Silverrudder Regatta 2018

Sturmtief über Fünen erzwingt Startverschiebung

Immer Ärger mit "Knud": Das erste schwere Sturmtief in diesem Herbst dezimiert das Feld der größten Einhandregatta der Welt drastisch

Jochen Rieker am 21.09.2018
Silverrudder 2018
YACHT/J. Rieker

Seit gestern Abend ist klar: Der Start zum Silverrudder wird erstmals verschoben. Wegen einer Kaltfront mit bis zu 50 Knoten in Böen gab es für das Wettfahrtkommittee keine Alternative. Mit einem Tag Verspätung soll die Einhandregatta rund Fünen nun am Samstagmorgen um 8.15 Uhr angeschossen werden. 

Silverrudder 2018

Steuermannsbesprechung am Donnerstagabend

Als Philip Cossen die Entscheidung bei der Steuermannsbesprechung bekannt gab, brandete sofort Applaus auf. Viele Solisten waren regelrecht erleichtert darüber, nur vereinzelt gab es Kritik. So blieb für die Teilnehmer, deren Zahl sich schon deutlich von 450 auf nur noch etwa 150 reduziert hatte, ein Tag mehr Zeit zum Ausruhen, Vorbereiten, Fachsimpeln – und zum Studium der Wetterprognosen. 

Die Vorhersagen sehen auch für Sonnabend nicht wirklich viel besser aus. Zwar soll der Wind im Mittel auf 20 bis 25 Knoten abnehmen, doch das Böenpotenzial bleibt bis in die Nacht zu Sonntag sehr hoch, mit bis zu 40 Knoten soll es im Kattegatt wehen, bei Wellenhöhen von bis zu 3,5 Metern auf dem nördlichen Teil des Kurses. Insbesondere für die vielen kleinen Boote, darunter einige höchst filigrane Konstruktionen, werden die Bedingungen nach wie vor bei weitem zu hart sein, da sie in brechenden Seen querschlagen oder sogar durchkentern können.

Deshalb wird die am frühen Abend stattfindende zweite Steuermannsbesprechung mit Spannung erwartet. Wird die Wettfahrtleitung ein Startverbot für die Klassen Mini und Small aussprechen? Manche Beobachter halten das für sinnvoll, wenn nicht sogar notwendig, um schwere Havarien zu vermeiden. Seascape-Chef Andraz Mihelin etwa, der sich heute Morgen anderthalb Stunden lang mit dem Meteorologen Jure Jerman beraten hat, riet bereits allen Skippern auf Seascape 18 und 24 von einer Teilnahme ab. Er sagte, die Bedingungen seien "wirklich sehr, sehr gefährlich".

Eine wichtige Rolle kommt dabei auch der Kursrichtung zu, die erst um 17 Uhr verkündet werden soll. Grundsätzlich spricht viel dafür, die relativ kleinen Startgruppen im Uhrzeigersinn um Fünen zu schicken, weil dann der härteste Part – die 30 Seemeilen übers südliche Kattegatt – vor dem Wind bzw. raumschots zu absolvieren wären statt gegenan. Allerdings würde es bedeuten, nach dem Start am westlichen Ausgang des Svendborg Sunds im sehr engen Fahrwasser aufkreuzen zu müssen. Eine Unachtsamkeit, eine verklemmte Genuaschot – und schon läuft man auf Grund. 

Egal welche Richtung die Wettfahrtleitung wählt, eines steht bereits jetzt fest: Es wird das mit weitem Abstand härteste Silverrudder bisher.

Es wäre fahrlässig, die Bedingungen zu unterschätzen. Der britische Hochsee-Profi und Class-40-Skipper Phil Sharp, der erstmals in Svendborg an den Start gehen will, sagte heute Nachmittag: "Es gibt Grund für ernsthafte Bedenken. Sturmböen auf offener See seine eine Sache, sagte er. "Aber hier, in diesem engen Revier, mit so vielen Flachs und den im Westen Fünens langen Abschnitten mit auflandigem Wind, kann jeder Fehler zum Verhängnis werden." 

Jochen Rieker am 21.09.2018

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