Historische Reise

„Spirit of Mystery“ überquert Äquator

Extremsegler Pete Goss ist ein Monat auf See mit dem Nachbau eines über 150 Jahre alten Fischerbootes

Pascal Schürmann am 24.11.2008

Die "Spirit of Mystery" beim Start im vergangenen Oktober vor der Küste von Cornwall

„Ich kann euch sagen, es war ein magischer Moment, als wir am Wochenende über die Linie gerutscht sind. Trotz großer Erschöpfung ließen wir den Champagnerkorken knallen, und auch Neptun bekam natürlich ein paar Spritzer ab“, schreibt Pete Goss in seinem jüngsten Blog-Eintrag. Damit liegen nicht nur endlich die Doldrums hinter ihm und seiner Crew. Auch rund die Hälfte des Weges bis Kapstadt ist geschafft.

Am 20. Oktober war der Engländer Pete Goss (46) gemeinsam mit seiner Vier-Mann-Crew mit der „Spirit of Mystery“ aufgebrochen zu einer für ihn eher untypischen Reise. Mit dem Nachbau eines Fischerboots segelt er den Törn von Landsleuten aus Cornwall nach, die sich vor 154 Jahren von England auf den Weg nach Australien gemacht hatten. In ihrem luggergetakelten Holzboot hatten sie während des rund 12.000 Seemeilen langen Törns lediglich einen Zwischenstopp in Südafrika eingelegt. Die Männer hatte die Armut aus ihrer Heimat vertrieben, am anderen Ende der Welt wollten sie ihr Glück als Goldsucher machen.

Pete Goss ist einer der bedeutendsten Segler und Abenteurer unserer Zeit. Er hat mehrfach den Atlantik überquert und ist die Vendée Globe mitgesegelt. Am spektakulärsten aber geriet sein Vorhaben, mit dem ultramodernen Mega-Kat „Team Philips“ im Jahr 2000 an der Weltregatta The Race teilzunehmen: Während der Vorbereitung brach das Schiff auseinander, das Vorhaben scheiterte. Danach wurde es lange still um Goss.

Nun aber ist er zurück. Und statt weiteren Geschwindigkeitsrekorden hinterherzujagen, begibt er sich auf die Spuren seiner Ahnen. Goss will die gut dokumentierte Reise der Fischer von einst nun nachsegeln — mit den gleichen Mitteln. In den vergangenen Monaten baute er nach historischem Vorbild das knapp zwölf Meter lange Boot nach.

Moderne Technik oder gar elektronische Navigationsgerätschaft sucht man auf der „Spirit of Mystery“ vergebens. Kurs- und Positionsbestimmung erfolgen auf traditionelle Weise anhand der Sonne und der Sterne. Lediglich in puncto Sicherheitsausrüstung ist man einen Kompromiss eingegangen. Ansonsten möchte Goss den seemännischen Gewaltakt seiner Landsleute möglichst originalgetreu nachvollziehen. Das heißt unter anderem, während der langen Reise ist ebenfalls lediglich ein einziger Stopp in Kapstadt vorgesehen.

Nach einem stürmischen Auftakt in der Biskaya und anhaltendem Regenwetter bis kurz vor Madeira hatte die „Spirit of Mystery“ danach ein wenig mehr Glück. Bei gutem Wind segelte das Schiff ab Höhe der Kanaren quer über den Atlantik, blieb dann aber mehrere Tage in den Doldrums stecken, der windschwachen, dafür aber äußerst regenreichen Zone etwa in Höhe des Äquators.

Derzeit freut sich die Crew über Raumschotsbedingungen, die, so hofft, die Crew, bis Kapstadt anhalten. Im Moment liegt man im Zeitplan fünf Tage hinter den Seglern von einst. Wenn es gut läuft, so Goss, werde man rechtzeitig vor Weihnachten den Etappenhafen erreichen.

Nur noch ein paar Hundert Meilen hinter der „Spirit of Mystery“ sind derzeit übrigens die Teilnehmer der Vendée Globe. Sie werden das Schiff wohl bald eingeholt haben. Für Goss wird dies ein bewegender Moment sein: 1996 war er noch selbst bei dem Einhand-Nonstop-Rennen um die Welt dabei. Damals wurde er Fünfter, nachdem er während des Rennens zwischenzeitlich umgedreht war, um einen im Southern Ocean havarierten Konkurrenten zu retten.

Alles über den Törn der "Spirit of Mystery" unter www.petegoss.com

Pascal Schürmann am 24.11.2008

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