Regatta

Prominenter Rekordsegler startet bei der Baltic 500

2018 sorgte Szymon Kuczyński mit seiner Nonstop-Weltumsegelung auf einem 22-Fuß-Boot für Furore. Jetzt geht er das Ostsee-Rennen an – wieder mit einem Winzling

Leo Walotek-Scheidegger, Uwe Janßen am 23.05.2019
Szymon Kuczynski
YACHT / L. Walotek-Scheidegger

Weltrekordler Kuczyñski bei der Ankunft in Plymouth

Im vergangenen Jahr vollendete der Pole Szymon Kuczyński eine spektakuläre Weltumrundung. Innerhalb von 270 Tagen segelte er seine 6,36 Meter kurze „Atlantic Puffin“ nonstop rundum von und nach Plymouth (YACHT 13/2018). Das war noch nie in einem solch kleinen Boot gelungen. 

Am 30. Mai beginnt eine neue Herausforderung für den 39 Jahre alten Polen: Er startet bei der Zweihand-Regatta Baltic 500 von Kiel ins Kattegat und retour. Aber ist das für einen wie ihn wirklich eine Herausforderung? Oder eher nur ein Spaß am Rande? Die YACHT hat vor dem Start mit ihm gesprochen. 

Szymon Kuczyński

Rekordsegler Szymon Kuczyński

Herr Kuczyński, Sie haben mit Ihrer Maxus 22 auf der Runde um die Welt 29.044 Seemeilen geloggt – da dürften Sie der 500-Meilen-Schleife auf der Ostsee sehr entspannt entgegensehen.

Nein, die Baltic 500 darf nicht unterschätzt werden. Es ist ein schwieriges und ermüdendes Rennen. Seine Problematik lässt sich gut am Beispiel der Leichtathletik verdeutlichen. Die Baltic 500 ist eine Art 100-Meter-Sprint, die Weltumsegelung ein Marathon. Die Ansprüche sind zwar andere, aber sie sind nicht geringer. Bei kürzeren Segelrennen muss man in relativ kurzer Zeit immer alles geben, bei längeren Törns kommt es eher auf einen guten Rhythmus an, auf eine funktionierende Routine. Dieser Aspekt fällt bei der Baltic 500 komplett aus. Dafür wird es stressig. Erstens körperlich, weil ständig voller Einsatz nötig ist, aber auch navigatorisch wegen all der Strömungen, Inseln, Fahrwasser.

Sie gehen die Zweihand-Regatta mit ihrem Mitsegler Marek Stańczyk an. Wie stellt sich für Sie als Einhand-Experte das Segeln im Team dar?

Das ist kein Problem. Mit Marek bin ich schon früher hier und da gesegelt. Unterschiedliche Projekte führten uns dann in andere Richtungen, wir behielten uns jedoch im Auge. Ich bin froh, ihn für das Rennen begeistert zu haben; er ist wirklich ein sehr guter Skipper und einer der am höchsten qualifizierten Segler Polens. Wir bringen somit unterschiedliche Schwerpunkte und Fähigkeiten aus den Erfahrungen der letzten drei Jahre zusammen. Das kann eine tolle Kombination ergeben.

Szymon Kuczynski

Gemeinsam rundum: der Skipper und sein kleines Boot

Und das Boot? In der Startliste steht da nur „N.N.“, es heißt, es sei ein Prototyp.

Es ist tatsächlich ein Prototyp, den polnische Segler schon drei-, viermal benutzt haben. Da es jedoch nicht in die Serienproduktion aufgenommen wurde – dafür ist die Werft zu klein –,  blieb es beim Prototyp. Er ist leider kein Neubau und somit auch nicht auf dem allerneuesten Stand. Deshalb wäre ein zu ambitioniertes Herangehen auch fehl am Platze, dafür sind die Möglichkeiten des Bootes doch zu begrenzt.

Wie groß ist es?

Riesig (lacht)! Es ist sage und schreibe 14 Zentimeter länger als meine „Atlantic Puffin“ und natürlich auch etwas breiter. Im Bordalltag machen sich 14 Zentimeter aber kaum bemerkbar. Und weil wir jetzt zu zweit drauf sein werden, schrumpft die private Komfortzone. Auf meinem 22 -Fußer hatte ich mehr Platz für mich.

Wie sieht Ihr Alltag aus nach dem spektakulären Einhand-Nonstop-Törn um die Welt?

Im Grunde genommen bin ich permanent unterwegs. Es gibt sehr viele Termine, die mit der Ausstattung des neuen Bootes zusammenhängen, aber ich segele auch sehr oft. Mein Kalender wird immer ausgefüllter. Wenn ich es richtig überlege, werden, wenn überhaupt, meine Klamotten erst im September richtig trocken.

Sie haben 2018 den renommierten TO-Preis der Hochseesegler-Vereinigung Trans-Ocean erhalten. Erfahren Sie darüber hinaus noch Anerkennung für Ihre Leistung?

Segeln ist in Polen nicht so populär und so respektiert wie in Deutschland. Medien schmücken gern ihre Berichte mit der Landesflagge, wenn man Erfolg hat, ja, aber darüber hinaus ist es schwierig, die Liebe hält sich in Grenzen. Das gilt leider auch für die Unterstützung von Unternehmen. Ich kann mich zwar nicht sonderlich beschweren, was Ausrüstung angeht, aber ansonsten ist es eher flau mit der Finanzierung von Segelprojekten. Dabei generieren alle Rennen hohe Kosten. Da beneide ich durchaus meine deutschen Freunde – selbst, wenn auch sie für ihre Träume hart arbeiten müssen. Den Trans-Ocean-Preis halte ich übrigens hoch in Ehren. Er ist für mich auch ein Zeichen dafür, dass mich die deutschsprachige Szene wahrnimmt und schätzt.

Welche Rennen wollen Sie in diesem Jahr noch bestreiten?

Es sind verschiedene, den ganzen Sommer über, dabei ist jedes einzelne wichtig für meinen Kurs auf das Mini-Transat. Starten will ich da im Jahr 2021. Aber es ist noch ein weiter Weg, mit viel Arbeit und hartem Training.

Sehen Sie hier Fotos von Bord des kleinen Weltrekord-Boots:

Fotostrecke: An Bord der Maxus 22 "Atlantic Puffin"

Leo Walotek-Scheidegger, Uwe Janßen am 23.05.2019

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online