Barcelona World Race

Wer erwischt den Passat als Erster?

Die führenden "Virbac-Paprec 3" und "Foncia" passieren heute die Kanaren, das Feld versucht um jeden Preis, den Anschluss zu behalten

Andreas Fritsch am 07.01.2011

Der Stand des Rennens heute um 10 Uhr

Heute und morgen wartet eine weitere spannende taktische Situation auf die Crews im Barcelona World Race. Gestern zog die windige Kaltfront durch, heute gewinnt das Azorenhoch an Einfluss. Damit kommt der Nordostpassat zurück. Die beiden führenden Yachten sind für den Wetterwechsel nahezu ideal positioniert.

Die Frage wird sein, wie gut die Verfolger den Anschluss halten können, denn sie sind alle noch mehr oder weniger zu weit östlich positioniert, um die Inseln an der Westseite zu passieren. Da sich an der Nordseite des Archipels laut Wetterbericht zunächst heute ein ziemlicher schwächlicher Windstau bildet, müssen alle Teams mehr oder weniger dringend – je nach Position – teils am Wind Strecke nach Westen gutmachen, um nicht erneut nach Gibraltar in eine Flautenfalle zu geraten. Zurzeit haben sie allerdings den Vorteil, dass die beiden Führenden in etwas weniger Wind unterwegs sind, und können wahrscheinlich einige Meilen gutmachen.

Jean-Pierre Dick und sein Mitstreiter Loïck Peyron ("Virbac-Paprec 3") haben diese Vorbereitung auf den Wetterwechsel aber nahezu ideal erwischt. Aufgrund ihres Vorsprungs konnten sie im Gegensatz zum Rest des Feldes Madeira noch vor dem Winddreher gestern westlich passieren. Wenn heute Mittag (siehe Wettergrafik) der nächste Dreher kommt, sind sie dabei. Mit raumem Wind können sie dann richtig Gas geben. Direkt im Nacken sitzt ihnen mittlerweile wieder Michel Desjoyeaux mit François Gabart ("Foncia"), die gestern Nacht bis auf 15 Meilen an die Führenden herangefahren sind.

Boris Herrmann und Ryan Breymaier sind mit ihrer "Neutrogena" nach wie vor gut im Rennen auf Platz sechs. Lediglich Jean Le Cam zog gestern Nacht durch einen extrem südlichen Kurs an ihnen vorbei. Was das wert ist, wird sich heute im Laufe des Tages zeigen, denn Altmeister Le Cam und sein Mitstreiter Garcia ("President") müssen entweder dann höher an den Wind gehen, um die Inseln zu passieren, oder aber sie planen eine Passage zwischen den Kanaren hindurch. Eine Option, die viele Meilen spart, aber das Schwachwind-Risiko beinhaltet und deshalb nur selten genutzt wird. Le Cam gilt aber als risikofreudiges Wetter-Genie, der schon gelegentlich derart heikle Passagen gewagt hat.

In unmittelbarer Nähe von Herrmann segeln "Groupe Bel" und "Mapfre", zwei neuere und eigentlich schnellere Boote, deren Speed die beiden aber bislang passabel mithalten. Vor der großen Verfolgergruppe liefern sich "Mirabaud" (Wavre/Paret) und "Estrella Damm" (Pella/Ribes) einen harten Fight um Platz 3. Auch bei den beiden Booten darf man gespannt sein, wer sich besser für das "Hindernis" Kanaren positioniert hat. Die Spanier segeln weiter im Westen, Wavre will anscheinend dichter an den Inseln vorbeisegeln.

Große Probleme könnte die Schlussgruppe der fünf Yachten von "Renault" bis "Hugo Boss" haben. Sie sind noch weiter im Osten positioniert und fahren erneut in eine Schwachwindzone, die ihren ohnehin schon großen Rückstand von rund 300 Meilen weiter vergrößern könnte.

Ob Alex Thomson am Wochenende nach seiner Blinddarm-Operation fit ist und an Bord der "Hugo Boss" zurückkehren kann, ist weiter unklar, bislang gibt es keine Auskünfte, ob er von seinen Ärzten schon wieder einsatzfähig gehalten wird. Er hat nicht mehr viel Zeit: Die teilnehmenden Teams hatten ihm nach dem Start eine 10-Tages-Frist für den Wiedereinstieg eingeräumt.

Andreas Fritsch am 07.01.2011

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