Rekordversuch

Pech für Herrmann: Front ist schneller

Der "Maserati"-Transatlantik-Rekordversuch mit Skipper Giovanni Soldini und dem Deutschen Boris Herrmann als Navigator ist gescheitert

Andreas Fritsch am 22.10.2014
Maserati

Das Boot gestern: noch im Vollgas-Modus

Heute Morgen meldete der Italiener von Bord, dass das Team von der Kaltfront, die sie mit ordentlich Dampf bis England schieben sollte, überholt wurde. In der Folge sind Windgeschwindigkeit und Richtung nicht mehr ausreichend für einen wirklichen schnellen Ritt über den Großen Teich. Der Rückstand auf den 140-Fuß-Maxi "Mari-Cha IV" von Robert Miller ist nur 1300 Meilen vor dem Ziel mittlerweile auf über 250 Seemeilen angewachsen. 

"Ich glaube, wir haben das Boot noch nie so hart gepusht", meldete Soldini von Bord. "Als die südwestlichen Winde kamen, hat 'Maserati' für 48 Stunden eine wirkliche brillante Performance gezeigt. Aber leider bewegte sich die Front viel schneller als vorhergesagt. So endeten wir schließlich hinter der Front und nicht vor ihr."

Der Italiener bringt damit das Dilemma jedes Rekordversuchs auf dieser Strecke auf den Punkt: Es muss ein Tief gefunden werden, das möglichst den ganzen Weg von New York nach England zieht und nicht etwa vor der europäischen Küste zu weit nach Norden oder Süden abdreht. Zudem muss es auch noch die richtige Zuggeschwindigkeit in Relation zum erzielbaren Bootsspeed aufweisen. Während Monohulls tendenziell eher das Problem haben, dass Fronten mit kräftigen Winden zu schnell sind, sind sie für die Rekordversuche der Maxi-Tris, die nur etwa die Hälfte der Zeit brauchen, oft zu langsam. Sehr schnell ziehende Wettersysteme kommen meist mit etwa 30 bis 40 Knoten pro Stunde nach Osten vorwärts. In diesem Jahr gab es nur wenige gute Wetterfenster für diese Rekordstrecke, der Maxi-Tri "Spindrift 2" brach nach über zwei Monaten Wartezeit ohne einen Versuch ab. Da die Bestmarken mittlerweile hochliegen, muss eben wirklich alles passen.

Vielleicht mag sich der eine oder andere Fan gewundert haben, ob denn ein Rekordversuch mit einem modifizierten Volvo 70 gegen ein doppelt so großes Boot realistisch ist. "Mari-Cha IV" ist zwar groß – aber eben auch über zehn Jahre älter. Und die 24-Stunden-Bestmarke des Maxis von 2003 (525,7 Seemeilen) wurde von "Ericsson 4" im vorletzten Volvo Ocean Race bereits um fast 75 Meilen überboten …

Andreas Fritsch am 22.10.2014

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