Kieler Woche

Viele neue Flügel für die 125. Kieler Woche

Die Kieler Woche startet beflügelt in ihre 125. Jubiläumsauflage: Im Juni 2019 werden Foiler und Kiter auf der Förde durchstarten

Tatjana Pokorny am 02.11.2018
Motten-WM
Martina Orsini/Moth Worlds

Die pure Freude beim "Fliegen" auf den foilenden Motten

Die Kieler Woche startet auf Foils durch, öffnet ihr Programm im kommenden Jahr für die "fliegende" Konstruktionsklasse der Motten, die Einheitsklasse Waszp und bietet zusätzlich eine offene Foiling-Wertung an. Auch die Kiter sind geladen – auf Foils und klassisch ("Lowrider"). In 137. Jahr seit der Premiere segelt die weltgrößte Regattawoche damit erneut auf Kurs Zukunft. "Unser Ziel war es immer, alle olympischen und attraktiven Klassen auszuschreiben. Kiten steht für 2024 auf dem olympischen Programm, und Foilen gehört zu den spektakulärsten Formen des Segelns", sagt Dirk Ramhost, Organisationsleiter der Kieler Woche.

2018 Bacardi Moth World

Auch Deutschlands bester Lasersegler hat sich schon begeistert in der Motte ausprobiert, bleibt aber seiner olympischen Einhandjolle noch bis mindestens zu den Olympischen Spielen 2020 treu: Philipp Buhl

Für den großen Auftritt erhalten die Foiler eine eigene Bahn. Neben den Waszp und Moth mit ihren Center-Foils sind für die dritte Gruppe auf der Bahn kaum Grenzen gesetzt. Die Organisatoren denken an neue Flieger wie Foiling Dinghy, F101 oder Skeeta. Das Foiling-Dinghy ist seit diesem Jahr auf dem Markt, hatte in Friedrichshafen seine Premiere und soll die Lücke zwischen dem olympischen Laser und den fliegenden Motten füllen. "Das Boot ist so einfach wie ein Laser oder eine Europe zu segeln, ohne dass man an den Foils etwas verstellen muss", erklärt Thilo Keller, Schiffbau-Ingenieur an der TU Berlin und erfolgreicher A-Cat-Segler. Schon nach ein paar Monaten war eine zweistellige Zahl des Foiling Dinghy (3,85 Meter Länge, 1,80 Meter Breite, 30 Kilo) verkauft.

Der foilende Tri F101 wird in England produziert und kann nicht kentern. Mit einer Breite von 2,55 Metern kann der Tri, ohne auseinander gebaut werden zu müssen, auf einem Trailer transportiert werden. Das Fluggerät Skeeta wird bei Foiling Crafts in Melbourne (Australien) hergestellt. Die 43,5 Kilogramm leichte Flunder ist eine GFK-Konstruktion mit Carbon-Verstärkungen. Foils und Rigg sind aus Kohlefaser. Bei der Skeeta (3,35 Meter lang und 1,35 Meter breit) sind die T-Foils an Schwert und Ruder aufgesteckt. Werden sie abgenommen, wird die Skeeta zum "Lowrider".

Reichlich Einheitsklassen-Potential bietet die Waszp. Seit 2010 hat der Konstrukteur Andrew McDougall an der "Wespe" gearbeitet. Vogelschwingen an den T-Foils und verstellbare Ausreitflügel (von waagerecht für den Anfang bis schräg zum maximalen Spaß) sind zwei Kennzeichen des Foilers. Der Hamburger Bootshändler Ferdinand Ziegelmayer hat den sogenannten "Volks-Foiler" ins Programm aufgenommen und präsentierte ihn erstmals in diesem Jahr auf der boot Düsseldorf.

Die Bilder vom Gardasee zeigen die Foiler im Einsatz, die 2019 auch bei der Kieler Woche starten sollen

Die Motten hatten bereits 2008 ihren ersten Auftritt bei der Kieler Woche, jetzt erfolgt das Comeback. Die International Moth Class (Motte) ist eine Einhand-Segelbootklasse mit Booten einer Länge von 3,35 Metern und einer Breite von maximal 2,25 Metern. Unter ihrem Rumpf sind zwei Tragflügel montiert. Die einzige vom Weltsegler-Verband anerkannte Einhand-Jollen-Konstruktionsklasse ist vor allem bei 49er-Seglern sehr beliebt. Die Motten erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über 35 Knoten (65 km/h).

Wie es auf dem Gardasee zur Sache ging – ein Vorgeschmack auf das, was die Kieler Woche 2019 zeigen will

Auch das Kiten erlebt nach langer Pause (2008 und 2012) ein Revival zur Kieler Woche. Im olympischen Jahr 2012 hatte die Kieler Woche im Rahmen des Sailing World Cups den Kitern die Möglichkeit zur Präsentation geboten. Nun nimmt die Kieler Woche die Kiter mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024 wieder ins Programm. Ob Foiling Kite oder non-foiling TwinTip hängt auch von den Entscheidungen der Weltseglerverbandes World Sailing bei der laufenden Jahrestagung in Sarasota in Florida ab. Die Disziplin Kite-Mix wurde im Mai als olympische Disziplin für 2024 vom Weltverband benannt. Endgültig beschlossen werden die Disziplinen aber voraussichtlich erst am kommenden Wochenende. "Natürlich liegt uns etwas an der Zusammenarbeit mit World Sailing, und wir möchten in der Kieler Woche den zukünftigen olympischen Klassen die Möglichkeiten geben, sich zu präsentieren und zu regattieren", erklärt Ramhorst. Die Kite-Regatten werden in der ersten Hälfte der Kieler Woche ausgetragen. Aufgrund der zeitlichen Nähe zum World Cup heben die Drachen auf der Ostsee vom 22. bis zum 24. Juni vor Kiel ab. Die Foiler starten in der zweiten Kieler-Woche-Hälfte.

Das englischsprachige Lern-Video zeigt, wie man mit den Kite-Foilern Spaß haben kann

Tatjana Pokorny am 02.11.2018

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