SailGP

Slingsby dominiert "Demolition Derby" nach Briten-Crash

Bei seiner europäischen Premiere hat sich der von Russell Coutts und Larry Ellison etablierte SailGP erneut im gelb-grünen Kleid Australiens präsentiert

Tatjana Pokorny am 12.08.2019
SailGP 2019
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Die gastgebenden Briten konnten beim ersehnten SailGP im Heimatrevier vor Cowes nach Bruch im ersten Rennen nur noch zuschauen

Tom Slingsby und sein australisches Team bleiben das Maß der Dinge in der Premierensaison des SailGP. Mehr noch: Der Olympiasieger und America's-Cup-Gewinner und seine Crew haben als Erste die 50-Knoten-Grenze überboten und damit einen neuen Geschwindigkeitsrekord in der Profiliga auf dem modifizierten ehemaligen Cup-Katamaran aufgestellt. Am stürmischen Wochenende im Revier vor Cowes auf der Isle of Wight, wo der Circuit erstmals in europäischen Gewässern Halt machte, überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst musste der erste von nur zwei Renntagen am Samstag aufgrund zu stürmischer Bedingungen abgesagt werden. In immer noch 22 Knoten und mehr ging es dann am Sonntag in den verbleibenden drei von geplanten sechs Rennen zur Sache. Dabei dürfte in den Köpfen der Segler auch die eine Million US-Dollar Preisgeld mitgesegelt sein, die dem Saisonsieger schon bald beim Finale in Marseille winken.

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Hatte trotz Malheur im Training bei SailGP vor Cowes wieder alles im Griff: Olympiasieger und America's-Cup-Gewinner Tom Slingsby aus Australien

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Drei Rennen, drei Siege: Australien gewann den SailGP vor Cowes souverän

Die australischen Favoriten hatten es rechtzeitig geschafft, einen Schaden ihres Flügelsegels zu reparieren, den sie sich zuvor beim Training zugezogen hatten. Ein cleverer Deal mit den Franzosen hatte ihnen dennoch ein paar Stunden Trainingszeit auf dem Wasser beschert: Die Australier hatten auf der französischen SailGP-Yacht trainieren dürfen und das aufstrebende Team um den mehrfachen Nacra-17-Weltmeister Billy Besson im Gegenzug mit Übungseinheiten inklusive Slingsby an Bord unterstützt. Dennoch räumte Slingsby vor den Rennen ein, dass er aufgrund des Rückschlags "beunruhigt" sei – grundlos, wie sich herausstellen sollte.

Die Serie dramatischer Ereignisse nahm im Auftaktrennen am Sonntag an der ersten Wendemarke ihren Lauf. Gleich drei Boote drohten zu kentern, das amerikanische Team tat es tatsächlich: Dessen F50-Katamaran überschlug sich im Zeitlupentempo. Die Crew hatte dabei Glück im Unglück, konnte das Boot wieder aufrichten und an den weiteren Rennen des Tages teilnehmen. "Das Boot segelte nach der Kenterung definitiv nicht gut", erklärte US-Steuermann Rome Kirby, "aber wir konnten den Kurs immerhin absegeln."

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Gekentert, aber nicht aus dem Rennen: Rome Kirbys SailGP Team USA

Unglücklicher lief es für die Briten, die sich im SailGP zuletzt in aufsteigender Form präsentiert hatten und sich vor heimischem Publikum viel vorgenommen hatten. Auf dem vorletzten Kursabschnitt im ersten Rennen tauchten sie mit einem Bug tief ein. Dabei wurde "Flight Controller" Chris Draper in seinen Crew-Kameraden Stuart Bithell katapultiert und das Boot so sehr beschädigt, dass es an diesem einen Renntag nicht mehr einsatzfähig war. Billy Besson und seine Franzosen hatten zeitgleich ganz offensichtlich vom Slingsby-Coaching profitiert, die ihr bestes Saisonergebnis erzielten. "Das war gut für die Moral", so Besson vor dem anstehenden Showdown im Heimatrevier vor Marseille. Auch Phil Robertson und sein chinesisches Team erzielten in England mit Rang drei ihr bislang bestes Ergebnis. Doch das alles änderte nichts an der Dominanz der Australier, die alle drei Rennen mit großem Abstand gewannen.

Die Verlierer waren vor Cowes trotz Platz zwei Nathan Outteridge und sein japanisches Team. Die Japaner waren mit einem Punkt Vorsprung als Spitzenreiter in den englischen Grand Prix gestartet waren und haben nun vor der Entscheidung in Frankreich vier Punkte Rückstand. Die Chance, Slingsby in Frankreich noch zu schlagen, ist aber geblieben. "Wichtig wird es in Marseille sein, das finale Matchrace zu erreichen", so die Kampfansage von 49er-Olympiasieger und Slingsby-Kumpel Nathan Outteridge. "Ziel ist es, das Duell zu gewinnen. Es stimmt, wir haben die Australier hier nicht geschlagen. Aber wir haben unsere Führung vor den Amerikanern in der Gesamtwertung ausgebaut."

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Werden diese beiden Teams aus Australien und Japan im Matchrace-Finale des SailGP vor Marseille um eine Million US-Dollar Preisgeld segeln?

Endergebnis SailGP Cowes (England)
1. Australien, 1-1-1, 30 Punkte
2. Japan, 2-3-3, 25 Punkte
3. China, 3-2-4, 24 Punkte
4. Frankreich, 4-5-2, 22 Punkte
5. USA, 6-4-5, 18 Punkte
6. Großbritannien, 5-6-6, 14 Punkte

Gesamtklassement Saison 1 (nach vier Regatten)
1. Australien, 169 Punkte
2. Japan, 165 Punkte
3. USA, 123 Punkte
4. Großbritannien, 120 Punkte
5. China, 117 Punkte
6. Frankreich, 115 Punkte

Tatjana Pokorny am 12.08.2019

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