Regatta

SailGP-Premiere in Sydney: Slingsby ist der Boss im Ring

Gelungener Auftakt zum neuen SailGP in Down Under: Nach wackligem Start dominierten die Australier das Feld vor heimischem Publikum. Aber Japan führt

Tatjana Pokorny am 15.02.2019
SailGP 2019
SailGP

Premiere in Sydney: Der neue SailGP hat begonnen, und die Australier feiern zwei Tagessiege

Es kam zum Auftakt der neuen Profiserie SailGP wie von den Experten erwartet: Zwei Australier und ihre Teams ringen im Sydney Harbour an der Spitze des Feldes um den ersten Saisonsieg. Nach den ersten drei Rennen liegt die japanische Crew von 49er-Olympiasieger Nathan Outteridge mit 28 Punkten knapp vor der australischen Mannschaft um Laser-Olympiasieger und America's-Cup-Gewinner Tom Slingsby (27 Punkte). Aber: Slingsbys Team konnte nach Rang vier in der ersten Wettfahrt zweimal siegen und dabei jedes Mal die Japaner auf Rang zwei verweisen. Prompt kam danach die Kampfansage des an diesem Freitag herausragend agierenden Slingsby in Richtung seines Rivalen Outteridge: "Ich habe natürlich immer ein Auge auf Nathan. Es liegt nicht mehr in seinen Händen, sondern in unseren. Wenn wir performen, dann schlagen wir ihn auch."

Die Szene aus dem dritten Rennen des Tages zeigt die Dominanz der Australier, die zwar mit Rang vier nur mittelmäßig in die SailGP-Premiere starteten, es dann aber mit zwei Rennsiegen krachen ließen und ihre Siegambitionen deutlich unterstrichen

SailGP 2019

"Architekt" und Veranstalter des neuen SailGP: der fünfmalige America's-Cup-Gewinner Russell Coutts

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Die F50-Flotte bei der SailGP-Premiere in Sydney

In sehr leichten Winden blieben dramatische Duellszenen in der Flotte der sechs Boote zunächst aus. Die rasenden F50-Katamarane erreichten aber auch in der Sommerbrise bei 26 Grad Lufttemperatur bis zu 30 Knoten Geschwindigkeit. Dabei zog sich das Feld vor allem im dritten Durchgang des Tages extrem weit auseinander. Deutlich sichtbar wurde, welche Steuerleute und Segler mit mehr Erfahrung am Start waren und welche Teams bei dieser Grand-Prix-Serie im Kampf um eine Million US-Dollar für den Saisonsieger noch viel Nachholbedarf haben. So gelang der französischen Equipe um den hochtalentierten Nacra-17-Steuermann Billy Besson zwar zwei herausragende Starts. In der Endabrechnung aber fand sich sein Quintett mit der französischen Weltseglerin des Jahres Marie Riou am Abend des ersten Renntages zunächst nur auf dem sechsten und letzten Platz wieder. Ein Frühstart und eine Reihe von Manöver-Patzern haben die teilweise guten Leistungen wieder relativiert.

Marie Riou über ihre Rolle im neuen SailGP und ihre Hoffnung, nicht lange die einzige Frau im erlesenen Teilnehmerfeld zu bleiben

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Das französische Team um Steuermann Billy Besson und Taktikerin Marie Riou (Bild) zahlte zum Auftakt viel Lehrgeld, konnte sich mit zwei starken Starts aber auch gut in Szene setzen

Die Übertragung der Rennen, die auch deutsche Fans via SailGP-App am frühen Freitagmorgen live verfolgen konnten, ließ nur wenig Wünsche offen: Mit schnell wechselnden Kamera-Einstellungen und Perspektiven, gelungener Regie, guten Anbord-Aufnahmen inklusive Ton, einem erfahrenen Moderatoren-Trio um Doppel-Olympiasiegerin Shirley Robertson und vielen grafischen Elementen und Animationen sorgten die Veranstalter für gute Unterhaltung. Diese dürfte im Verlauf der Saison noch besser werden, wenn die Leistungsdiskrepanz zwischen den Teams schwindet. Am deutlichsten wurde sie bei der Premiere im dritten Rennen, in dem die siegreichen Australier die Ziellinie des kurzen Rennens mit sechs Kursabschnitten und Kursbegrenzungen nach nur 15 Minuten und 59 Sekunden erreichten und dabei den Chinesen mit Steuermann Phil Robertson sogar eine ganze Runde abgenommen hatten. Robertsons Team hatte im ersten Rennen des Tages mit Rang zwei aufhorchen lassen, kam aber im dritten Durchgang erst knapp vier Minuten nach den Australiern ins Ziel.

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Nach den ersten drei Wettfahrten liegt das China SailGP Team von Steuermann Phil Robertson auf Platz fünf

Der Blick aufs Zwischenklassement birgt keine großen Überraschungen: An der Spitze tobt das erwartete Duell zwischen dem auf diesen Booten erfahrensten Steuermann Nathan Outteridge (Japan SailGP Team) und dem entschlossenen Tom Slingsby (Australia SailGP Team). Im Mittelfeld ringt Großbritannien mit Steuermann Dylan Fletcher, den Reporterin Robertson einen "Street Fighter" nannte, mit dem amerikanischen Team um Rome Kirby. Auf den hinteren Rängen kämpfen mit der geringsten Erfahrung das China SailGP Team und Frankreich um den Anschluss. 

Der Zwischenstand nach drei Rennen:

  1. Japan (Nathan Outteridge), 28 Punkte
  2. Australien (Tom Slingsby), 27 Punkte
  3. Großbritannien (Dylan Fletcher), 20 Punkte
  4. USA (Rome Kirby), 20 Punkte
  5. China (Phil Robertson), 19 Punkte
  6. Frankreich (Billy Besson), 19 Punkte
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Nach den ersten drei SailGP-Wettfahrten mit zwei Rennsiegen zwar nicht nach Punkten, aber nach Ansicht vieler Beobachter der Tagessieger: Tom Slingsby, der den Rennkurs von seinem Haus in Sydney aus bestens überblicken kann und im Heimathafen einen starken Auftritt hinlegte

Tatjana Pokorny am 15.02.2019

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