Kieler Woche

Zwischen Wonne und Wagnis: Grünes Licht für die Kieler Woche

Neuer Termin, alte Stärken: Die Kieler Woche findet erstmals seit ihrer Premiere 1882 im September statt. Heute gab es final grünes Licht für den Start

Tatjana Pokorny am 04.09.2020
Kieler Woche 2020
Sascha Klahn / Kieler Woche 2020

In der Innenförde starten traditionell Aalregatta und Welcome Race

Ab Samstag werden in der norddeutschen „Sailing City“ Kiel nach und nach Tausende Seglerinnen und Segler erwartet, die in internationalen und olympischen Jollen sowie auf großen Yachten, auf Windjammern und in Sonderklassen um Titel und gute Ergebnisse kämpfen. Mehr als 350 Einzelstarts sind bei der 126. Edition der Kieler Woche geplant. Bei der weltgrößten Regattaserie gelten wegen der Corona-Pandemie strenge Hygieneauflagen. Publikum ist im Olympiazentrum Kiel-Schilksee nicht zugelassen. Zur Umsetzung des Konzepts, das in den kommenden neun Tagen täglich neu auf den Prüfstand gestellt wird, wurde der gesamte untere Komplex des Hafenareals in Schilksee nach dem Vorbild des olympischen Sicherheitskonzepts von 1972 vom oberen Flanierbereich mit seinen Läden und Restaurants abgekoppelt. Die Teilnehmer sind – je nach Klasse und Einsatzzeitraum – abgesperrten Bereichen zugeordnet. Jedes kleine Boot hat an Land einen genauen Standort zugewiesen bekommen. „Wir sperren die Segler aber nicht ein, wir beschützen sie“, stellt Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst klar. 

Kieler Woche 2020

Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst

Der sportliche Dirigent des Kieler-Woche-Regattaorchesters hat mit seinen Teams in den vergangenen Monaten Extraschichten im Akkord eingelegt, um „Mutter und Vater aller Regatten“, so formulierte es einmal der frühere Weltseglerverbandspräsident Paul Hendersen, in schwerer Zeit auf Kurs zu halten. Nun soll die Kieler Woche einmal mehr sportlicher Leuchtturm und Hoffnungsträgerin in der Corona-Pandemie sein, auch wenn sie sich bis zum zweiten Wochenende einer täglichen Neubeurteilung stellen muss und ein Abbruch bei Infektionsausbrüchen nicht hundertprozentig auszuschließen ist. Die Segelwelt blickt entsprechend gespannt in den deutschen Norden: Kann die Kieler Woche den Neustart erfolgreich einläuten?

Kieler Woche 2020

Mit passenden Bildern und dem jeweiligen Regattatitel bewerben die Kieler-Woche-Organisatoren die verschiedenen Meisterschaften und Titelkämpfe

Ab Samstag gilt es: Neun Tage lang steht auf der Förde der Segelsport im Mittel-, aber auch im Brennpunkt. Was die Veranstalter tun konnten, um die Teilnehmer in Zeiten der Corona-Pandemie bestmöglich zu schützen, das haben sie getan. Nun liegt es auch bei den Aktiven, sich innerhalb und außerhalb des Kieler-Woche-Heimathafens bestmöglich an die Regeln zu halten und die Gefahr von Infektionsausbrüchen möglichst klein zu halten. Die Organisatoren hoffen darauf, dass in diesem Zusammenhang ihr neues, auch auf dem aktualisierten Kieler-Woche-Plakat festgehaltenes Motto „#Zusammenhalt“ beherzigt wird.

Das neue Kieler-Woche-Plakat 2020

Nach der Verschiebung der Kieler Woche in den September noch einmal neu kreiert: das Kieler-Woche-Plakat 2020

„Grünes Licht. Alles im Fluss“, vermeldete Dirk Ramhorst am Freitag einen Tag vor Beginn der 126. Kieler Woche gegenüber YACHT online. Die außergewöhnlichen Kieler-Woche-Tage zwischen Wonne und Wagnis beginnen am Samstag (5. September) und enden mit den finalen Medaillenrennen in den olympischen Disziplinen am 13. September. Dazwischen liegen Klassiker wie die Aalregatta und das Welcome Race, die Internationale Deutsche Meisterschaft der ORC-Yachten (5. bis 8. September), die IDM Doublehand ORC (10. bis 12. September), der Senatspreis, das Silberne Band, die Wettfahrten der internationalen Klassen in der ersten und die der Olympioniken in der zweiten Halbzeit. Zur Windjammer-Parade am 12. September sind auch Privateigner mit ihren Booten eingeladen, mitzumachen. „Wir wollen möglichst viele Masten auf die Förde bringen“, sagt Dirk Ramhorst.

Kieler Woche 2020

Die offizielle Kieler-Woche-Ankündigung für die mit Spannung erwartete IDM ORC

Weltmeisterschaft 49er, 49erFX, Nacra 17

Im dritten Anlauf endlich zu Olympia? Mit zwölf Punkten Vorsprung vor Vicky Jurczok/Anika Lorenz war die Ausgangslage für die 49er-Seglerinnen Tina Lutz und Susann Beucke vor dem Start der Wettfahrten für die Olympioniken am 10. September noch nie so gut. Dieses Mal wollen sie es sein, die das Ticket zu den Olympischen Spielen lösen

German Sailing Team

Liegen im Duell um die Olympiafahrkarte mit Tina Lutz und Susann Beucke zwölf Punkte zurück, haben aber noch nicht aufgegeben: Vicky Jurczok und Anika Lorenz im 49erFX

Kieler Woche 2020

DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner dankte den Kieler-Woche-Organisatoren im Namen des German Sailing Teams für "beeindruckendes Engagement"

Kieler-Woche-Rekordsieger Wolfgang Hunger wird mit Vorschoter Holger Jess im 505er an den ersten vier Tagen der Regatta vor der eigenen Haustür Jagd auf seinen 23. Titel machen. Zu den olympischen Höhepunkten zählt die Entscheidung im Kampf um die Olympiafahrkarte zwischen Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee Yacht Club/Norddeutscher Regatta Verein) und Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Verein Seglerhaus am Wannsee). Lutz/Beucke führen das Duell nach zwei von drei Ausscheidungsregatten mit 28 zu 16 Punkten an. Zwölf Punkte Vorsprung sind viel. Selbst wenn die Kieler-Woche-Titelverteidigerinnen Jurczok/Lorenz das Blatt wenden und in der Strander Bucht womöglich erneut siegen können, reicht Lutz/Beucke immer noch ein siebter Platz zum Griff nach der Japan-Fahrkarte. Bei Punktgleichheit am Ende der Kieler Woche, die nur dann entstehen könnte, wenn Jurczok/Lorenz in Kiel erfolgreicher Segeln als die führenden Lutz/Beucke, hätten die Berlinerinnen mit dem besseren Ergebnis die Bugspitze im direkten Vergleich vorne, weil zuvor beide Crews jeweils einmal Fünfte bei den WMs 2019 und 2020  geworden waren.

Kieler Woche 2020

Segeln das aktuell schnellste olympische Boot auf ihrem Heimatrevier vor Kiel: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer

Olympisch ist diese Kieler Woche nach der langen Corona-Flaute herausragend besetzt: Viele Olympiasieger und Weltmeister wie etwa die Nacra-17-Virtuosen Santi Lange und Cecilia Carranza Saroli oder Hollands Laser-Radial-Überfliegerin Marit Bouwmeester wollen beim Neustart in Kiel dabei sein und nach der mehrmonatigen Regatta-Zwangspause eine Standortbestimmung vornehmen. Laser-Weltmeister Philipp Buhl startet mit dem guten Gefühl des amtierenden Klassenkönigs in die Serie. Die olympischen 49er-Bronzemedaillengewinner Erik Heil und Thomas Plößel freuen sich ebenso aufs Heimspiel wie 54 weitere Seglerinnen und Segler sowie 15 Trainer des German Sailing Teams. Ihr Motto ist das, was alle Teilnehmer bei dieser ganz besonderen Kieler Woche verbindet. Es war in der angespannten Lage der Hyperinflation im Jahr 1923 vor 87 (!) Jahren schon einmal der Slogan der Kieler Woche: „Segeln, nicht feiern.“

125. Kieler Woche

Auch Österreichs Rio-Bronzemedaillengewinner Thomas Zajac und Barbara Matz sind im Nacra 17 mit von der Kieler-Woche-Partie

Kieler Woche 2020

Mit einem offiziellen Countdown läuteten die Organisatoren die Kieler Woche in den vergangenen Tagen und Wochen in den sozialen Netzwerken ein. Hier mit einem Bild der "Tutima"

Tatjana Pokorny am 04.09.2020

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