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Was Boris Herrmann beim Transat Jacques Vabre gelernt hat

Ein paar Stunden, bevor er sich noch auf Rang 12 verbesserte, schrieb uns der Hamburger ein erstes Fazit – und warum sein eigentliches Rennen erst jetzt beginnt

Jochen Rieker am 11.11.2019
Boris Herrmann und Will Harris auf "Malizia" beim Start vor Le Havre
TJV/J.M. Liot

Boris Herrmann und Will Harris auf "Malizia" beim Start vor Le Havre

Das war nicht, was er sich erhofft hatte. Vor zwei Jahren hatte Boris Herrmann beim vorigen Transat Jacques Vabre noch Platz vier belegt – damals mit Thomas Ruyant, der jetzt als Skipper von "Advens for Cyber Security" nach furioser Aufholjagd seine Position bestätigen konnte.

Der Hamburger aber, diesmal mit dem erst 25 Jahre alten und sehr talentierten Figaro-Segler Will Harris am Start, wird nur Zwölfter im Feld der 29 Imocas. Ein taktischer Schlenker nach Westen, der sich im Nachhinein als hoch riskant erwiesen hatte, kostete ihn den Anschluss an die Spitze, den er anfangs hatte halten können. Zwischenzeitlich rutschten Herrmann und Harris bis auf Platz 19 ab, ehe sie zwischen den Kanaren und Kapverden  wieder besser in Fahrt kamen. 

In E-Mails von Bord wirkte der "Malizia"-Skipper ungeachtet der falschen Kurswahl jedoch keineswegs frustriert oder verzagt. Gegenüber YACHT online zeigte er sich im Gegenteil erstaunlich abgeklärt. Schon vor einer Woche schien er den Patzer abgehakt zu haben und fokussierte auf die positiven Aspekte dieses Transats Jacques Vabre. So lesen sich auch die Gedanken, die er gestern Abend durchgab – noch 200 Seemeilen vor Salvador de Bahia und mitten in der Aufholjagd zu "Corum", die er am frühen Morgen überholte.

Die wichtigste Erkenntnis:  

"Wir sind total zuverlässig. Boot ist 1a. Keinen Tropfen Diesel verwendet. Segeldesign ist einen guten Schritt weiter als vor 2 Jahren; da ist noch was möglich. Foils sind aber der eigentliche Game Changer."

Schon seit langem ist Boris Herrmann im Gespräch mit Guillaume Verdier über neue, deutlich längere Foils für "Malizia". Damit ließe sich das Boot auf das Niveau der neuesten Imocas heben, glaubt er.  

"Der Rumpf von 'Apivia" ist unserem sehr ähnlich. Mast, Kiel und Outrigger sind sowieso identisch qua Klassenregel. Mit neuen Foils könnte 'Malizia' auf dem Papier um das Podium mitfighten bei der Vendée Globe. Das wäre was! Wir arbeiten dran. Deadline ist Ende November."

Noch fehlt allerdings ein Teil der Finanzierung. Etwa die Hälfte des Budgets für den Umbau steht, der Rest müsste schnell kommen, um das Projekt über Winter zu realisieren und von kommendem Frühjahr an noch genug Zeit zum Trainieren zu haben.

Die Konkurrenz ordnet Boris derzeit so ein:

"'PRB' ist oft so schnell wie die ganz neuen Foiler, und das Boot ist fast eine Dekade alt."

'Advens' war, denke ich, noch zu jung. Die haben sicher nicht wirklich gepusht. Thomas Ruyant wird ein starker Kandidat für die Vendée sein – irre Aufholjagd! Sein Boot ähnelt 'Apivia' sehr. 

'Charal' hatte Pech in den Doldrums und schien danach nicht so richtig in Fahrt zu kommen. Da hätte ich mehr erwartet, vielleicht ist was kaputt.

'Banque Populaire' mit Armel und Clarisse zeigen, was in einem Nicht-Foiler stecken kann auf so einer Route mit viel VMG-Reaching. 

'Charal' und 'Apivia' verfolgen zwei gegensätzliche Foil-Konzepte. Man kann leider nach diesem Rennen noch nicht sagen, welches dominiert.

Etwas mehr Potenzial steckt, glaube ich, noch in 'Initiatives Cœur', sie hatten vielleicht nicht das absolute Wetterglück. Waren klar für ein Podium angetreten und in den Trainings in Port-la-Fôret immer sehr schnell.

Das Siegerboot 'Apivia' ist erst diesen August ins Wasser gekommen. Dass sie jetzt so eine Performance damit hinlegen, ist Wahnsinn. Offenbar haben die Architekten enorm hinzugelernt, was die Struktur angeht. Respekt vor dem Team – anscheinend alles richtig gemacht! Guten Co-Skipper rechtzeitig verpflichtet, und auf das richtige Design gesetzt. Charlie Dalins lokaler Widersacher, Seb Simon ('Arkea Paprec') hat da noch einen weiteren Weg mit seinem Juan-K-Design; das scheint alles nicht so easy zu sein.


Apropos: der 'Corum'-Skipper Nico Troussel bekommt ein Schwesterschiff von 'Arkea Paprec' – allerdings co-konzipiert von Michel Desjoyeaux, dem Professor. Da bleibt abzuwarten, was sie aus dem Hut zaubern.

Außerdem kommt ein Sam-Manuard-Design für Armel Tripon Anfang kommenden Jahres. Das wird eine sehr spannende Überraschung – kann alles oder nichts sein."


 

Jochen Rieker am 11.11.2019

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