Brest Atlantiques

Schnell, schneller, Gitana: in 29 Tagen um die halbe Welt

Charles Caudrelier und Franck Cammas haben die Premiere des neuen Trimaran-Regattagipfels Brest Atlantiques mit "Maxi Edmond de Rothschild" gewonnen

Tatjana Pokorny am 04.12.2019
Brest Atlantiques 2019
Brest Atlantiques

Brest Atlantiques: Charles Caudrelier und Franck Cammas haben die Premiere auf "Gitana 17" gewonnen!

17.083 Seemeilen über Grund in 28 Tagen, 23 Stunden, 24 Minuten und 46 Sekunden! Mit diesem imposanten Ergebnis absolvierten Charles Caudrelier und Franck Cammas den Kurs des Trimaran-Regattagipfels Brest Atlantiques auf ihrem Trimaran "Maxi Edmond de Rothschild". Die neue Muskelschau der Giganten führte aus Brest durch Nord- und Südatlantik, vorbei an Wegepunkten vor Rio de Janeiro und Kapstadt und zurück in den Start- und Zielhafen. Vorab-Prognosen waren von einer Rennzeit von rund 30 Tagen ausgegangen. Dass Team Gitana es trotz einer Kollision und eines Pitstops noch etwas schneller schaffte, spricht für die Qualität von Mannschaft und Mehrrumpfer. Ihre "Maxi Edmond de Rothschild" kreuzte die Ziellinie am Mittwochmorgen um 10.24 Uhr deutscher Zeit. Der Triumph der Vorstart-Favoriten gelang mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,7 Knoten!

Brest Atlantiques 2019

Angemessenes Empfangskomitee für "Gitana 17" auf dem Weg in den Start- und Zielhafen Brest

Brest Atlantiques 2019

Favoritensieg: Sogar "Macif"-Rivale François Gabart hatte dem Gitana-Team mit den Co-Skippern Charles Caudrelier und Franck Cammas sowie Anbord-Reporter Yann Riou vor Rennbeginn mit 40 Prozent die besten Siegaussichten eingeräumt

Diese Bilder entstanden schon vor dem Rennen und zeigen "Maxi Edmond de Rothschild" in Aktion

Für die beiden französischen Co-Skipper und Jugendfreunde markiert der Sieg den ersten gemeinsamen Erfolg im von Ariane und Benjamin de Rothschild gegründeten Rennstall Gitana. Die beiden Volvo-Ocean-Race-Gewinner Caudrelier und Cammas stießen erst vor sieben Monaten zum prominenten Team. Binnen eines halben Jahres sorgten die beiden komplementären Charaktere in Zusammenarbeit mit dem legendären niederländischen Wetter-Router Marcel van Triest und der eingespielten Landmannschaft dafür, dass ihr Boot die Prüfungen dieses ersten reinen Trimaran-Showdowns mit Bravour bestand.

Zur Erinnerung die brutalen Szenen vom Starttag vor einem Monat

Schon der Start des Trimaran-Quartetts in die mit Spannung erwartete Premiere bleibt unvergesslich. Erst musste er aufgrund eines Sturms vom 3. auf den 5. November verschoben werden, dann sah man die Geschosse trotzdem noch in 30 Knoten Wind und bis zu fünf Meter hohen Wellen über die Chaussée de Sein davonbrettern. In der Beschreibung von Gitanas Anbord-Reporter Yann Riou klang das vor einem Monat so: "Ich habe so eine See seit dem Südpazifik im letzten Volvo Ocean Race nicht mehr erlebt. Sie ist unberechenbar." Noch am ersten Abend ließen die Giganten der Meere, deren Flotte zunächst "Macif" mit François Gabart und Gwénolé Gahinet anführte, nach einem rauschenden Ritt durch die Biskaya Kap Finisterre hinter sich. Am 8. November kollidierte "Maxi Edmond de Rothschild" mit einem sogenannten "Ufo", einem nicht näher identifizierten, im Wasser treibenden Objekt. Dabei wurde die Oberfläche eines Foils beschädigt. In der brasilianischen Bucht von Bahia gelang später die notwendige Reparatur binnen zwölf Stunden – eine Meisterleistung des Teams auf dem Wasser und an Land. Die Rivalen auf "Macif" benötigten später statt der erhofften drei, vier Stunden fast einen Tag, um ihr infolge einer Kollision beschädigtes zentrales Ruder auszutauschen. 

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Charles Caudrelier in der kleinen Kapsel von "Maxi Edmond de Rothschild"

Etwa zu der Zeit geschah etwas auf den ersten Blick Merkwürdiges: Die führende "Sodebo Ultim", inzwischen an den reparierenden Teams vorbeigezogen und auf südöstlichem Kurs schon weiter in den Südatlantik vorgedrungen, kehrte um. Skipper Thomas Coville wollte sein Boot vor den brutalen Wind- und Wellenbedingungen schützen. Franck Cammas konstatierte: "Es sind die Umstände unserer Gegner, die es uns erlaubt haben, wieder die Führung zu übernehmen."

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Ein nachdenklicher Franck Cammas im Dämmerlicht

Auf Kurs Kapstadt bekam es die Flotte im weiteren Verlauf des 3000-Seemeilen-Abschnitts zwischen Brasilien und Südafrika noch mit einer zweiten heftigen Front zu tun. Cammas kommentierte: "Wir müssen diesen Wind aus Nordost aushalten. Er lässt uns nur langsam vorankommen, und er generiert vor allem eine See, in die wir geradezu hineinhämmern. Das ist für die Männer und das Boot sehr unangenehm." Das Verdier-Design "Maxi Edmond de Rothschild" aber kam besser durch als die Konkurrenz. Was auch daran lag, dass Gitana längere "Flugzeiten" auf den Foils zu verzeichnen hatte.

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Ein seltener Moment für die eigene Pflege: Charles Caudrelier schaut mal schnell in den "Spiegel"

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Als Team zumindest auch bei dieser Premiere unschlagbar: Franck Cammas am Grinder, Charles Caudrelier dahinter

Zwar konnten die Verfolger Cammas und Caudrelier bei deren mühsamer Navigation rund um das St.-Helena-Hoch noch einmal näherkommen und ihren Rückstand deutlich verkürzen, doch dann ereilte "Sodebo Ultim" infolge einer "Ufo"-Kollision ein schwerer Schaden am Steuerbord-Rumpf. Thomas Coville, sein Co-Pilot Jean-Luc Nélias und das Team mussten das Rennen nach genauerer Untersuchung im Reparaturhafen Kapstadt aufgeben. Auf dem Weg den Atlantik wieder hinauf nach Brest verteidigten der 45-jährige Charles Caudrelier und der 46-jährige Franck Cammas ihre Führung im finalen Abschnitt auf ihrem auch als "Gitana 17" bekannten Trimaran souverän bis ins Ziel.

Das Erfolgsrezept? Zum einen gilt "Gitana 17" nach mehr als zweijähriger Entwicklungsarbeit als Messlatte in der Ultim-Klasse, war der erste Trimaran, der speziell fürs "Offshore-Fliegen" konstruiert wurde. Zum anderen sind ihre "Bändiger" extrem versiert und im Zusammenspiel zwischen dem brillianten Technik-Hirn von Cammas und der intuitiven Herangehensweise von Caudrelier außerordentlich erfolgreich.

Hier geht es zu Ergebnissen, Zwischenständen und weiteren aktuellen Nachrichten rund um das Brest Atlantiques.

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Kritischer Blick trotz guter Aussichten: Franck Cammas

Tatjana Pokorny am 04.12.2019

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