Mini-Transat

"Wann es weitergeht, ist offen"

Das Rennen der Minis sollte von der Bretagne über Lanzarote nach Guadeloupe führen. Doch derzeit versperrt ein Tiefdruckgebiet den Weg

Johannes Erdmann am 15.10.2013
Racetracker

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Warten kann schrecklich sein. Vor allem, wenn es um den Start zum größten Abenteuer manch eines Lebens geht. So wie bei den Teilnehmern des diesjährigen Mini-Transat. Sonntag wollten sie eigentlich von Douarnenez in der Bretagne in Richtung Lanzarote aufbrechen, doch das Wetter hat ihnen einen Strich durch den Plan gemacht, auf den jeder Einzelne für sich seit Jahren hingearbeitet hat. Der Herbst ist ganz plötzlich in Form eines großen Tiefdruckgebiets auf See eingetroffen und hat die Rennleitung dazu gezwungen, den Start zu vertagen. Seit Sonntag befinden sich die Einhandsegler also im Standby-Modus. Wann es aber endlich losgeht, weiß keiner. 

Henrik Masekowitz ist bereits vor sechs Jahren mit seinem Serien-Pogo am Start gewesen – und in diesem Jahr mit seinem Prototypen "Merlin-Soft-Sailing" der einzige deutsche Teilnehmer im Feld. "Warten, die ganze Zeit auf Standby, ist nie besonders toll", erklärt der 47-jährige Hamburger. "Das Adrenalin ist ja irgendwann aufgebrauch. Und dann vielleicht mehr oder weniger spontan raus auf See, ohne die Batterie richtig voll zu haben, ist nicht ganz einfach. Schließlich ist einhand auf einem Mini Rennen zu fahren eine echte Herausforderung, die ihre gleichen sucht."

Doch zumindest scheint das angekündigte Tiefdruckgebiet nun auch den Starthafen Douarnenez zu erreichen. Die vergangenen Tage war von der Bedrohung im Westen nicht viel zu merken. Am Sonntag, dem eigentlichen Starttag, herrschte sogar gutes Wetter über der Biskaya. Doch das Kap Finisterre war es, das die Rennleitung zu der Entscheidung brachte, den Start zu verlegen. Dort wären die Schiffe nämlich von den starken Winden von über 35 Knoten und hohen Wellen erfasst worden. Aus einem sportlichen Wettkampt wäre ein Kampf ums Überleben geworden.

Henrik Masekowitz – der einzige deutsche Teilnehmer

Henrik Masekowitz – der einzige deutsche Teilnehmer

Für manche schien diese Entscheidung zunächst nicht plausibel. "Hier regnet es heute aber schon den ganzen Vormittag, und allmählich kündigt sich das an, was wir mit der Startverschiebung draußen auf See nicht erleben sollten. Das Frontensystem mit Wind von mehr als 40 Knoten schafft so langsam den Weg vom Kap Finisterre hier hinauf." Im Hotel ist das Herbstwetter auszuhalten – doch die Crews sind froh, während des Durchzugs nicht auf See zu sein. "Logisch, dass man die Entscheidung der Rennleitung in dieser Situation nicht in Frage stellt", sagt Masekowitz. "Wir diskutieren deshalb auch nicht, wann wir in Lanzarote starten können, sondern ob wir überhaupt ankommen."

Die Großwetterlage gibt jedoch derzeit nicht viel Hoffnung auf einen schnellen Umschwung. "Wann es weitergehen kann, ist derzeit komplett offen", sagt Masekowitz. Doch es werden bereits Alternativen diskutiert: "Eine Lösung könnte sein, dass wir einen Zwischenstop in Gijon oder La Coruña einlegen." Sollte sich die Rennleitung für diese Lösung entscheiden, könnte der Start bereits am Mittwochnachmittag mit der ablaufenden Tide stattfinden. "Allerdings wäre dann in der Nacht zum Sonnabend das Fenster am Kap wieder zu – und die nächste Front knallt ums Eck", so Masekowitz. Es wird also spannend bleiben.

Doch losgehen soll es und muss es irgendwann, da ist sich der Hamburger sicher. "Mein Hotel in Lanzarote ist gebucht – und ich möchte dort auch irgendwann ankommen." Bis dahin bleibt den Einhandseglern nichts anderes als das Warten. Auf einen Wetterumschwung – oder einen Plan B, der möglicherweise einen weiteren Zwischenstopp bedeuten könnte.

Weitere Infos: www.minitransat.fr

Johannes Erdmann am 15.10.2013

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