Bordbuch der "Iskareen"

Welcome to the World

Skipper Arnt Bruhns berichtet von der "Iskareen"

am 05.07.2003

Olaf Kühne mit einer unkontrollierbaren Schwimmweste

04.07. Pos 58°58 N 4°29 W Mittags 586 sm nach Cuxhaven. Nach St. Kilda kommen alsbald auch die Hebriden in Lee voraus in Sicht.

Die Zivilisation hat uns wieder, Fischerboote kommen in Sicht, Handys werden an Deck geholt - die Abdeckung reicht bis zu uns heraus, innerhalb einer halben Stunde gehen an Bord etwa 80 SMS-Nachrichten ein und es wird telefoniert, bis die Karte glüht.

Wir müssen inzwischen aufpassen, bei leichten, leider sehr unstetigen Winden die Hebriden noch zu halten, in Lee wird es noch einmal knapp mit der Höhe. Immer wieder schläft der Wind ein, wir tasten uns langsam unter der Küste entlang. Nachmittags kommt hinter uns eine aufkreuzende Yacht in Sicht, die augenscheinlich die Höhe nicht halten konnte, nach bordinterner Diskussion besteht Arnt daraus, dass es sich um "Maiden" handeln müsse, Titus und Barbara halten dagegen.

Der Einsatz ist ein Kasten Bier, einzulösen leider erst, wenn wir Gewissheit haben, wahrscheinlich also nicht vor Cuxhaven. Aus Hamburg erfahren wir vom spannenden Flautenfinale in der Deutschen Bucht und dass "World of Tui" am Ende die Nase vorne hatte - herzlichen Glückwunsch schon einmal von hier aus, wir werden natürlich versuchen, noch einmal Alles zu geben und Euch in die Phalanx zu fahren.

Unser Rennen geht zusehends auch gegen die Uhr, während die Großen Yachten schon in Cuxhaven oder Hamburg sind, müssen wir versuchen, unsere Vergütung herauszusegeln. Nachts geht dann kurz vor dem Butt of Lewis, der die NW- Ecke der Hebriden darstellt, der leichte asymetrische Spi hoch. Knapp quetschen wir uns ums Kap, dann geht es los in Richtung Orkney-Inseln und Fair Isle. Ein anderes Problem, das uns auf der Reise begleitet, sind die Rettungswesten, die sich eigentlich vollautomatisch aufblasen sollten, wenn man ins Wasser fliegt. Leider tun sie dies auch immer wieder unkontrolliert beim Trocknen im Vorschiff oder völlig unvermittelt bei unpassenden Gelegenheiten, was den Träger dann allgemeinem Spott aussetzt. Der Spaß dabei ist inzwischen allerdings vorbei, da wir nicht mehr genügend CO²-Patronen haben, die für die Füllung der Rettungswesten und den benötigten Auftrieb im Wasser sorgen.

Erste Ideen, die Bestückung der verbleibenden Westen als russisches Roulett durchzuführen, werden schnell fallengelassen, die Crew an Deck teilt sich nun in die verbleibenden Westen, der Letzte an Deck muss das Ding eben aufgeblasen tragen - das sieht nicht sehr intelligent aus und schränkt die Bewegungsfreiheit ziemlich ein, am Ende des Tages geht die Sicherheit aber vor.

Die Nacht stand ganz im Zeichen der Stromsuche vor den Hebriden. Die von unserem Wetterrouter Prof. Dr. Stomakov prophezeiten 3.5 Knoten eines weithin unbekanntes Golfstromablegers, der in 30 m Tiefe fließt, wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und holten unsere Geheimwaffe heraus. Um die Sache kurz zu machen: Morgens um fünf haben wir einen klatschnassen Sturmspi wieder an Bord, total zerkratzte Bodenbretter, die eigentlich als Scherbretter fungieren sollten, sowie einen reichhaltigen Fang: Sieben alte und durchgerostete Öltonnen, zwei zerrissene Fischernetze, einen Anker mit der Aufschrift "Elan", ungefähr zwei Tonnen Seegras und (fast) drei Makrelen, die sich jedoch in letzter Sekunde aus dem Staub machen konnten. Was wir nicht fanden, war die prognostizierte Strömung.

Dies hat einen sofortigen Anruf bei Prof. Dr. Stomakov zur Folge, der nach längerer Überlegung einräumt, sich tatsächlich geirrt zu haben: der Golfstromausläufer strömt nicht an der West- sondern an der Ostseite der Hebriden entlang. Was für uns aber nicht weiter von Belang sein sollte, dieses Jahr würde er als Folge von El Nino sowieso ausfallen. Dafür könnten wir uns allerdings für den Rest der Reise auf phantastisches Segelwetter freuen, er hätte gerade eine Langzeitprognose gelesen, die einen Supersommer versprach....

Neues gibt es an Bord von der Computerfront: Nachdem unser Kühlschrank wieder abgerüstet wurde und nunmehr wieder offline ist, wurde unser neuer Systemadministrator Shree Patel beobachtet, wie er auf unserer Maschine eine Platine befestigen wollte. Auf die Nachfrage, was das nun wieder solle, erfahren wir, das es sich um Chiptuning handele und die Leistung unseres Diesels um 150% erhöhen würde. Wir klären Shree Patel kurz darüber auf, dass dies ein Segelboot ist und die Maschine auf See nur zum Laden der Batterien eingesetzt wird, wofür die vorhandene Leistung bei weitem ausreicht und sein Arbeitsgebiet sich eigentlich auf Computer und Bordelektronik beschränkt.

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