Nordseewoche

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Von Freitag bis Montag herrschte Ausnahmezustand auf der Nordseeinsel Helgoland. Seglerisch war diese Nordseewoche anspruchsvoll

Lars Bolle am 25.05.2015
Nordseewoche

Lange Anna und dicke Spinnaker

Hamburg - Cuxhaven: Schnellster Nordseewoche-Auftakt seit 1922

Freitag, 22. Mai: Der erste Tag der Nordseewoche mit der Wettfahrt Hamburg-Cuxhaven stand unter einem besonders guten Stern. Die Windbedingungen waren so optimal, dass die schnellste Yacht der Flotte, die Elliot 57 "Opal", bereits nach 4 Stunden und 44 Minuten im Ziel war.

Fotostrecke: Hamburg-Cuxhaven

Bereits zum Start um 6 Uhr morgens überraschten Sonnenschein und eine leichte, raume Brise die Segler. Die Windrichtung ermöglichte einen Start unter Spinnaker. Die Kunst, genau zum Startschuss die Startlinie so zu überqueren, dass man mit freiem Wind gegen den Flutstrom segeln kann, ist bei dieser Windrichtung besonders wichtig. Das Überholen langsamerer Boote, die besser gestartet sind, kostet dann immer Zeit und Geschwindigkeit.
Vor allem die "Amuse Bouche" glänzte mit einem perfekten Nullstart im zweiten Start, der der Tripp 40 den späteren Gesamtsieg über alle Klassen schon früh ermöglichte.

Im dritten Start brillierte "Edelweiss", eine Millenium 40, mit einem Nullstart. Der erste spitze Kurs bis Haseldorf lag dem leichten Carbonracer, unter Gennaker pflügte er schnell durch das Regattafeld und wurde nur von der wesentlich größeren Elliott 57 "Opal" überholt. Kurz hinter Haseldorf kippte die Tide, und der Wind frischte auf, so dass die Segler schnell an Stade vorbeizogen.

Ab Brunsbüttel wird die Elbe breiter, der Wind wurde - wie fast immer - frischer, und das Wasser rauer. Zudem drehte der Wind westlich, sodass einige Kreuzschläge gegen den Wind notwendig wurden. Das sorgte für einige Verschiebungen in den Positionen, vor allem kleinere Yachten fielen zurück, durch Taktik und Revierkenntnis konnten Plätze gewonnen werden. Der Zieldurchlauf fand unter blauem Himmel bei strahlendem Sonnenschein statt, durch die schnelle Reise konnten die Regattasegler den Nachmittag in Cuxhaven ausgiebig genießen.

In der Gruppe ORC1 gewann die "Nikaia von Hamburg", obwohl die "Opal" eine Stunde und 3 Minuten früher im Ziel war. Doch die leichte, sehr viel größere Canting Kiel Yacht "Opal" hat ein extrem hohes Handicap. In der Gruppe ORCi 2 fuhr die kleinste Yacht "Chosi 6", eine J35, den Sieg ein. "Rubix" mit der Jugendmannschaft des Hamburger Segel Clubs gewann die Klasse ORCi 3. Schnellstarter und Wedel-Cuxhaven-Gesamtsieger "Amuse Bouche" gewann natürlich auch ihre Gruppe ORC-Club 2. "Kühnezug-Goldkatze", eine Regattayacht aus IOR-Zeiten, siegte in der Klasse ORC-Club 3.

"Die Zusammenarbeit mit den Behörden, insbesondere mit den Besatzungen der Wasserschutzpolizeiboote 'Amerika-Höft' und 'Bürgermeister Brauer' war außerordentlich gut." Jürgen Raddax ist seit vielen Jahren Wettfahrtleiter der Auftakt-Wettfahrt zur 81. Nordseewoche. "Die Wetterbedingungen waren in diesem Jahr allerdings auch einfach perfekt."
"Es ist immer eine große Herausforderung, die Wettfahrt auf der stark durch Berufsschifffahrt befahrenen Elbe stattfinden zu lassen." Marcus Boehlich, Organisationsleiter der Nordseewoche, freut sich über den reibungslosen Ablauf: "Unsere Sicherungsboote haben hervorragend mit der Wasserschutzpolizei kooperiert, das war nicht selbstverständlich, denn wir haben zwei neue junge Crews."


Regattamarathon vor und nach Helgoland

Samstag, 23. Mai: Auf Helgoland liefen einige Köpfe heiß: Bis spät in den Abend hinein wurden Regattaergebnisse ausgerechnet. Der Sonnabend ist der Regattatag der Nordseewoche, der vor allem die Wettfahrtleitung am härtesten fordert. Sechs Wettfahrten, davon vier fast gleichzeitig an vier verschiedenen Orten, erfordern immer wieder eine besondere logistische Leistung und eine sorgsame Kontrolle aller eintreffenden Informationen.

Fotostrecke: Cuxhaven-Helgoland

Minox Cup Cuxhaven - Helgoland
Die Yachten des Minox Cups waren zum größten Teil schon mittags auf Helgoland. Das lag aber vor allem an der frühen Startzeit von 6 Uhr morgens: Während des Starts lief noch leichter Strom elbauf. Mit einsetzendem Ebbstrom wurde der Parcours zunehmend holpriger: Wind gegen Strom erzeugt eine unangenehm kurze Welle, mit der vor allem die kleineren Schiffe zu kämpfen hatten. Nieselregen und 20 Knoten Wind waren ebenfalls nicht Bedingungen, die zu guter Laune beitrugen. Glücklicherweise verbesserte sich das Wetter beim Verlassen des Elbfahrwassers auf dem Weg nach Helgoland, auch Wind und Welle wurden geringer.

Erste Yacht im Südhafen war die "Calypso". Der 83-Fuss Racer wurde 1998 als 68-Füsser gebaut, aber später als "Wild Thing" vorn und hinten etwas verlängert, und ersegelte Erfolge bei Offshore-Regatten in Australien. Zweite Yacht nur wenige Minuten später war die mit 57 Fuß deutlich kürzere "Opal", die allerdings mit einem Neigekiel bewaffnet ist und zum vorigen Jahr 600 Kilogramm abgespeckt hat.

Erster in Gruppe ORC-Club 2 wurde die J/V 40 OD "Dieskopp" mit Temmo Niekamp, in ORC-Club gewann "Susewind", eine Faurby 296 von Hagen Reese. In Gruppe ORCi 2+3 siegte die "Elan", eine Swan 48 mit Harald Baum, während in ORCi 1 die X50 "Bajazzo" vorn lag. Die Family-Cruiser-Wertung gewann die "Amigo" (Sun Odyssey 42), Helmuth König.

Zubringer aus Bremerhaven und Wilhelmshaven
Die Yachten des Zubringers aus Bremerhaven hatten die härteste Überfahrt. "Wir haben insgesamt sieben Stunden nur gekreuzt. Das war äußerst ruppig." Kai Greten hat mit seiner "Oromocto" letztes Jahr die Langstrecke Pantaenius Rund Skagen über alles gewonnen und sollte lange Segeltage gewohnt sein. "Sunbird hat sogar ihren Mast verloren, die waren schnell weit vor uns, dann haben wir sie gesehen, wie sie ohne Mast aufgeben und aufklaren mussten." Die Nordseewoche sollte die erste Regatta für die brandneue Aluyacht "Sunbird" werden.

Die Sieger Bremerhaven-Helgoland:
ORCi + Club 2: Desperado (Dufour 40), Timo Fischer
ORCi + Club 3: Pyleia (one off), Matthias Bröker
Family-Cruiser: Walkabout (C+C 30E), Hartmut Tietje

Die Sieger Wilhelmshaven-Helgoland:
ORCi 3 + Club 2+3: Westergast, Jörg Schleebaum
Family-Cruiser: Waltzing Matilda (Comet 11 plus), Frank Häger

Zubringer aus Hallig Hooge
Deutlich schneller und angenehmer war die Überfahrt aus Hallig Hooge. Dank der nordwestlichen Winde war der größte Teil der Strecke ein schneller Raumschotskurs. Unter den Teilnehmern aus Hallig Hooge hat übrigens der Family Cruiser Cup den größten Zulauf. Von den 16 Yachten, die die Anreise von der nordfriesischen Insel wagten, gehörten 14 zu dieser Gruppe. Der Familiy Cruiser Cup ist der einfache Einstieg ins Regattasegeln – ohne Vermessung und ohne Spinnaker.

Fotostrecke: Early Bird

Early Bird Series
In der Early Bird Series segeln die besonders ambitionierten Regattacrews die Nordseewoche. Am Freitag vor Pfingsten startet bereits abends ein Teil der Regattaflotte Richtung Helgoland, während der Großteil der Teilnehmer erst am Sonnabend die klassischen Zubringerregatten segelt. Diese "Sundowner" genannte Wettfahrt geht als eine von vier Wettfahrten in die Early Bird Series ein. Am Sonnabend folgten drei weitere Rennen vor Helgoland.
Nach einem perfekten Start vor Cuxhaven führte die IMX 40 "Pax" das Feld an. Bei leichtem Gegenstrom durch das noch auflaufende Wasser konnte die IMX 40 durch konsequente Stromtaktik lange die Position halten. Später, Höhe Vogelsand, frischte der Wind auf, und die größeren, schnelleren Yachten übernahmen die Führung.

Erste im Ziel war nach 4 Stunden und 5 Minuten die "Shakti", eine Ker 46, der heißeste Carbonracer im Feld. Durch die hohe ORC-Zeitvergütung konnte die "Skakti" das Rennen aber nicht gewinnen.

Fotostrecke: Hummer 1-3

Hummer 1 bis 3
Auf Helgoland wurden die Teilnehmer der Early Bird Series mit 5 Beaufort und Sonne für ihren Einsatz am Abend zuvor belohnt. Auf dem Regattakurs vor der Insel Düne stand eine lange, bis 1,5 m hohe Welle, die während der Spikurse geschicktes Steuern mit schnellen Surfs belohnte. Insgesamt wurden 3 Wettfahrten gesegelt, davon eine lange und zwei kurze.

Im Laufe der ersten Wettfahrt musste die Shakti in führender Position wegen eines technischen Defekts aufgeben. Nach einem Massenfrühstart in der zweiten Wettfahrt leitete Wettfahrtleiter Stefan Lehnert erzieherische Maßnahmen ein und zog die schwarze Flagge. Im nächsten Start waren trotz der Startverschärfung 4 Boote übermotiviert und wurden aufgrund ihrer Frühstarts disqualifiziert.
Auch in der 3. Wettfahrt gab es einen Gesamtrückruf, doch nach dem erneuten Hissen der "Black Flag" starteten die Teilnehmer diesmal äußerst qualifiziert.

Die Gesamt-Sieger der Early Bird Series
ORCi 1: Xenia (XP-44), Ralf Lässig
ORCi + Club 2: Solconia (Salona 37 RK), Johannes Bahnsen
ORCi + Club 3: patent3 (X-332), Henning Tebbe


Entscheidung an Düne Süd - Capitell Cup Rund Helgoland

Fotostrecke: Capitell Cup

Sonntag, 24. Mai: Der Capitell Cup Rund Helgoland ist immer taktisch besonders anspruchsvoll. Generell ist tiefenbedingt unter Land weniger Strömung. Durch die niedrigen Wassertemperaturen und die Sonne, die seit dem späten Vormittag zunehmend intensiver schien, entwickelte sich eine ausgeprägte Thermik. Weiter erschwerend sorgten strominduzierte Windfelder für Winddreher.

Schon beim Start sorgte ein bis zu 30 Grad pendelnder Wind für Chancen, die aufmerksame Taktiker zu Ihrem Vorteil nutzen konnten. Im vierten Start der Gruppe ORCi 2, in dem viele äußerst ambitionierte Teilnehmer der Early Bird Serie vom Vortag starteten, gab es wieder einen Massenfrühstart mit einem Gesamtrückruf.

Im Laufe der Wettfahrt konnten Yachten, die sich konsequent so weit wie möglich oder wie erlaubt in Landnähe hielten, erheblich Strecke gutmachen – im Vergleich zu denen, die sich zu weit auf See wagten. Die Nordseedünung verlangte von den Trimmern höchste Konzentration, durch die starken Schiffsbewegungen konnte der Spinnaker oder Gennaker schnell einfallen oder die Strömung im Segel abreißen. Um zirka 15 Uhr ließ der Gradient-Wind nach, mit der ausgeprägten Thermik konnten die Yachten trotzdem weiter Richtung Ziel segeln.

Auf den letzten drei bis vier Seemeilen des Kurses wurde durch eine Flautenzone westlich der Tonne Düne Süd das Feld in zwei Gruppen aufgeteilt. Die östliche Gruppe kam schnell ins Ziel, die Yachten der westlichen Gruppe ankerten oder trieben zurück. Da die großem, schnelleren Schiffe eine längere Bahn absegeln mussten, traf die Flautenzone kleine und große Schiffe gleichermaßen.

Um 17:15  Uhr kam als vorletzte Yacht die Millenium 40 "Edelweiss" ins Ziel. 15 weitere Teilnehmer gaben angesichts des nahen Hafens und des wenig ermutigenden Wetterberichts auf. Die Lütje 48 "Marmelie" entschloss sich, das Rennen zu Ende zu segeln und trieb um 18:40 noch vor Helgoland.

"Heute waren Strom- und Windtaktik wichtiger als Bootsgeschwindigkeit." Wettfahrtleiter Stefan Lehnert hat in seiner langjährigen Erfahrung schon so einiges erlebt. "Meiner Meinung nach hat man heute durch kluge Taktik bis zu einer Stunde heraussegeln können."

Tendenziell waren auch unter diesen Bedingungen die Teams vorn, die schon in den letzten 2 Tagen ihre Fähigkeiten bewiesen hatten. "Solconia", eine Salona 37 RK, siegte in der Gruppe ORCi, die X332 "Patent3" wieder in der Gruppe ORCi3. ORC-Club 2 wurde wieder von der "Amuse Bouche" gewonnen. "Oromocto", ein hölzerner IOR-Eintonner, ist in der Gruppe ORC-Club 3 vorn. In der Gruppe ORCi + Club 1 gewann die YP44 "Xenia". Hendrik und Insa Conradi, beide auf Helgoland aufgewachsen, bewiesen auf "Esta" und "Insa" Revierkenntnis und belegten im Family Cruiser Cup den ersten und zweiten Platz.

Am Pfingstmontag ist für 9.00 Uhr der Start zur Helgoländer Acht geplant. Ab 12.00 Uhr besteht Startbereitschaft zu den Rückregatten. Für zirka 16:30 Uhr ist der Start zur Edinburgh-Regatta geplant. Die Sicherheitschecks für diese Regatta im Laufe des Sonntags hatten gezeigt, dass die an der Langstrecke nach Schottland teilnehmenden Yachten erheblich besser vorbereitet sind als in den Vorjahren: Bisher gab es nichts zu beanstanden.
 

Lars Bolle am 25.05.2015

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