Segeln olympisch

Vierkampf um Olympia: Laser, D-Zero, Melges 14 oder RS Aero?

Der Weltseglerverband World Sailing sucht für das Frühjahr Ausrichter für den Vierkampf um den Olympia-Status in der Einhand-Disziplin für Männer und Frauen

Tatjana Pokorny am 28.11.2018
Philipp Buhl
Lars Wehrmann/DSV

Im Rahmen der Überprüfung olympischer Bootsklassen auf ihre Erfüllung von EU-Anti-Monopolgesetzen und allgemeiner Modernisierungsbestrebungen wird der Weltseglerverband World Sailing für die Einhanddisziplinen für Männer und Frauen – aktuell sind Laser Standard (Männer) und Laser Radial (Frauen) bis mindestens 2020 olympisch – eine fünftägige Testserie mit insgesamt vier Bootsklassen durchführen. World Sailing will die idealen Jollen für die beiden Solo-Kerndisziplinen des olympischen Segelsports ermitteln. Gesucht wird außerdem ein Ausrichter für die entsprechende Testserie im kommenden Frühjahr zwischen Februar und April. Bevorzugt werden sollen zur Vereinfachung der logistischen Prozesse und aufgrund der besseren Wetterverhältnisse Bewerber aus Südeuropa.

Sailing World Cup 2017 vor Miami

Bleibt der Laser olympisch, oder muss er 2024 einem der drei Herausforderer weichen?

Auf einer Kurzliste hat der Weltseglerverband jetzt die drei Bootsklassen veröffentlicht, die Laser Standard und Laser Radial zum olympischen Vierkampf fordern dürfen: Die Hersteller von D-Zero, Melges 14 und RS Aero ringen mit der größten Olympia-Klasse um den Olympia-Status. Wie der Laser sind auch die drei Herausforderer keine Foiler, aber extreme Leichtbauten mit modernen Linien, die vor dem Wind und raumschots aufgrund ihres Gleitvermögens einfacher zu handhaben sind und deutlich schneller über die Kurse preschen. Am Wind ergeben sich weniger Unterschiede, doch die teilweise moderneren Segeltücher sorgen auch hier für andere Verhältnisse. Alle vier Klassen sind am Wind mit viel Körpereinsatz auszureiten.

Weltcup-Finale 2017 vor Santander

Hat sich für 2019 hohe Ziele gesteckt, will um den WM-Titel und die Qualifikation für die Pre-Olympics im Olympia-Revier vor Enoshima kämpfen: Laser-Steuermann Philipp Buhl vom Segelclub Alpsee-Immenstadt

Für Deutschlands besten Lasersegler Philipp Buhl ergibt sich aus dem Szenario allerdings wenig Sinn: "Wenn die Monopolstellung des Lasers das Kernproblem ist, weshalb man nun in andere Richtungen schaut, dann verschiebt man das Problem doch nur. Und eine andere, neue olympische Einhandklasse müsste ja auch erst einmal eine so große weltweite Verbreitung erreichen, wie der Laser sie hat. Dafür braucht es doch eher zehn bis 20 Jahre. Den Reiz der Laserklasse macht doch gerade ihr OneDesign-Charakter aus, der inzwischen mit gestellten Booten bei großen Regatten erreicht werden konnte. Es ist doch gerade der enge Wettbewerb auf einem vergleichsweise simplen Boot, der den Laser so spannend macht. Uns Seglern wäre sicher damit gedient, wenn es mehrere Hersteller für den Laser gäbe. Das würde zu sinkenden Preisen führen, von denen wir profitieren."

Nach Auswahl des Austragungsortes für die Testserie sollen die Mitgliedsverbände von World Sailing eingeladen werden, einen männlichen Testpiloten mit einem Körpergewicht zwischen 75 und 90 Kilogramm sowie eine weibliche Testpilotin mit einem Körpergewicht zwischen 55 und 70 Kilogramm zu nominieren. Die Entscheidung über die Einhandjollen für die Olympischen Spiele 2024 soll bei der Jahrestagung des Weltseglerverbandes im November 2019 fallen.

Auf der weltgrößten Wassersportausstellung, der boot Düsseldorf, werden Melges 14, RS Aero und Laser zu sehen sein. Die YACHT hat alle drei Laser-Herausforderer längst getestet. Unsere Video-Testberichte hier noch einmal zum besseren Überblick, die Tests können Sie sich über die Links unter dem Artikel downloaden. Dem Laser widmen wir eine Wiederholung des packenden WM-Finalrennens aus diesem Sommer mit Philipp Buhl:

Das Medaillenrennen der Lasersegler in Aarhus zählte aus deutscher Sicht zu den Höhepunkten der Weltmeisterschaft: Philipp Buhl holte sich dabei mit furiosen Endspurt-Qualitäten seine Bronzemedaille

Mit nur 54 Kilogramm feuert das Jollen-Leichtgewicht mächtig los

Die Leichtwind-Jolle von Devoti – vor allem bei Starkwind eine "Waffe"…

Die britische Einhandjolle ist leichter als ein Opti und soll – wie die Mitbewerber – den Laser attackieren

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Tatjana Pokorny am 28.11.2018

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