Round Britain Race

Rock'n'Roll rund Großbritannien

Lust und Frust liegen im Round Britain and Ireland Race eng beisammen: Jens Kellinghusens "Varuna" führt, "Stella Nova" musste beidrehen

Tatjana Pokorny am 13.08.2014
Round Britain Race 2014

Jens Kellinghusens "Varuna" segelt auf Siegkurs

Der Klassiker Round Britain and Ireland wird seinem rockigen Ruf einmal mehr gerecht: In stürmischen Winden jagen die Yachten rund ums Vereinigte Königreich. Sidney Gavignets Rekordbrecherin "Musandam – Oman Sail" segelt weiter auf Siegkurs. Die Mod 70 wird bereits am Donnerstagvormittag im Ziel erwartet. Kommt sie heil durch die stürmische See, dürfte sie den Rekord, den "Banque Populaire 5" 2011 mit drei Tagen, drei Stunden, 49 Minuten und 14 Sekunden aufgestellt hat, um einige Stunden nach unten drücken und locker knacken. Der amtierende Rekordinhaber Loïck Peyron hat bereits reagiert und ließ fair verlauten: "Rekorde sind dazu da, geschlagen zu werden. Es wäre eine Ehre, von so einem großartigen Team unterboten zu werden."

Dabei hat der französische Skipper Gavignet nicht nur die neue fabelhafte Bestzeit im Auge: "'Musandam – Oman Sail' ist ein fantastisches Werkzeug, um junge, neue Hochseesegler auszubilden. Mit Kraft, Geschwindigkeit und dem scheinbaren Wind sind alle Elemente beisammen, die man zum Training von Big-Boat-Seglern braucht."

Nicht mehr im Rennen ist seit Dienstagnachmittag die so stark gestartete Class 40 "Stella Nova" von Burkhard Keese, der sich mit Ryan Breymeier einen erfahrenen Profi an Bord geholt hatte. Eine heftige Welle hatte das Boot am Dienstagnachmittag so unglücklich getroffen, dass die Mannschaft das Rennen mit Verdacht auf Strukturschäden aufgeben und ablaufen musste. Dabei steht das Team, dem auch Burkhard Keeses 15-jähriger Sohn Max angehört, unter Fernbeobachtung der niederländischen Küstenwache. Vor dem Aus für das dynamische Quartett auf "Stella Nova" hatte Ryan Breymeier ausführlich über die Herausforderungen auf See geschrieben: "Die ersten 24 Stunden waren ein wilder Ritt auf 'Stella Nova', und der Spaß ist noch nicht vorbei." Da konnte Breymeier noch nicht wissen, dass der Spaß früher vorbei sein würde als erhofft. Breymeier schrieb weiter: "Die Moral an Bord ist gut. Wir haben zwei Wachen: Skipper Burkhard mit Alex und ich mit Max. Max macht sich wirklich gut. Er hat vorher schon einige Hochseestrecken gesegelt und segelt zu Hause in Deutschland F18. Der ist keiner, der sich rumlümmelt ..."

Round Britain Race 2014

Ian Walker und sein "Azzam"-Team führen die Volvo-Flotte im Rennen um England und Irland an

Die Flotte der Volvo-Ocean-65-Yachten führen weiterhin der britische Skipper Ian Walker und sein Team auf "Azzam" an. Mit der kleinen entlegenen Insel Sula Sgeir passierte Walkers Mannschaft am Mittwochmorgen die Halbzeitmarke des Rennens. Walker erklärte die Gründe für die Dominanz seines Teams in einem Telefonat von Bord: "Die entscheidenden Faktoren in diesem Rennen waren bislang die Auswahl der Segelgarderobe und das Timing der Segelwechsel. Natürlich muss man auch den richtigen Kurs wählen. Alles hängt zusammen: Wohin du segelst und welche Segel du setzen willst. Dann kannst du dich darauf konzentrieren, das Gaspedal durchdrücken."

Die Rote Laterne des Schlusslichts in der Flotte der Volvo-Yachten hängt weiterhin im Heck der SCA-Frauenmannschaft, die am Mittwochmittag mehr als 100 Seemeilen Rückstand auf Spitzenreiterin "Azzam" hatte. Nach berechneter Zeit betrug die Differenz zwischen "Azzam" und "SCA" knapp acht Stunden. Mit einem derartigen Leistungsunterschied hatten nach der langen Trainingsphase der Frauenmannschaft nicht alle Experten gerechnet. Zumindest ein Teil davon dürfte den stürmischen Bedingungen und den damit einhergehenden höheren physischen Belastungen geschuldet sein.

Round Britain Race 2014

Werner Landwehrs "Dessert D'Alcyone"

Dass Jens Kellinghusens "Varuna" im vom Eigner mit viel Freude herbeigesehnten britischen Regattaklassiker eine gute Figur abgeben würde, ist jedoch keine Überraschung. Die bei Knierim in Kiel gebaute schwarze Ker 51 erfüllt die in sie gesetzten Hoffnungen: "Varuna" führt in der IRC-Gesamtwertung zur Halbzeit mit rund acht Stunden Vorsprung nach berechneter Zeit vor vier britischen Yachten. Kellinghusen hatte das Rennen im Vorwege als "unseren Berg für 2014" beschrieben. Es sieht so aus, als könnte es nach einigen zweiten Plätzen bei großen Klassikern der überfällige Gipfelsturm werden. Mit "Varunas" Zieldurchgang ist nach aktuellem Stand am 16. August gegen Abend zu rechnen.

Die "Haspa Hamburg" liegt auf Platz acht, die "Bank von Bremen" auf Platz zehn, und Werner Landwehrs "Dessert D'Alcyone" ist 14. Landwehr ist mit 71 Jahren einmal mehr der erfahrenste Skipper im Rennen. Die britischen und irischen Gewässer faszinieren den Bremer Reprografen. Landwehrs Rezept für Fitness und Regattaspaß: "Die Zeit vergeht so schnell, dass ich keine Zeit zum Altwerden habe."

Tatjana Pokorny am 13.08.2014

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online