Route du Rhum

Postkarte von Loïck Peyron

Der Gesamtsieger der 10. Route du Rhum – damals vertrat er den verletzten Armel Le Cléac'h kurzfristig – ist dieses Mal mit seinem Retro-Trimaran "Happy" dabei

Tatjana Pokorny am 08.11.2018
Route du Rhum 2018
Alexis Courcoux

Krasser könnte der Gegensatz nicht sein: Vor vier Jahren schon wollte Loïck Peyron seinen bananengelben Retro-Trimaran in der Route du Rhum segeln. Er ist ein Schwesterschiff der ersten Route-du-Rhum-Siegerin "Olympus Photo", mit der der Kanadier Mike Birch 1978 die Premiere so knapp wie schlagzeilenträchtig gewonnen hatte. Peyron hat seine "Happy" gesucht, gefunden, gekauft und selbst mit Freunden wieder hergerichtet. Doch vor vier Jahren hatte ihn kurz vor dem Start der Hilferuf des Banque-Populaire-Teams erreicht, dessen Skipper Armel Le Cléac'h sich verletzt hatte. Peyron ließ sich überreden, den späteren Vendée-Globe-Sieger zu vertreten, kam, sah und siegte. Die Rekordzeit, die Peyron 2014 mit "Banque Populaire VII" aufgestellt hatte, ist heute die Messlatte: 7 Tage, 15 Stunden, 8 Minuten und 32 Sekunden. Peyron selbst aber jagt sie nicht, hat eher Historisches im Sinn.

Route du Rhum 2018

2014 feierten die Franzosen Loïck Peyron als Gesamtsieger und neuen Rekordhalter der Route du Rhum

Route du Rhum 2018

Ihn lieben sie nicht nur in Frankreich: Loïck Peyron ist multitalentiert, extrem erfahren, auch im America's Cup gefragt und nachhaltig im Umgang mit Menschen und Natur

Der 58-Jährige setzt nun endlich seinen vor vier Jahren nur schweren Herzens verschobenen Plan um, den 3500 Seemeilen langen Transat-Klassiker mit einem echten Kassiker zu absolvieren – pünktlich zu 40 Jahren Route du Rhum. Was angesichts der unwirtlichen Bedingungen aktuell eine große Herausforderung auch für den versierten Solo-Steuermann darstellt. Am Mittwochabend schickte der in Frankreich und internationalen Segelkreisen so beliebte Vater von vier Kindern eine "Postkarte von Bord", wie es die Veranstalter nannten, und berichtete, wie es ihm bislang ergangen ist. Inzwischen hat Peyron das Rennen nach kurzzeitiger Schutzsuche in Gijón wieder aufgenommen.

Der französische Segelstar stellt seinen Retro-Trimaran vor. Leider ist der Ton sehr leise, doch einen guten Eindruck vom Boot und seinem Skipper bekommt man in jedem Fall

Peyrons Botschaft:

Gestern bin ich nahe der Küste gesegelt, konnte eine Verbindung aufbauen und habe das Desaster (in der Flotte) gesehen. Das ist alles Teil des Spiels, aber es macht einen krank, diese ganzen Probleme zu sehen. Und Armel kopfüber...

Das Interview wurde in französischer Sprache geführt. Es zeigt Peyron wie er leibt und lebt: mal nachdenklich, dann wieder witzig, kenntnisreich und analytisch stark. Immer voller Energie

Ich hatte einige Wetterinformationen zum Start, habe die Charts von vor zwei Tagen gesehen. Ich musste wirklich hierher kommen und Schutz suchen. Statt zu stoppen, bin ich entlang der Küste gesegelt. Letzte Nacht gab es eine ganze Reihe von heftigen Böen. Manchmal zu viel Wind, manchmal gar keinen. Der Seegang ist immer noch schwer. Mein kleiner gelber Korken hüpft auf und ab.

Ich habe gerade gewendet, um erneut in Küstennähe Schutz zu suchen. Ich werde in A Coruña warten, bis das zweite Tief heute Nacht vorbeigezogen ist. Dann kann ich den Atlantik ohne Probleme kreuzen.

Das Boot ist großartig. Du hast das Gefühl, dass du umkippst, aber das passiert nicht. Es ist leicht zu handhaben, aber du musst auch vorsichtig sein, denn wie man sieht, ist dieses Baby auch ziemlich leicht. In manchen Zeiten, wenn du nach vorne willst, dann musst du erst etwas zurückgehen und dann einen ordentlichen Sprung machen. Das Problem, wenn du stoppst: Dann kann alles passieren. Es kann riskant sein. Aber mehr noch ist es schwierig zu wissen, wann es wieder losgehen soll.

Ich schaffe es auch, etwas Ruhe in meiner Koje zu finden, die sehr komfortabel ist. Auch wenn das hier jetzt nicht gerade das "The Love Boat" ist. Ich höre Musik von 1978, aber obwohl das Vintage ist, habe ich keine Kassetten dabei!

Route du Rhum 2018

Hat in der Regel Substanzielles zu sagen und ist dabei noch ein exzellenter Unterhalter: Loïck Peyron im Fernseh-Interview

Tatjana Pokorny am 08.11.2018

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