Open 60

Thomsons neue Waffe für den Vendée-Globe-Sieg

Die neue "Hugo Boss" des Briten Alex Thomson ist aus der Werft und toppt alle hochgesteckten Erwartungen: ein krasser Entwurf, um endlich den Sieg zu holen

Andreas Fritsch am 05.08.2019
Hugo Boss
Mark Lloyd

Die neue "Hugo Boss"

Seit knapp einer Woche lief schon ein Countdown zum Launch des neuen Open 60, der unter absoluter Geheimhaltung in England bei Jason Carrington gebaut wurde. Jetzt veröffentlichte das Team die ersten Fotos und Videos-Sequenzen des diesmal pink-schwarzen, radikalen Foilers. Designer ist VPLP in Zusammenarbeit mit dem mittlerweile ziemlich großen Design-Team von Alex Thomson. 

Fotostrecke: Die neue "Hugo Boss"

Video vom Roll-Out des Bootes

In einem Facebook-Video erklären Alex Thomson, VPLP-Designer Quentin Lucet und Hugo-Boss-Designer Jesse Rowes, dass das Boot Grenzen verschieben solle.

Jesse Rowes sagte: "Wir haben ein Boot geschaffen, das in der Klasse neue Wege geht, das bahnbrechend ist."

Alex Thomson fasst den Entwurf so zusammen: "Wir haben ein Boot geschaffen, nach dem sich die Leute umdrehen werden, das funktional, aber auch wunderschön ist."

Selbst der französische Designer von VPLP Quentin Lucet, der bei dem Design-Büro der Spezialist für Foils ist, räumte ein, dass "in Frankreich ziemlich viele Leute mit Spannung darauf warten, was in den UK aus der Werft geschoben wird!". Kein Wunder, denn hatte sich doch bei der letzten Vendée Globe die Konkurrenz geschockt gezeigt, als klar wurde, dass Thomsons alte "Hugo Boss", die schon damals vieles anders machte als die Konkurrenz, auch deutlich schneller war als alle Mitstarter. In vielen Abschnitten des Rennens konnte er die Gegner geradezu düpieren, bis er dann über Treibgut fuhr und ein Foil abriss. Für den zweiten Platz reichte es trotzdem noch.

Augenfälligster Unterschied der neuen "Hugo Boss" ist das bis auf eine Zugangsluk achtern komplett geschlossene Deckshaus, das weit vorn liegt und mit dem Großschot-Traveller endet – ein Cockpit im klassischen Sinne gibt es nicht mehr. Winschen, Grinder, Fallen, alles scheint im Deckshaus zu liegen, von dem es keine weiteren Bilder gibt.

Der Rumpf fällt achtern extrem stark ab, vermutlich um Gewicht zu sparen und die Aerodynamik zu optimieren; bei Speed über 30 Knoten wird das immer wichtiger. Der Rumpf wird erst im Bereich der Wanten und Schwertkästen voluminös. Ähnlich sah man es auch bei Jérémie Beyous neuer "Charal", doch Thomsons Team hat den Trend noch weiter getrieben. 

Zudem auffällig ist, dass das gesamte Cockpitdach und auch die Laufdecks daneben fast komplett mit Solar-Zellen bedeckt sind. Schon seit Längerem versuchen Teams, Boote zu schaffen, die nicht mehr auf Stromerzeugung über Diesel abhängig sind; so soll das Gewicht für den Treibstoff, vermutlich so um die 150 bis 200 Liter, gespart werden. Das wird allerdings nicht nur mit Solarpaneelen gelingen. Schleppgeneratoren oder Ähnliches sind meist Ergänzung.

Noch nicht zu sehen ist aber wohl das spannendste Detail des Bootes, die Foils. Die letzte "Hugo Boss" hatte die radikalsten, längsten Foils, die es schon sehr früh "fliegen" ließen und komplett anders aussahen als die der Konkurrenz. Man darf also gespannt sein auf die ersten Bilder von Testfahrten. Spätestens beim Transat am 27. Oktober wird sich dann zeigen, was das neue Boot kann. 

Andreas Fritsch am 05.08.2019

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