Rekorde

Vermisst im Pazifik: Rekordmann Chuan

Chinas populärer Rekordjäger Guo Chuan wird vermisst. Sein Boot wurde ohne ihn gefunden. Wir haben den Bericht mehrfach aktualisiert

Tatjana Pokorny am 27.10.2016
Guo Chan mit seinem Trimaran "Qingdao China"

Dieses Bild von Chuans Trimaran beim Start in San Francisco veröffentlichte die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua

Guo Chuan war der erste asiatische Segler, der die Erde 2013 nonstop und einhand in einer rund zwölf Meter langen Class40 umsegelt hat. Die Leistung machte den sympathischen Chinesen zu einem populären Sportler in seiner Heimat. Mit dem deutschen Weltumsegler Boris Herrmann und einem internationalen Team hatte Chuan 2015 unter Leitung von Manager Lingling Liou eine neue Rekordzeit für die Nordost-Passage etabliert.

Nordostpassage

Stellten gemeinsam einen neuen Rekord für die Nordost-Passage auf: Guo Chuan und Boris Herrmann

Chinas Solosegler

Großer Bahnhof für Guo Chuan in Qingdao

Jetzt wird der Rekordjäger bei seinem jüngsten Rekordversuch vermisst. Guo Chuan wollte den Solo-Pazifikrekord von San Francisco nach Schanghai unterbieten und den Kurs über 2000 Seemeilen in unter 21 Tagen (den Rekord hält "Maserati") absolvieren. Gestartet war Chuan am 18. Oktober. Sein letzter Facebook-Eintrag stammt vom 21. Oktober.

Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua und der Radiosender CRI berichten übereinstimmend, dass Chuans Landmannschaft den Kontakt zu ihrem Segler verloren hat. Xinhua berichtete, dass Chuans Shore-Team seit dem frühen Morgen des 25. Oktober keinen Kontakt mehr zu ihm hat. Zu dem Zeitpunkt segelte Chuan laut seinem Team etwa 900 Seemeilen westlich von Hawaii. Die Nachrichtenagentur berichtet auch, dass ein Aufklärungsflugzeug zwar den Trimaran "Qingdao China" lokalisieren, Guo Chuan allerdings nicht an Deck ausmachen konnte. Laut Xinhua konnte die Suchmannschaft im Flugzeug ein im Wasser treibendes Segel sehen. Die US-Marine hat zwei Schiffe zum Unglücksort entsandt.

In einem früheren Interview mit einer Xinhua-Reporterin hatte Chuan gesagt, dass er am meisten Angst davor habe, von Bord zu fallen und Kontakt zum Schiff zu verlieren. Dabei erinnerte er an bange Momente in einem Einhand-Transatlantik-Rennen 2011, als er über Bord ging und sich nur dadurch retten konnte, dass er erfolgreich nach einer Leine gegriffen hatte. "Hätte ich das nicht geschafft, wäre ich im Wasser gelandet", so Chuan, "in dem Fall hätte ich das Schiff nie wieder erreicht. Meine Überlebenschance wäre gleich null gewesen." Auf der Facebook-Seite des Seglers schrieb sein Team am späten Mittwochabend: "Als Guos Team tut es uns leid, dass wir uns in dieser Weise seiner Facebook-Seite bemächtigen. Wir sind heute zutiefst erschüttert, hoffen aber, dass er dennoch in Sicherheit ist."

Aktualisierung 27. Oktober, 1700 Uhr: Die Suchmannschaften gehen inzwischen davon aus, dass sie Guo Chuan nicht mehr lebend finden werden. Hier beschreibt sein Team detailliert zwei Szenarien, die sich nach Ansicht der Landmannschaft von Guo Chuan zugetragen haben könnten. Möglich scheinen vorangegangene Probleme oder ein unglückliches Handling einer unvorhersehbaren Situation. In beiden Szenarien war der Skipper möglicherweise kurzfristig nicht mit seinem Boot verbunden. Eine wichtige Bedeutung bei der Suche nach den Gründen für das Unglück kommt dem im Wasser treibenden Gennaker zu. Chuans Team geht davon aus, dass der Solosegler mit Rettungsweste, Lifebelt und Notfallsender ausgerüstet war. Laut Agentur RP Online hat die US-Küstenwache ihre Suche inzwischen ausgesetzt. Ein Sprecher wird mit dem Satz zitiert: "Unser tiefstes Beileid gilt nicht nur seiner Familie und seinen Freunden, sondern auch seinem Team und der Seglergemeinde."

Aktualisierung 27. Oktober, 19 Uhr: China TV zeigt die tonlosen Bilder, die das Aufklärungsflugzeug der US-Küstenwache vom führerlosen Boot gemacht hat.

China TV zeigt die Bilder, die vom Suchflugzeug der US-Küstenwache von Guo Chuang führerlosen Boot gemacht hat. Der Skipper wurde nicht gesichtet

Chinas Solosegler

Hier jubelt Chuan in Qingdao nach seiner Rekordfahrt

Tatjana Pokorny am 27.10.2016

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