Portimão Global Ocean Race

Parkplatz Südatlantik

Genau wie vor einigen Tagen schon die Schiffe des Volvo Ocean Race liegen nun auch die Class 40 in einem großen Flautenfeld

Johannes Erdmann am 24.03.2009

Positionen um 10.20 Uhr

Während "Mowgli" und "Roaring Forty" noch eine leichte Brise haben und von Süden her aufholen, liefern sich "Beluga Racer" und die führende "Desafio Cabo de Hornos" ein Wetttreiben um den ersten Platz.

Nachdem das chilenische Boot die vergangenen Tage über durch einen Nordwind bedingt Kurs auf Nordafrika laufen musste, drehte der Wind nun wie erwartet gestern Nachmittag auf Südwest, sodass die Crew eine Wende fahren und Ilhabela in Brasilien anvisieren konnte. Vor dem Winddreher war es "Beluga Racer" bereits gelungen den Abstand bis auf 4 Seemeilen zu reduzieren. Durch den Wechsel der Windrichtung war der Vorteil vertan, die Chilenen bauten wieder bis auf 33 Meilen aus und verloren in den vergangenen drei Stunden erneut 11 Meilen, sodass die "Beluga Racer" mittlerweile nur noch 22 Meilen hinter ihnen liegt und derzeit mit 6,5 Knoten die bessere Fahrt macht. Die Chilenen machen derzeit dagegen nur einen Schnitt von 2,9 Knoten. Es ist zu erwarten, dass der Wind für das deutsche Boot im Laufe des Nachmittages noch weiter zu nimmt und ihm die Chance gibt, sich wieder an die erste Stelle zu setzen.

Die ständig wiederkehrende Flaute macht den Seglern jedoch zwischenzeitlich immer wieder sehr zu schaffen. Boris Herrmann berichtet in einem Podcast von Bord: "Das ist natürlich extrem anstrengend, dann klappern die Segel, das Boot dreht sich im Kreis und es ist plötzlich eine völlig skurrile, absurde Situation, wo man nicht weiß, ob man schreien oder heulen soll." Gerne wären er und sein Co-Skipper Felix Oehme länger im Südpolarmeer geblieben, sind aber zuversichtlich, dass es nicht der letzte Besuch dort unten war: "Wir sind ganz hoffnungsvoll. Sonst könnten wir das kaum ertragen. Wenn ich nicht so optimistisch wäre, wieder dorthin zurück zu kehren, würde ich es halten wie Moitessier, abdrehen auf Kurs 90 oder 100 Grad und nochmal um die Welt."

In der Zwischenzeit haben die weiter zurück liegenden Schiffe "Mowgli" und "Roaring Forty" etwas stärkeren, raumen Wind gefunden und holen auf. "Mowgli" segelt mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 8,8 Knoten und nutzt die Gelegenheit, um den Rückstand zu verkleinern, während sich das belgische Schiff "Roaring Forty" dicht hinter ihnen hält. Jeremy Salvesen, Skipper der "Mowgli", versucht den derzeitigen Vorteil zu nutzen: "Auch wir werden in den nächsten Tagen in sehr schwachwindiges Wetter geraten und dann wird es schwerer, erkennbare Fortschritte zu den anderen Booten zu machen. Daher müssen wir jetzt so viele Meilen wie nur möglich herausfahren. Unser westlicher Kurs hat sich in den letzten 24 Stunden für uns ausgezahlt."

Und das hat er tatsächlich — "Mowgli" segelte 73 Meilen zu "Beluga Racer" und 40 Meilen zu "Desafio Cabo de Hornos" heraus.

Erstaunlich ist auch, dass das Feld nach einem Monat auf See und davon knapp drei Wochen im Südpolarmeer noch so dicht beisammen liegt. Derzeit liegen die Schiffe kaum 200 Meilen auseinander. Salvesen ist begeistert: "Was immer jetzt auch noch passieren mag, es wird wahrscheinlich eine der engsten Kap-Hoorn-Etappen in der Geschichte der Hochseeregatten werden — und es ist unglaublich, dass wir ein Teil davon sind."

Bis zum Einlauf in Ilhabela liegen nur noch gut 1.250 Meilen vor den Schiffen, aber die anhaltende Flaute macht Vorhersagen schwierig. Nachdem "Beluga Racer" zehn Tage vor dem Kap Hoorn ihre Ankunft auf 1,5 Stunden genau vorraussagen konnte und damit den "Navigators Prize" gewann, möchte Boris Herrmann nun vorerst noch keine Prognosen machen: "Die Flaute macht es schwierig, ich möchte mich nicht einmal auf zwei Tage genau festlegen."

Es bleibt also spannend. Vor allen die nächsten zwei Tage mit den ständig wechselnden Windrichtungen und -stärken versprechen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem deutschen und dem chilenischen Schiff zu werden.

Johannes Erdmann am 24.03.2009

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