Offshore World Championship

Schwarz, Rot, Silber!

Zwei von neun WM-Medaillen haben die GER-Boote bei der Weltmeisterschaft der Seesegler vor Den Haag abgeräumt. "Outsider" und "Immac Fram" segelten aufs Podium

Tatjana Pokorny am 20.07.2018
Offshore Sailing World Championship 2018
Sander van der Borch / The Hague Offshore Sailing World Championship

Die deutschen Teams haben bei der Seesegel-Weltmeisterschaft vor Den Haag zweimal Silber geholt: Tilmar Hansens "Outsider"-Crew unterlag nur Karl Kwoks eingespieltem Profi-Team auf "Beau Geste" in der größten Klasse A, Kai Mares "Immac Fram" katapultierte sich am Finaltag noch auf den zweiten Platz in der kleinsten Klasse C. Michael Berghorns X-41 "Halbtrocken 4.0" dagegen hatte lange in Medaillenreichweite gesegelt, bevor sie am letzten Tag noch auf Platz fünf zurückfiel. Teilgenommen an der vom Gros der Teilnehmer hochgelobten Weltmeisterschaft hatten 85 Yachten aus 14 Ländern. Die inoffizielle Nationenwertung gewann Norwegen mit einmal Gold und einmal Silber in Klasse B. Es folgten die holländischen Gastgeber mit einmal Gold und einmal Bronze vor der doppelt versilberten deutschen Flotte. Estland und Schweden sicherten sich jeweils einmal Bronze.

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Starke Leistung von Tilmar Hansens "Outsider"-Crew: Die TP52 segelte beim ersten gemeinsamen Regattaeinsatz auf der vor vier Wochen erworbenen TP52 auf WM-Platz 2

Fast ein wenig überrascht und am Ende überglücklich war Tilmar Hansens Crew über den erkämpften zweiten Platz. Die 14-köpfige internationale Mannschaft bestritt erstmals eine Regatta mit der erst vor vier Wochen erworbenen und nach Deutschland geholten TP52 "Outsider". "Das kam alles ganz spontan zustande. Das ist Tilmars und meine Stärke", berichtete Bo Teichmann. Mit sehr erfahrener Crew und ohne "große Baustellen" fegte der Racer in zumeist idealen Bedingungen zur Begeisterung seines Eigners über die Kurse. Die Freude, sich mit einer America's-Cup-gestählten Crew wie der von Karl Kwok messen zu dürfen und immer wieder auch einmal vor der Elite-Crew um Gavin Brady zu liegen, war Tilmar Hansens Team anzumerken. Für die Organisation der WM, Hilfsbereitschaft und Service gab es nicht nur von der "Outsider" Bestnoten. "Diese WM war als Veranstaltung super organisiert. Die Gastgeber waren extrem hilfsbereit, haben immer wieder nachgefragt, ob sie noch etwas für die Teilnehmer tun können", erzählte Teichmann. "Dazu kamen die Bedingungen, die besser waren, als man es sich für die Nordsee vorstellen konnte. Alle Up&Downs haben in 10 bis 15 Knoten Wind stattgefunden. Das ist schon cool!"

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Wenn das keine Einladung zu einer gelungenen Weltmeisterschaft ist…

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Für die sehenswerten Bilder dieser Welttitelserie sorgte Fotograf Sander van der Borch

Einen kleinen Wermutstropfen brachte die Einteilung der Klassen mit sich. Das war vor allem auf der Auftakt-Langstrecke zu beobachten, auf der beispielsweise Ralf Lässigs XP-44 "Xenia" und auch die DK 46 "Tutima" mit Skipperin Kirsten "Kirsche" Harmstorf-Schönwitz im Vergleich zu den vorauspreschenden 52-Fußern keine Chance hatten, weil sie mit deutlich langsamerer Grundgeschwindigkeit in der angekündigten Flaute kleben blieben, die das Spitzentrio nie erlebte. In diesem Zusammenhang wären die Nachzügler besser in Gruppe B aufgehoben gewesen, weil die Geschwindigkeitsunterschiede schlicht zu groß waren. 

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Gordon Nickels "OneSpirit" verfolgt Anders Helmrichs "Chayenne"

In Klasse B dominierten in der erstmals in dieser Form bei einer WM angewendeten Mischwertung aus IRC- und ORC-Handicap die beiden norwegischen Yachten "Santa" und "White Shadow" vom Typ Landmark 43 vor der modifizierten X-41 "Olympic" aus Estland. Für Michael Berghorns Kieler-Woche-Siegerin "Halbtrocken 4.0" hatten die Welttitelkämpfe von Beginn an unter schwierigen Vorzeichen gestanden, denn die X-41 war bereits auf der Überführung nach Den Haag bei einer Grundberührung beschädigt worden. Mit Sonderschichten hatte das Team die Yacht zwar wieder in Form bringen können, doch mit dem Hängenbleiben an einer Bahnmake machte man sich das Leben im Endspurt selbst etwas schwerer als nötig. Mit Platz 5 unter 27 Yachten verteidigte Berghorns zehnköpfige Mannschaft mit Hansi Spitzauer und Mikkel Rossberg aber immer noch klar ihre Position als bestes Gruppe-B-Boot unter deutscher Flagge.

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Mit besten Segelgrüßen aus Den Haag…

In Gruppe C dagegen katapultierten sich die Kieler-Woche-Sieger auf der Italia 9.98 "Immac Fram" mit furiosem Endspurt noch auf den Silberrang. Nach schwachem Resultat am Vorschlusstag hatte sich das Team um Kai Mares am Abend vor dem Finale zusammengesetzt und selbstkritisch reflektiert. "Wir waren am vorletzten Tag nicht so fokussiert, eher wie die deutsche Nationalmannschaft, die sich die Bälle von rechts nach links hin- und herschiebt", sagte Kai Mares, "und wir hatten schon öfter das Problem, am letzten Tag einen rauszuhauen. Dieses Mal sollte das anders werden. Wir haben alle noch einmal Sport gemacht und unsere Vorsätze dann auch umgesetzt. Das hat was gebracht!" Rang 3 in der siebten und letzten Wettfahrt führte die "Immac Fram" direkt auf den zweithöchsten Podiumsplatz hinter Gideon Messings J/112 E "J Lance 12" und vor der schwedischen Sparring-Partnerin "Pro4You". Die dritten Trainingspartner auf "OneSpirit" von Gordon Nickel mussten bei der WM mit Platz 8 zufrieden sein.

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So eng ging es in den WM-Feldern vor Den Haag und Scheveningen oft zu

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Schöne Erinnerung an die Seesegel-Weltmeisterschaft 2018

Tatjana Pokorny am 20.07.2018

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