14. Transat Jacques Vabre

Start ins Tief: am besten nach Westen

Erwartet werden ein schnelles Rennen und neue Streckenrekorde. Boris Herrmann, Jörg Riechers und die Bruhns-Brüder sind ins Transat Jacques Vabre gestartet

Tatjana Pokorny am 27.10.2019
14. Transat Jacques Vabre 2019
Transat Jacques Vabre / Live-Übertragung / Screenshots

Der Start ins 14. Transat Jacques Vabre am Sonntag um 13.15 Uhr

Am Sonntagnachmittag waren die 29 Imoca-Duos, drei Multi50-Teams und 27 Class-40-Paare nicht mehr zu halten. Mit dem Startschuss um 13.15 Uhr vor Le Havre preschte das Feld der insgesamt 59 Boote über die Startlinie der 14. Auflage des Transat Jacques Vabre. Der Kurs des Klassikers führt die Zweihand-Teams über 4350 Seemeilen von Le Havre in der Normandie ins brasilianische Salvador de Bahia. Veranstalter und Teilnehmer erwarten – auch dank des im Westen befindlichen Tiefs und der günstigen Winde – ein flottes Rennen, möglicherweise auch neue Streckenrekorde. 

14. Transat Jacques Vabre 2019

In diesen drei Klassen wird das 14. Transat Jacques Vabre seit der Premiere 1993 in diesem Jahr ausgetragen

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Startete als Favoritin der Imoca-Klasse ins Rennen: die französische Imoca "Charal"

Den absoluten Rekord hatten 2017 Thomas Coville und Jean-Luc Nelias mit 7 Tagen, 22 Stunden, 7 Minuten und 27 Sekunden aufgestellt. Doch die Ultime-Klasse ist dieses Mal nicht mit von der Partie, startet am 3. November mit vier teilnehmenden Giganten ins neue Rennen Brest-Atlantiques. Den zu schlagenden Imoca-Rekord für das Transat Jacques Vabre haben 2017 Yann Eliès und Jean-Pierre Dick mit 13 Tagen, 7 Stunden, 36 Minuten und 46 Sekunden aufgestellt. Nicht nur Alex Thomson und seinem Co-Skipper Neal McDonald wird auf der neuen, futuristisch anmutenden "Hugo Boss" zugetraut, eine neue Bestmarke aufzustellen. Manch einer rechnet gar mit einem Zehn-Tage-Finish. Wie hoch die beiden Briten vor dem Rennstart eingestuft wurden, obwohl sie auf ihrem neuen Imoca-Geschoss bis dahin noch keine 4000 Seemeilen absolviert hatten, beweist eine Erzählung von Thomsens Performance-Manager, Ocean-Race-Veteran Neal McDonald, der am Steg ein Gespräch hörte, in dem ein Besucher seinen Freunden dies mitteilte: "Seht ihr diese anderen Boote? Sie sind wie Renaults. Und Alex? Der hat einen Rolls-Royce."

14. Transat Jacques Vabre 2019

Starteten auf der neuen "Hugo Boss" zügig ins 14. Transat Jacques Vabre: Alex Thomson und Neal McDonald

Dennoch blieben Thomson und McDonald vor dem Start mit beiden Beinen auf dem Boden. McDonald erklärte: "Wir wollen vor allem lernen, denn unser Ziel ist die Vendée Globe im kommenden Jahr. Mein Geld würde ich in diesem Rennen auf 'Charal' setzen. Wir beobachten die anderen Boote, und ich bin sehr beeindruckt, wie sie ihr Biest gezähmt haben. Denn es sind Biester! Wir stehen noch unten an der Leiter, aber sie sind schon halb oben. Du brauchst Zeit, diese Boote zu zähmen. Es gibt da eine feine Linie zwischen Gas geben und der Notwendigkeit, das Boot nicht kaputtzumachen." Das britische Understatement jedoch endet da, wo es um Zahlen und Geschwindigkeit geht. Auf den Hinweis, dass die schnelle "Charal" andere Boote, die mit 17 Knoten Sped unterwegs seien, ganz locker mit 27 Knoten überholen würde, sagt Neal McDonald trocken: "Wir segeln mit 30 Knoten in 18 Knoten Wind." Und dann gibt er noch einen fast philosophischen Hinweis: "'Charal' fliegt hoch, und ich denke, dass auch wir hoch fliegen können. Doch je höher du fliegst, je härter prallst du wieder auf."

14. Transat Jacques Vabre 2019

"Malizia" mit ihrem Skipper Boris Herrmann kurz nach dem Start

In diesem Umfeld wollen sich Boris Herrmann und sein britischer Co-Skipper Will Harris auf "Malizia" behaupten und um einen Spitzenplatz in der herausragend besetzten Imoca-Klasse kämpfen. Am Sonntagmorgen berichte Herrmann nach dem Wetterbriefing und vor dem Start: "Will und ich sind bereit. Die Wetterprognose sagt uns, dass wir in ein großes Tiefdruckgebiet segeln. Nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste, ein ganz normaler Härtetest." Gleichzeitig wies Herrmann noch auf ein radikales Foil-Programm hin, das sein Team binnen vier statt der üblichen sechs Monate hinter den Kulissen durchgezogen habe. Es soll am 15. November vollendet sein, sodass "Malizia" über den Winter vor der so wichtigen Vendée-Startsaison noch einmal ein erhebliches Update erfahren wird. Entsprechend der Analysen sollen die neuen Foils "Malizia" nach dem Refit um bis zu 5,4 Knoten schneller machen! Getestet werden soll das neue Set-up im April 2020. Einsatzfähig ist es nach Einschätzung des Teams voraussichtlich im Mai 2020. "Es ist aufregend. Wenn wir das alles schaffen", so Herrmann, "dann können wir 'Malizia' (Red.: Baujahr 2015) mit den anderen Top-Booten fliegen lassen." Das nun laufende Transat-Rennen bestreitet das deutsch-englische Duo noch mit den bisherigen Foils und einem neuen Partner an Bord: Das internationale Logistik-Unternehmen Kuehne + Nagel unterstützt das Projekt auf dem Weg zur ersten Teilnahme eines deutschen Skippers an der Solo-Weltumseglung Vendée Globe.

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Abschied aus Le Havre: Die "Malizia"-Co-Skipper Boris Herrmann und Will Harris mit ihrem Team

Transat Jacques Vabre 2019

Demonstrierten Entschlossenheit beim Abschied aus Le Havre: Die "Malizia"-Co-Skipper Boris Herrmann und Will Harris

Den bestehenden Rennrekord in der Class40 halten Maxime Sorel und Antoine Carpentier, die 2017 auf "VandB" in 17 Tagen, 10 Stunden, 44 Minuten und 15 Sekunden über den Atlantik pfefferten. Auch in dieser Klasse wird mit einer neuen Bestmarke gerechnet. Inwieweit Jörg Riechers und Cédric Château auf der schnellen "Linkt" in den Kampf um die Podiumsplätze eingreifen können, werden schon die ersten Tage zeigen. In einem Porträt über das deutsch-französische Duo mit der Publikation "Paris Normandie" werden dem Team "schöne Außenseiter-Chancen" nachgesagt. Tatsächlich ist dem ehrgeizigen und extrem erfahrenen Hamburger Segelprofi Jörg Riechers und seinem französischen Segelpartner auf der Cape-Racing-Yacht mehr zuzutrauen als ein Außenseiter-Status.

Transat Jacques Vabre 2019

Beim Training vor dem Transat-Jacques-Vabre-Start: Jörg Riechers und Cédric Château

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Jörg Riechers und Cédric Château auf der Class 40 "Linkt"

Eigentlich hätte sich das Hissen einer Hamburger Flagge in Le Havre mit eigenem kleinen Basiscamp gelohnt, denn neben den Profis Boris Herrmann und Jörg Riechers, der inzwischen mit seiner Frau Tiphaine Riechers im französischen Caen lebt, kommen auch die Brüder Arnt und Sönke Bruhns aus der Hansestadt an der Elbe. Das Amateur-Duo aus Blankenese hat sich in den vergangenen Tagen auf "Iskareen" intensiv auf die gemeinsame Transatlantik-Passage vorbereitet und will sich nun auf der Kaffeeroute mit den Besten messen.

Bilder von Arnt und Sönke Bruhns von ihrer Ankunft in Le Havre inklusive kurzem Ausblick aufs Rennen

Hier gibt es Informationen rund ums 14. Transat Jacques Vabre und aktuelle Berichte.

Tatjana Pokorny am 27.10.2019

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