Rekorde

Wiebel und Koster: erst Rekord, dann glückliche Rettung

Yo Wiebel und Simon Koster haben mit ihrem Nacra F20 auf L-Foils einen neuen 24-Stunden-Weltrekord für Sportkats aufgestellt, mussten dann aber gerettet werden

Tatjana Pokorny am 10.07.2017
24-Stunden-Weltrekord für Strandkatamarane
Martina Orsini/Offshore Foiling/Wiebel & Koster

Haben den 24-Stunden-Weltrekord für Strandkatamarane gebrochen: Yo Wiebel und Simon Koster

Die Herausforderung war von Beginn an groß: Yo Wiebel, den YACHT-Leser schon als Teilnehmer an einer spektakulären Kap-Hoorn-Rundung an der Seite von Volvo-Ocean-Race-Sieger und America's-Cup-Steuermann Franck Cammas im November 2015 kennengelernt haben, und sein Schweizer Teamkamerad und als Mini-Transat-Serien-Dritter erfolgreicher Solosegler Simon Koster haben den 24-Stunden-Weltrekord für Strand-Katamarane gebrochen. Das neue Etmal wird allerdings nicht offiziell ratifiziert, weil den Rekordjägern das Geld für die Anmeldung ihres Rekordversuchs fehlte. Doch das GPS des Münchners und des Schweizers zeigt es: Mit ihrem Nacra F20 auf L-Foils haben sie auf ihrem Kurs von Scharbeutz vorbei an Bornholm bis fast an die Südspitze Ölands und schließlich nach Leba an der polnischen Küste 361 Seemeilen binnen 24 Stunden absolviert.

24-Stunden-Weltrekord für Strandkatamarane

24-Stunden-Weltrekord für Sportkatamarane für Yo Wiebel und Simon Koster

Zwischenzeitlich, vor allem in den frühen Morgenstunden, "war es echt hart", sagte Wiebel, der sich mit Koster nach dem Start am späten Sonntagnachmittag zunächst jede Stunde am Steuer abgewechselt hatte, in der müden Morgenzeit dann aber alle 25 bis 30 Minuten. "Am Nachmittag auf dem Weg ins Ziel ging es dann wieder besser, und wir sind zum Ein-Stunden-Rhythmus zurückgekehrt." Das Duo war mit dem 6,20 Meter langen Sportkatamaran aus Kostengründen ohne Begleitboot unterwegs. "Nach unserem ursprünglichen Plan wollten wir den Rekordversuch im Mittelmeer unternehmen. Da hätten wir es nicht ohne Begleitboot gemacht. Aber die Ostsee kenne ich sehr gut. Da konnten wir es riskieren", sagte Wiebel. Bei ihrem schnellen Ritt trugen Simon Koster und Yo Wiebel Expeditions-Trockenanzüge mit Kapuze, darüber Rettungswesten. Daran befestigt: Notfackeln, Knicklichter, jeweils ein wasserdichtes Handfunkgerät, PLB und AIS.

24-Stunden-Weltrekord

Die Route der Rekordjäger

Nach zwei abgebrochenen Versuchen – einmal war gleich zum Auftakt des Rekordversuchs der Foil-Aufholer gebrochen, bei zweiten Mal hatte sich kurz vor Dänemark das Ruder mit einem lauten Knall verabschiedet, die Ruderkassette und der T-Foil am Ruder waren gebrochen – gelang das Vorhaben mit zwischenzeitlichen Durchschnittsgeschwindigkeiten von 20 Knoten, dem Durchstehen eines Windlochs und dann wieder in schnellen Segelbedingungen im dritten Anlauf. Aber nur knapp! "Wir haben den Rekord gebrochen, aber leider ist auf den letzten Meilen zum Hafen auch das Boot gebrochen, und wir wären fast gesunken. Aber nun sind wir abgesehen von kleineren Verletzungen gesund und munter in Leba in Polen."

24-Stunden-Weltrekord

Der Proviant der Rekordjäger. Zu bedenken gab es laut Crew bei der Planung zwei Fakten: "Man hat eigentlich viel Zeit, aber doch keine Zeit mit freien Händen. Und: Alles ist immer und sofort nass und salzig"

Was war passiert? Etwa zehn Seemeilen vom Zielhafen Leba entfernt – da war der Rekord schon geschafft – fuhr die Crew einen Stecker. Dabei wurde ein Foil aus dem Rumpf gezogen, blieb aber zur Hälfte im Schwertkasten stecken. Als sich das Boot wieder aufrichtete, hat der obere Teil der Foils den Schwertkasten zerdrückt und ein 30 Zentimeter großes Loch hineingerissen. "Es lief Wasser rein, aber wir sind da nicht rangekommen", berichtete Yo Wiebel YACHT online von bangen Minuten. Zwar hatten die Männer auch ein Handfunkgerät dabei, doch sie entschieden sich in der brenzligen Situation, einen polnischen Segelfreund mit ähnlichem Vorhaben per Mobiltelefon zu kontaktieren. Der wiederum alarmierte sofort die Seenotrettung, die den Nacra F20 dank des laufenden Trackings schnell fand, vor dem möglichen Sinken bewahrte und an die Slipanlage in Leba schleppte.

Hier geht es zur Homepage der Rekordsegler

24-Stunden-Weltrekord für Strandkatamarane

Offshore-Foiling pur: Yo Wiebel (r.) und Simon Koster

Tatjana Pokorny am 10.07.2017

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