhaven – wegen der schwachen Winde auch die Regatten Inducon Cup Helgoländer Acht und alle Rückregatten abgesagt werden. Aber alle Zubringer-Regatten, die Early-Bird-Serie und natürlich als Höhepunkt der Capitell Rund Helgoland Cup konnten erfolgreich, wenn auch unter widrigen Bedingungen, beendet werden."

Mit 151 Yachten hatte in diesem Jahr die Nordseewoche wieder steigende Meldezahlen. "Natürlich hatten wir im letzten Jahr mehr Meldungen, aber das ist normal in den Jahren mit der sehr beliebten Pantaenius-Rund-Skagen-Regatta", freute sich Organisationsleiter Bernd Jörg über den Zuspruch, "Viele Segler aus der Ostsee nutzen alle zwei Jahre die letzte Wettfahrt der Nordseewoche, um ihr Boot zurückzubringen. Dass wir – obwohl viele Segler ihre Boote wegen der lang anhaltenden Winterkälte noch gar nicht im Wasser haben – gegenüber 2011 die Meldezahlen um über zehn Prozent steigern konnten, zeigt, dass wir mit der Nordseewoche auf dem richtigen Kurs sind."

Die Nordseewoche bietet mit den Regatten nach und um Helgoland besondere Herausforderungen. Die im Wechsel stattfindenden Wettfahrten nach Edinburgh und nach Kiel rund Skagen sind jeweils der Abschluss. Ergänzend zu den – in Deutschland seglerisch wohl anspruchsvollsten Seeregatten – bietet das attraktive Landprogramm der Woche einen weiteren Anreiz, über Pfingsten den "Roten Felsen in der Nordsee" zu besuchen.

"Wenn hier und da Segeln wegen der Witterungsverhältnisse ausfällt, dann ist das nicht so tragisch – Helgoland und die abendlichen Partys sind immer ein Erlebnis", sagte Torsten Conradi, Partner im renommierten Konstruktionsbüro Judel & Vrolijk. "Ich habe in diesem Jahr nicht in einem der ambitionierten Regattateams gesegelt, sondern mit meinem Boot und Familie am Family Cruiser Cup teilgenommen. Das ist auch ein toller Weg, um ohne Spinnaker und Vermessung Nordseewoche zu erleben."

Am Freitag vor Pfingsten beginnt die Woche traditionell mit dem Haspa Private Banking Cup von Wedel nach Cuxhaven. Nachdem der Startort wegen Flaute elbabwärts verlegt werden musste, verdichtete sich nach dem Schuss der Dunst bald zu Nebel mit Sichtweiten unter 1000 Meter. In Höhe des Medemgrundes wurde die Sicht noch schlechter und betrug zum Teil weniger als 300 Meter. Nach Rücksprache mit der Revierzentrale Cuxhaven und der Wasserschutzpolizei wurde ein Abbruch der Wettfahrt schifffahrtspolizeilich angeordnet.

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Dafür konnte die Sundowner-Wettfahrt der Early-Bird-Serie von Cuxhaven nach Helgoland wieder bei guten Sichtbedingungen pünktlich um 19.00 Uhr gestartet werden. Dank gutem Wind zwischen 12 bis 16 Knoten erreichte die RP 57 "Scho-Ka-Kola" bereits nach 4 Stunden und 7 Minuten die Ziellinie vor Helgoland.

Der Sonnabend der Nordseewoche ist für Wettfahrtleitung und Organisationsteam immer die größte Herausforderung. An einem einzigen Tag finden sechs Wettfahrten mit fünf Startorten und zwei Zielen statt: Vier Zubringer-Wettfahrten und zwei Wettfahren der Early-Bird-Serie.

Die Zubringer-Wettfahrt von Cuxhaven nach Helgoland, der Minox Cup, wurde von leichten, drehenden Winden geprägt. Nebelschwaden erschwerten auch bei dieser Wettfahrt wieder die Navigation. Erstes Schiff im Ziel war die "Haspa Hamburg", die JV 52 des Hamburgischen Vereins Seefahrt e. V., sie gewann damit das Rot-Grün-Weiße Band. Die Schnellste aus Hallig Hooge war die "Bajazzo" von Kai Kröger, eine J 102. Aus Wilhelmshaven kam die "Black Maggy" von Wolfram Heibeck, eine Open 32 gebaut von Spezialbootsbau, als Erste ins Ziel, und aus Bremerhaven schnappte sich die IMX 40  "Morran" von Carsten Burfeind eines der vier begehrten Bänder.

Parallel starteten vor Helgoland die Segler, die mit der Sundowner-Wettfahrt in der vorherigen Nacht auf Helgoland eingetroffen waren, um 12.00 Uhr zur ersten Wettfahrt vor der Insel: Hummer 1 der Early-Bird-Serie. Auch diese Regatta wurde immer wieder von Nebelschwaden durchzogen. Während der Wettfahrt Hummer 2 schlief der Wind ein. Einige Teilnehmer blieben in einem Windloch liegen und wurden von dem kenternden Strom zurückgetrieben, bis der von der Insel her einsetzende Wind auch sie erreichte. Trotzdem waren um etwa 17 Uhr alle Yachten im Hafen fest. Die Gesamtwertung der Serie und damit den Helgoländer Hummer Cup gewann die IMX 40 "PAX" von Klaus Uwe Stryi.

Am Sonntag mussten die Teilnehmer zum Höhepunkt der Nordseewoche, dem Capitell Cup Rund Helgoland, besondere Seemannschaft beweisen. 81 Yachten fanden sich um 9.30 Uhr an der Startlinie des Capitell Cup ein und boten trotz des diesigen Wetters ein prächtiges Bild. Leider war während der gesamten Wettfahrten Helgoland im Dunst versteckt. "Es war richtig gespenstisch, wie die Boote aus dem Nebel aufgetaucht sind," sagte Jobst Wellensiek, für den es die zweite Nordseewoche war. "In den letzten Stunden der Wettfahrt mussten wir uns zu 100 Prozent auf unseren Navigator verlassen."

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Dank des Einsatzes der Schlauchboot-Fahrer und des Start- und Begleitschiffs der dänischen Heimwehr konnten trotz beschränkter Sicht alle Zieldurchgänge registriert werden. "Ich habe mich in diesem Jahr besonders über die sehr gute und konstruktive Zusammenarbeit mit den Behörden auf Helgoland gefreut", so Lehnert. Er war erleichtert, dass diese Wettfahrt in ganzer Länge durchgeführt werden konnte. "Die Bedingungen waren alles andere als ideal, aber die Teilnehmer haben ein hohes Maß an Seemannschaft bewiesen."

Erstes Schiff im Ziel und Gewinnerin des Capitell Cup war der 82-Fuß-Maxi "Calypso" von Dr. Gerhardt Clausen nach nur 4 Stunden und 23 Minuten. Berechnet konnte die "Xenia" von Dr. Bernhard Buchwald, Skipper Ralf Lässig, eine XP-44, in der Gruppe ORC 1 den Nordseewoche-Preis "Rund Helgoland" gewinnen. Die Gruppe ORCi 2 dominierte wieder die "Pax" von Klaus-Uwe Stryi. In der Gruppe ORC Club war Manfred Böttcher mit seiner "Kühnezug Goldkatze" siegreich und erhielt den Christian Noltenius Gedächtnispreis. Die Gruppe ORCi 3 und damit den Cheerio-Wanderpreis gewann Dauersieger "Patent 3" von Jürgen Klinghardt, Skipper Jens Tschentscher. In ORC 3 Club siegte die "Coyote", eine J 27 von Jan Schwital. Unter den Family-Cruisern gewann Lokal-Matador Torsten Conradi mit seiner "Esta". Ein Sonderpreis wurde Werner Landwehr und seiner "Dessert d’Alcyone", eine Beneteau F II, BYC, verliehen. Marinepool vergab drei Rettungswesten für seine 50. Teilnahme an der Nordseewoche, die 40. in Folge im eigenen Boot.

Im Anschluss an die Preisverleihung fanden viele Segler zur Capitell Regatta Party in der Nordseehalle kein Ende. Der Verdacht liegt nahe, dass so mancher ganz froh war, als am folgenden Morgen der Höhepunkt des Pfingstmontags, der Inducon Cup Helgoländer Acht, wegen Flaute nicht gestartet werden konnte. So konnte der wertvolle Silberpreis wieder nicht vergeben werden. Da auch für den Rest des Tages völlige Flaute angesagt war, fielen die Rückregatten ebenfalls aus. An der Helgoländer Tankstelle bildete sich eine Schlange von Yachten, die Treibstoff für die Rückreise bunkern mussten.

Inzwischen stehen die Gewinner der Gesamt- und Sonderwertungen fest: Die "Kamlade" von und mit Gordon Nickel ist Siegerin des Nordsee-Cups. Die Platu 25 ist fast das kleinste Boot der Nordseewoche und hat trotzdem in der Gesamtwertung von Capitell Cup Rund Helgoland und im Minox Cup von Cuxhaven nach Helgoland das beste Ergebnis ersegelt.

Den Family Cruiser Cup gewannen Imke Schürenstedt und Crew auf der "Die Zwei", einer Westerly Oceanlord 41 vom WYC Bremen.


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Themen: Nordseewoche

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