America's Cup

Schwappt die Cup-Welle nach Hawaii?

Alles nur Verhandlungsstrategie oder doch ein Plan mit pazifischem Finale? Die Cup-Verteidiger liebäugeln mit dem Surfer-Paradies Hawaii

Tatjana Pokorny am 11.03.2014
Larry Ellison

Mann mit unverändert großen Cup-Visionen: Larry Ellison

Am kommenden Wochenende soll es endlich so weit sein: Die Cup-Verteidiger haben die Veröffentlichung des langersehnten Protokolls für den 35. America's Cup angekündigt. Jüngstes Lieblingsthema der ausufernden Spekulationen über das Format der nächsten Cup-Auflage ist der Austragungsort. Mit dem Abdruck von Auszügen aus einem Buch der amerikanischen Autorin Julian Guthrie rückt erneut Hawaii ins Zentrum der Diskussionen.

Am liebsten dreht er selbst am Rad: Cup-Verteidiger Larry Ellison und seine Afterguard mit Russell Coutts (r.)

Anlass zur Veröffentlichung der Auszüge ist das Erscheinen des überarbeiteten und um die Inhalte der 34. Cup-Auflage sowie Ausblicke auf die nächste Auflage ergänzten Buchtitels "The Billionaire and the Mechanic" von Julian Guthrie. Die Autorin ist auch Redakteurin der US-Tageszeitung "San Francisco Chronicle", die mit den Auszügen die Debatte über den Austragungsort weiter anheizt.

Der Mann an den Schalthebeln der Macht: Oracle-Team-USA-CEO Russell Coutts

Während die Cup-Verteidiger offiziell weiter behaupten, dass der Auswahlprozess des Austragungsortes voraussichtlich noch bis zum Spätsommer 2014 andauern soll, wird der Gründer und Rennstallbesitzer von Oracle Team USA genüsslich mit seiner Vision vom nächsten America's Cup zitiert. Was durchaus als Werbung für die bearbeitete und ergänzte Neuauflage des Buches verstanden werden darf, gibt gleichzeitig einen Einblick in Ellisons Gedankenwelt, möglicherweise aber auch in sein Verhandlungsgeschick.

Ellison wird mit Blick auf das mögliche Cup-Revier vor Hawaii mit den Worten "Das ist so oder so der Plan" zitiert. Gleichzeitig versicherte Oracle-Team-USA-CEO Russell Coutts gegenüber der US-Nachrichtenagentur Associated Press, dass "ich zu diesem Zeitpunkt aufrichtig sagen kann, dass es noch keine Favoriten für den Austragungsort gibt". Der merkwürdige Doppelpass signalisiert vor allem eines: Es wird gepokert. Mit Ellisons Bekenntnis zu Hawaii soll sicher auch der Stadt San Francisco als widerspenstigem und finanziell klammem Verhandlungspartner einmal mehr klargemacht werden, dass Ellison und sein Oracle Team USA auch andere Austragungsorte in Erwägung ziehen. Der "Chronicle" glaubt sogar: "San Franciscos Chancen, den America's Cup im August 2017 auszutragen, scheinen so gut wie tot zu sein." Angeblich sind sogar auch Long Beach in Kalifornien und Newport auf Rhode Island im Rennen um die Austragungsrechte.

AC

Die Kanne will Larry Ellison behalten: Der Rennstallbesitzer von Oracle Team USA mit Tom Slingsby (l.), James Spithill (2. v. l.) und Olympia-Star Ben Ainslie, der gerade in London verkündete, dass sein eigenes britisches Cup-Team auf gutem Weg sei

Die Vorliebe Ellisons für Hawaii hat einen guten Grund: Der Software-Milliardär hat 2012 98 Prozent der Pazifik-Insel Lanai in der Nachbarschaft Hawaiis erworben und Millionen US-Dollar in zwei Resorts investiert. Doch Lanai selbst eignet sich nicht für die Rennen mit 60-Fuß-Katamaranen, die für den 35. America's Cup angedacht sind. Zu hohe Wellen zwischen der Insel und Maui sprechen laut Experten dagegen.

In den Auszügen aus dem Buch, das demnächst auch in deutscher Übersetzung im Delius Klasing Verlag erscheint und bereits vorbestellt werden kann, sagt Ellison, dass er für den kommenden Cup zwölf Teams erwartet, die in eine atlantische und eine pazifische Division aufgeteilt werden sollen. Zur pazifischen Division soll dann nach Ellisons Vorstellungen neben Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweden und der Schweiz sogar ein deutsches Team gehören, das nach aktuellen YACHT-Recherchen aber zurzeit eher dem Wunschdenken des Software-Milliardärs als realen Fakten zuzuordnen ist. Für die pazifische Division setzt Ellison auf Teams aus Australien, China, Japan, Korea, Neuseeland und Amerika.

Bleiben sollen für die geplanten Vorregatten unter dem Arbeitstitel "America's Cup World Series" die bewährten 45-Fuß-Katamarane, in denen für 2015 und 2016 Regatten rund um den Globus geplant sind. Die Sieger beider Divisionen, die laut Ellison möglicherweise mit Finalregatten in Rom (atlantische Division) und Schanghai (pazifische Division) ermittelt werden könnten, würden sich dann vor Hawaii zum Showdown treffen und dort um das Recht zur Herausforderung der amerikanischen Verteidiger segeln.

Das klingt alles recht hübsch. Doch auch vor dem 34. America's Cup hatten dieselben Verteidiger hochfliegende Pläne und träumten von bis zu 16 teilnehmenden Teams für ihre vorgeschaltete Weltserie und bis zu zwölf Teams für die Herausfordererrunde zum America's Cup. Geblieben war von der Vision am Ende wenig. Es segelten nur drei Mannschaften um den Louis Vuitton Cup, der mit dem Unfalltod des britischen Olympiasiegers Andrew "Bart" Simpson seinen tragischen Höhepunkt erlebte. Spannend wurde der America's Cup erst im Finale, als die Verteidiger aus einem scheinbar aussichtslosen 1:8-Rückstand noch einen 9:8-Sieg machten. Anschließend gelobten CEO Russell Coutts und sein Team, dass sie ihre Lehren aus den Vorfällen gezogen hätten. Nun müssen sie ihren Worten Taten folgen lassen.

Tatjana Pokorny am 11.03.2014

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