Match Race Germany

Routiniers zähmen die Jungen Wilden

Tomislav Basic und sein kroatisches TB Race Team haben das 18. Match Race Germany gewonnen. Eric Monnins Team SailBox segelte auf Platz zwei

Tatjana Pokorny am 25.05.2015
Match Race Germany 2015

Die Kroaten um Skipper Tomislav Basic (vorne) hatten das Schweizer SailBox-Team in allen drei Finalrennen gut im Griff

Im Finale des 18. Match Race Germany schlug die Stunde der Routiniers. Mit dem 40-jährigen Kroaten Tomislav Basic und dem 39-jährigen Schweizer Eric Monnin trafen die zwei erfahrensten Matchracer im Feld der zwölf Teams aus zehn Ländern aufeinander und bewiesen einmal mehr, wieviel Gewicht die Erfahrung im Segelsport hat. Zuvor hatten beide ihre rund zwei Jahrzehnte jüngeren Gegner im Halbfinale souverän ausgeschaltet. 

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Strahlende Sieger des 18. Match Race Germany: Tomislav Basic und sein TB Race Team aus Kroatien

Den Sieg im deutschen Duellsegel-Klassiker sicherten sich im Finale die Kroaten mit 3:0 gegen die Eidgenossen. Das TB Race-Team hatte am Freitag die besseren Antworten auf die Leichtwind-Herausforderungen auf dem publikumsfreundlichen Kurs direkt vor dem Langenargener Ufer. Viele Tausend Fans erlebten live am und auf dem Wasser, wie die Kroaten die Schweizer konsequent in Schach hielten. Dafür gab es im Anschluss Standing Ovations und La-Ola-Wellen. Basic und seine Männer genossen das Bad in der Menge. Anschließend erklärte der Skipper sein Erfolgsrezept: "Wir haben schon am ersten Tag der Regatta teilweise schmerzhaft gelernt, dass Siege bei dieser Windrichtung nur über die linke Kursseite führen. So war es auch heute. Damit war klar, dass es vor allem darum ging, die Starts und diese linke Seite zu gewinnen. Das war heute wesentlich wichtiger als Bootsspeed oder Manöver. Wir haben uns sehr darauf konzentriert, und es ist uns gut gelungen."

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Die Freude von Skipper Tomislav Basic (l.) war nicht nur auf diesem Bild überschäumend. Basic lobte vor allem das "fantastische Publikum"

Auch der am Vortag noch so souverän und ungeschlagen agierende Eric Monnin wusste, dass die Duelle sich im Kampf um die bevorzugte Kursseite entscheiden würden, hatte dem aggressiver segelnden Gegner aber nichts entgegenzusetzen. "Uns war am Vortag noch alles gelungen. Im Finale heute leider nicht. Wir konnten Tomislav nicht genügend Druck machen, waren zu wenig präzise." Dabei hatte Basic genau diese Eigenschaft zuvor an Monnin gelobt: "Eric und sein Team stehen aus meiner Sicht für Schweizer Präzision. Damit rechnen wir im Finale." Doch Monnin konnte auf dem Höhepunkt nicht noch einmal so glänzen wie in den Vorschlussrunden, agierte zu defensiv und sagte: "Bei uns haben sich ein paar Unsicherheiten eingeschlichen. Und wir haben die linke Seite einfach nicht gewinnen können, sie schon in den Starts verloren. Die haben wir heute nicht gut gemacht." Trotzdem war Platz zwei das beste Resultat, dass Monnin im Match Race Germany bislang ersegelt hat.

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Hatte seinen Kontrahenten Monnin im Finale gut im griff: Skipper Tomislav Basic

Das kleine Finale gewann das dänische Aschenbrenner Racing Team mit 2:0 gegen das australische Team Redline Racing. Das Duell zwischen den Crews der beiden Jungen WIlden – dem 21-jährigen Joachim Aschenbrenner aus Nivå bei Kopenhagen und dem 22-jährigen australischen Matchrace-Weltmeister Matthew Jerwood war heiß umkämpft. Doch Aschenbrenner hatte nach seinen beiden Kollisionen und dem verlorenen Halbfinale vom Vortag seine Konzentration wiedergewonnen und entschied das Duell für sich.

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Faire Verlierer: Eric Monnin und sein Team segelten auf Platz zwei im Match Race Germany

Der Schlusstag hatte dem deutschen WM-Lauf der World Match Racing Tour zunächst eine hartnäckige Flaute beschert. Doch schließlich konnten Wettfahrtleiter Rudi Magg und sein Team vom ausrichtenden Yacht-Club Langenargen die Finalisten auf den See schicken und wurden wie die Fans für ihre Geduld belohnt. Die Boote kamen dem Langenargener Landungssteg und dem mit Tausenden Zuschauern besetzten Ufer oft bis auf wenige Meter nah und sorgten für Gänsehaut-Stimmung an Land.

Insgesamt waren über fünf Tage rund 25 000 Besucher in das internationale Regattadorf im Langenargener Gondelhafen geströmt. Das Segelfestival hatte sich nach verregnetem Auftakt an den Pfingstfesttagen zum Publikumsschlager gesteigert. Erfolgreichste deutsche Mannschaft war das Team um den Konstanzer Tino Ellegast, das erst im Viertelfinale ausschied und Platz fünf unter den insgesamt zwölf Teams aus zehn Ländern erkämpfte. In den Großen Preis von Deutschland war der 35-jährige Ellegast, der auch in der Segel-Bundesliga mit starken Leistungen auf sich aufmerksam macht, mit seinem Club-Kameraden Arne Gülzow unter der Flagge des Konstanzer Yacht-Clubs gestartet. Dazu hatte sich Ellegast mit Felix Diesch, Max Rieger und Thosi Stemmer Verstärkung vom Württembergischen Yacht-Club ins Boot geholt. Mit den Leistungen seiner Crew war Ellegast mehr als zufrieden: "Wir zählten auf dem Papier zu den schwächsten Teams, konnten uns aber als Gesamt-Fünfte im Profifeld sehr gut behaupten. Sie nun gleich alle zu schlagen, wäre aber auch merkwürdig gewesen. Der FC Konstanz gewinnt ja auch nicht einfach mal so eben gegen Bayern München."

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Spanndende Duelle vor Schloss-Kulisse

Das 19. Match Race Germany findet 2016 wieder über Pfingsten statt. "Die Arbeit dafür beginnt morgen", sagte Organisationsleiter Harald Thierer, "wir sehen der nächsten Auflage mit viel Vorfreude entgegen und sind stolz auf unser Team und unsere Partner: Das war eine Wonnewoche."

Hier geht es zu den Ergebnissen

Tatjana Pokorny am 25.05.2015

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