Barcelona World Race

"Virbac" muss reparieren, Boris parkt

Nur zehn Tage nach der Qual vor Gibraltar steckt "Neutrogena" erneut in der Flaute. Aber auch andere leiden

Jochen Rieker am 14.01.2011

Raus bist du: Auf 2,50 Meter L

Gestern Abend überraschte Jean-Pierre Dick, der so souverän Führende, mit der Nachricht, dass auf "Virbac-Paprec 3" die Travellerschiene aus ihrer Carbon-Brücke gerissen ist. Er läuft wie "Foncia" jetzt Recife an.

Erst zwei Wochen im Rennen, und schon ein Ausfall (Président wegen Mastbruchs) sowie zwei Notstopps. Das ist zwar nicht ungewöhnlich für Open-60-Regatten, wo Ausfallquoten von 30 bis 50 Prozent als normal gelten. Aber so früh? Gerade bei drei der favorisierten Top-Teams?

Mit den sich häufenden Vorkommnissen und dem Kalmengürtel am Äquator, der wie ein Wassergraben beim Springderby oder eine Schikane in der Formel 1 wirkt, werden die Karten jetzt jedenfalls neu gemischt.

Womöglich beginnt das Rennen sogar noch einmal von vorn – zumindest an der Spitze, die sich in Kürze neu sortieren wird, wenn "Virbac" und "Foncia" auf Kurs Recife die Plätze 1 und 2 abgeben müssen.

N

"Estrella Damm", die Lokalfavoriten aus Barcelona, haben den Äquator und die Doldrums rasch überwunden. Sie werden heute die Führung übernehmen, gefolgt von "Mirabaud" und "Groupe Bel".

Iker Martinez und Xabi Fernandez auf "Mapfre", vom 4. auf den 6. Rang durchgereicht, geben wie gestern schon leichte Rätsel auf. Sie sind weit nach Westen ausgeschert. Warum – noch unklar.

Ihr Kurs deutet entweder auf eine taktische Variante hin, die gleichwohl riskant erscheint und gar nicht nötig wäre, da sie mit überlegenem Bootsspeed die Verfolgergruppe dominieren könnten. Oder aber sie haben Probleme und halten sich die Option offen, ebenfalls einen Stopp einzulegen.

Boris Herrmann und Ryan Breymaier auf "Neutrogena" versuchten es weiter im Osten – und wurden dort schwer eingebremst. Die ganze Nacht über dümpelten sie mit 2 bis 4 Knoten herum. Entnervend – wie schon die Passage der Meerenge von Gibraltar, für die sie 24 Stunden brauchten.

In seinem Blog kommentierte Boris die Situation aber abgeklärt oder einfach nur abgründig erschöpft, in jedem Fall aber gelassen. Er schreibt:

"Es fängt fast an Spaß zu machen, sich richtig zu schinden, sich kaum noch bewegen zu können, schlussendlich Ryan vorn auf dem Spi augenblicklich in komatösen Schlaf fallen zu sehen und selber wohlwollend essend auf der Rettungsinsel im Cockpit zusammenzusacken. Milde, Demütig, Ergeben. Du hast für heute gewonnen, Wind. Eins zu null."

Derweil kommen "Renault" und "Gaes" mächtig auf. Auch sie werden demnächst langsamer. Und Boris und Ryan werden wieder schneller. Bis dahin vergehen aber wohl noch 24 Stunden. Eine Zeit, in der sich das Feld insgesamt deutlich zusammenschieben wird.

Jochen Rieker am 14.01.2011

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