Route du Rhum

Später Triumph eines unermüdlichen Jägers

Ein ganzes Transatlantik-Rennen lang hat Francis Joyon seinen jungen Kontrahenten François Gebart beharrlich gejagt. Das Dranbleiben hat sich gelohnt

Tatjana Pokorny am 12.11.2018
Route du Rhum 2018
Alexis Courcoux / Route du Rhum

Francis Joyon hat auf seinem Ultime-Trimaran "Idec Sport" die 11. Auflage der Route du Rhum gewonnen und nach nur 7 Tagen, 14 Stunden, 21 Minuten und 47 Sekunden auf See einen neuen Rekord für den 3542 Seemeilen langen französischen Transatlantik-Klassiker aufgestellt. Im engsten und spannendsten Finale seit der Premiere 1978, als Mike Birch das Rennen mit 90 Sekunden Vorsprung auf "Olympus" gewonnen hatte, konnte sich Joyon nach packendem Flauten-Krimi rund um die Karibik-Insel Guadeloupe gegen Top-Favorit François Gabart auf "Macif" durchsetzen. Der 35-jährige Landsmann hatte das Rennen fast durchgehend angeführt und über weite Strecken auch dominiert. Am Ende aber tappte Frankreichs "Golden Boy" mit schwer angeschlagenem Boot in die Flautenfalle und musste Joyon passieren lassen.

Route du Rhum 2018

Der glückliche Rhum-Sieger Francis Joyon auf "Idec Sport"

Route du Rhum 2018

Feierten ihren packenden Final-Krimi zusammen auf der Bühne im Zielhafen Pointe-à-Pitre: Sieger Francis Joyon und der so knapp geschlagene François Gabart (r.)

Mit rotem Leuchtfeuer, viel Leidenschaft und begeisterten Fans: "Idee Sport"-Skipper Francis Joyon feiert den Rhum-Sieg

Nach Platz zwei im Jahr 2010 markiert der späte Triumph für den 62-jährigen Joyon den ersten Route-du-Rhum-Sieg bei seiner achten Teilnahme. "Der Rum von Guadeloupe ist das Symbol der Route du Rhum. Was für ein Geschmack. Nach so vielen Anläufen schmeckt er noch viel besser!", jubelte der unermüdliche Jäger Joyon im Ziel. "Ich habe erst eineinhalb Seemeilen vor dem Ziel bemerkt, dass ich das Rennen gewinnen kann. Es war ein außergewöhnliches Rennen. Ich freue mich für mein Boot, denn es gibt keine anderen Boote, die das Rennen dreimal gewinnen konnten. Und ich freue mich für mein Team! Wir sind ein kleines Team, haben aber zusammen ein Boot vorbereitet, das den Herausforderungen dieser Route du Rhum bis ins Ziel gerecht werden konnte. Wir haben das Ziel in gutem Zustand erreicht."

Route du Rhum 2018

Fast eine Minute lang hatte sich Sieger Francis Joyon sammeln müssen, bis er an Bord zu feiern begann und das traditionelle rote Siegerfeuer entzündete

Route du Rhum 2018

Die beiden schnellsten Rhum-Segler gratulierten sich noch im Hafen fair und respektvoll

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Man sieht ihm die Strapazen des bravourös gemeisterten, in diesem Jahr besonders brutalen Atlantik-Kurses an: Sieger Francis Joyon bei den ersten Interviews im Hafen von Pointe-à-Pitre

Joyon hat sich die Führung 24 Seemeilen vor dem Ziel in der berühmten Bucht Basse Terre erkämpfen können. Zuvor war der Ältere dem Jüngeren zwar stets auf den Fersen geblieben, aber während des Rennens auch bis zu 150 Seemeilen zurückgefallen. Eine Seemeile vor der Ziellinie vor Pointe-à-Pitre lagen die beiden Dreirumpfer gleichauf. Tausenden Zuschauern bot sich ein Finalkrimi, den man sich besser nicht hätte ausdenken können, bevor sich Jyons "Idec Sport" als Erste über die Linie schob, die "Line Honors" und den Klassensieg holte.

Im Ziel zeigte Joyon zunächst fast eine Minute lang keine Reaktion, musste diesen vielleicht süßesten Sieg seiner Karriere 30 Jahre nach seinem ersten Route-du-Rhum-Start erst verarbeiten, bevor er die roten Leuchtraketen zündete und wirklich feiern konnte. Mit einem Boot, das drei Tonnen schwerer ist als der imposante Foiler von Gabart, hat Joyon eine der härtesten Rhum-Auflagen in der Geschichte der "Königin der Transatlantik-Rennen" gewonnen. Die Vorliebe des Skippers für rustikale mechanische Systeme statt komplexer elektronischer Lösungen hat sich bezahlt gemacht. Zuvor war schon in der Anfangsphase der Regatta Mitfavorit Armel Le Cléac'h mit seinem futuristischen Trimaran "Banque Populaire IX" in stürmischen Winden gekentert. Auch Seb Josses "Maxi Edmond de Rothschild" hatte aufgeben müssen.

Der spanische Profi Alex Pella, Rhum-Gewinner in der Class 40 vor vier Jahren und Teil von Joyons Jules-Verne-Rekord-Crew, sagte: "Jungs wie Gabart sind aus Trainingsgemeinschaften heraus groß geworden und haben sichergestellt, dass sie das Beste von allem haben. Aber Francis hat alles selbst gelernt. Obwohl er ein Segler alter Schule ist, liebt er auch die Technologie dieser Boote. Er liebt das Rigg, die Segel und alles rund ums Foilen. Er hat Boote aus dem Nichts selbst gebaut, vor 40 Jahren und mit seinen eigenen Händen. Er hat überall in der Karibik gesegelt und in der ganzen Welt. Sein Team sind seine Tochter und sein Sohn und eine Handvoll Freunde. Im Vergleich zu 'Macif' und Gitana mit ihren Teams von Ingenieuren und Präparateuren macht Francis alles selbst. Oder mit seinen Freunden und seiner Familie."

Mit seinem Triumph stoppte Joyon die imposante Siegesserie des so knapp unterlegenen François Gabart. Der hatte erst in der Endphase des Rennens öffentlich gemacht, wie stark sein futuristischer Foiler "Macif" in den brutalen Auftakt-Bedingungen dieser Auflage gelitten hatte. Gabart beendete die Route du Rhum mit abgebrochenem Steuerbord-Foil, gebrochenem Backbord-Ruder und einer Reihe weiterer Probleme. Das berücksichtigt, ist seine Leistung auch dieses Mal von außergewöhnlicher Güte – trotz Platz zwei.

Route du Rhum 2018

François Gabart ließ sich das Feiern der erfolgreich bestrittenen Transatlantik-Regatta auch als knapp Geschlagener nicht nehmen

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Musste mit Rang zwei zufrieden sein und konnte im Zielhafen trotzdem noch lächeln: "Macif"-Skipper François Gabart

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Umschwärmter zweiter Sieger: François Gabart im Zielhafen

Tatjana Pokorny am 12.11.2018

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