Route du Rhum

"Unser kleiner Moment der Herrlichkeit"

Im Alleingang hat Boris Herrmann auf "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco" am Freitagmorgen auf der Nordroute die Führung in der Imoca-Klasse übernommen!

Tatjana Pokorny am 09.11.2018
Route du Rhum 2018
Jean-Marie Liot

Boris Herrmanns "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco" hat bei der Route du Rhum die Führung in der Imoca-Klasse übernommen

Route du Rhum 2018

Genießt den Moment: Boris Herrmann

Boris Herrmann hat am fünften Tag der Route du Rhum die Führung in der Imoca-Klasse übernommen! Gegen 9 Uhr hatte sich Herrmann rechnerisch am Freitagmorgen einen Vorsprung von rund 14 Seemeilen auf den vorherigen Spitzenreiter Alex Thomson erarbeitet. Dabei segelt der "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco"-Skipper der Ziellinie vor Guadeloupe allerdings mit großer Separation zur Spitzengruppe entgegen. Ein breites Hochdruckgebiet und dessen Entwicklung werden mittelfristig über den weiteren Verlauf des Rennens in der Klasse der künftigen Volvo-Ocean-Race-Boote entscheiden. Boris Herrmann selbst hatte am Donnerstagabend in seinem exklusiven und ausführlichen Bericht von Bord für YACHT online zum Zwischenstand und seiner starken Position geschrieben: "Mir ist durchaus bewusst, dass das nicht so bleiben wird. Aber warum nicht genießen, was wir heute geschafft haben? Das ist unser kleiner Moment der Herrlichkeit."

Route du Rhum 2018

Trockenes Segeln ist anders: Boris Herrmann auf "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco"

Das Szenario sah für Herrmann zunächst so aus: "Es hängt alles vom Hoch ab und seiner weiteren Entwicklung. Eine Kaltfront drängt von Westen heran und hilft, ein neues Hoch zu entwickeln. Den Modelle nach sollte ich den perfekten Zeitpunkt erwischen, um davon zu profitieren und durchzurutschen, aber es bleibt höchst unsicher. Die Bildung eines neuen Hochs wird in den Vorhersagen weniger genau abgebildet als ein großes Tiefdrucksystem. Jetzt brauche ich eine große Portion Glück, um am kommenden Montag noch im Rennen zu sein, wenn ich endlich die Passatwinde erreicht habe."

AAR 2018

"Iskareen"-Skipper Arnt Bruhns bleibt beharrlich an den Top 20 dran

Gleichzeitig blieb der Hamburger Class-40-Skipper Arnt Bruhns an den Top 20 seiner Flotte dran. Der "Iskareen"-Steuermann segelte am Freitagmorgen mit knapp neun Knoten Geschwindigkeit an Position 21. Von den 53 gestarteten Class-40-Yachten waren an Tag 5 20 ganz oder zeitweise aus dem Rennen. Bruhns dagegen bleibt beharrlich. In seinem Abendbericht von Bord hatte der 49-Jährige am späten Donnerstagabend geschrieben:

Der Tag hat wenig Erkenntnisse, dafür aber etwas Schlaf und weitere Segelei in Richtung Süd-Südwest gebracht. "West is best" heißt das Motto! Davon verbringe ich die meiste Zeit in meiner Zentrale unter Deck, der Autopilot steuert eh besser und genügsamer, und unten ist es trocken und etwas wärmer. So muss es bei Alex Thompson sein, wenn er mt seinem grauen Ufo-Boot durch den Southern Ocean pflügt und die Außenwelt nur durch die Kuppel wahrnimmt – wahrscheinlich hat er neben seinem drehbaren Sportsitz auch noch Kameras, damit er nicht aufstehen muss. Ein entscheidender Unterschied ist allerdings, dass sich Alex mit ziemlicher Sicherheit darauf verlassen kann, im Umkreis von ein paar hundert Seemeilen außer anderen verrückten Imocas keinen anzutreffen, was hier nicht so sehr der Fall sein dürfte. Hatte in den ersten Tagen der AIS-Alarm noch regelmäßig genervt, ist damit auf einmal schlagartig Schluss. Obwohl die Ecke hier bei Fischern eigentlich ganz beliebt ist (augenscheinlich sind die Fanggründe gut) und es in der Vergangenheit immer wieder zu (Fast-) Zusammenstößen von Regttateilnehmern mit Schwarzfischern ohne AIS kam. Tolle Ausichten...

Dabei laufe ich weiter gegen eine brutale kurze Welle, die später am Abend zu infernalischem Lärm und derart harten Schlägen im Boot führen, dass Sachen aus ihren Tachen fliegen und ich – wenn ich nicht geistesgegenwärtig nach dem Sitz gegriffen hätte – durch die Messe geflogen wäre. Wie ich heute las, trägt Miranda Merron auf "Campagne de France" deswegen in solchen Situationen einen Helm, vielleicht nicht die schlechteste Idee...

Ich habe mich gerade dazu entschlossen, etwas Power herauszunehmen, als draußen die Hölle losbricht: Das Pfeiffen des Windes wird schlagartig lauter, das Boot rumpelt immer heftiger durch die Seen, und der Wind springt schnell bis über die mittleren Dreißiger. Das Ganze wird schlagartig mit einem heftigen Geprassel von Regen beendet, dann ist es auf einmal absolut ruhig. Ich komme an Deck – Totenstille und ein leichtes Lüftchen. Die Gelegenheit wird kurz genutzt, das Groß herunterzunehmen, als das Theater schon wieder weitergeht. Nach zwei Stunden schläft der Wind ein. Eigentlich hatte ich auf den prognostizierten Dreher nach West gehofft, um damit schnell nach Süden zu kommen, doch der Wind schläft ein und kommt wieder – mit 6 Knoten aus Nordost! Damit hatte leider keiner gerechnet, ich versuche den Rest der Nacht irgendwo einen Hauch mehr Wind zu finden, doch im Ergebnis wird das zu einer großen Hin- und Herfahrerei, die auf dem Tracker nette Strickmuster hinterlässt. Lieben Gruß von Arnt

Hier geht es zum Live-Tracker mit den Zwischenständen

Tatjana Pokorny am 09.11.2018

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