Vendée Globe

Neuer Vendée-Globe-Spitzenreiter: Ruyant vor Thomson

Der Südatlantik-Abstieg der führenden Boote hält jede Menge Spannung bereit. Thomas Ruyant hat sich perfekt positioniert. Boris Herrmann verteidigt Platz sieben

Tatjana Pokorny am 21.11.2020
Vendée Globe 2020/2021
Jean-Marie Liot/Alea/Vendée Globe 2020

Thomas Ruyants "LinkedOut"

Wer schon einmal eine Vendée Globe hat aufgeben müssen, dem wird meist besonderes Wohlwollen entgegengebracht. So ist es auch bei Thomas Ruyant: Für den 39-jährigen Franzosen aus Dunkerque hatte die Solo-Weltumsegelung 2016/17 mit einer Ufo-Kollision und dem Aus in Auckland bitter geendet. "Da ist noch eine Rechnung offen", sagte der "LinkedOut"-Skipper entsprechend vor diesem Rennen. Sein unaufgeregtes, aber sehr schnelles Boot für den zweiten Anlauf hat Guillaume Verdier entworfen. Und damit segelte Ruyant über Nacht am bis dahin führenden Alex Thomson ("Hugo Boss") vorbei an die Spitze der 32 Boote im Rennen. "LinkedOut" absolvierte mit 511,4 Seemeilen einen neuen 24-Stunden-Rekord für das laufende Rennen. Zur von Alex Thomson im Januar 2017 aufgestellten 24-Stunden-Bestmarke der Vendée Globe von 536,81 Seemeilen fehlt nicht mehr viel.

Vendée Globe 2020/2021

Neuer Spitzenreiter: "LinkedOut"-Skipper Thomas Ruyant

"Vielleicht hatte Alex weniger Wind. Sicher während der ersten Phase des Südatlantik-Abstiegs", sinnierte Ruyant nach seinem gelungenen Überholmanöver am Samstagmorgen. Seit Tagen sorgt ein Dreikampf um die Führung für Spannung an der Spitze. "Das ist gut und stimulierend. Aber gleichzeitig machen wir uns auch selbst Druck. Die Boote liegen im Speed offensichtlich nahe beieinander und auch in den Zwischenergebnissen", sagte Ruyant. Gleichzeitig beurteilte er die Situation als Klassiker: "Sie ist typisch für den Südatlantik und das Rennen nach Süden." Ruyants Prognose für die kommenden Tage: "Die Wettermodelle sind sich in ihren Prognosen nicht ganz einig, aber es sieht nach einer Menge Manövern ab morgen Abend aus. Das wird hart."

Vendée Globe 2020/2021

Die Zwischenstände vom 13. Tag auf See (7 Uhr morgens deutscher Zeit): Deutlich zu sehen sind das Spitzen-Trio und die Verfolgergruppe von sieben Booten mit Boris Herrmann auf Platz sieben. Am oberen Bildrand ist auch der wieder neu ins Rennen durchgestartete Jérémie Beyou mit "Charal" zu erkennen, der mit 3138 Seemeilen Rückstand ein einsames Rennen absolviert

Vendée Globe 2020/2021

Thomas Ruyant auf dem Vorschiff seiner "LinkedOut"

Dieser Clip blickt zurück auf Thomas Ruyants bitteres Aus bei der letzten Vendée Globe und zeigt seine besondere Motivation für diese Auflage

Auch, weil das Front-Trio sich weiter jagen wird. Der bislang führende Alex Thomson, der am Samstagmorgen um 7 Uhr deutscher Zeit 25 Seemeilen Rückstand auf Ruyant und 52 Seemeilen Vorsprung auf den Drittplatzierten Charlie Dalin ("Apivia") hatte, hat den Verlust seiner Top-Position kommen sehen, sagte: "Als ich am Mittwochmorgen den Positionsbericht bekam, habe ich immer noch Meilen verloren. Ich weiß, warum. Sie hatten mehr Wind als ich. So einfach ist das." Weiter schildert Thomson dann ein Gespräch mit sich selbst: "Ich sagte mir: Okay, dann werde ich etwas dagegen tun. Ich werde ein größeres Segel hochziehen. Ja, das werde ich tun. Dann aber gab ich mir nahezu sofort einen Tritt und sagte: Halt die Klappe, Alex! Geh um Himmels willen wieder ins Bett! Und das tat ich. Das hier ist ein sehr langes Rennen, und es geht die ganze Zeit darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das bedeutet eben manchmal auch, sich selbst davon abzuhalten, zu viel Druck zu machen. Auch wenn du das gern möchtest."

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"Hugo Boss"-Skipper Alex Thomson

Gleichzeitig erinnerte Thomson noch einmal daran, wie schnell alles vorbei sein kann: "In diesem Rennen musst du das Unerwartete erwarten. Es sind jetzt schon einige für mich unerwartete Dinge geschehen. Insbesondere das, was mit 'Charal' passiert ist. Ich hätte gedacht, dass Jérémie genau hier mit mir an der Spitze gewesen wäre. In meinen Büchern war er die Nummer 1 für dieses Rennen. Also war das eine große Überraschung. Um ehrlich zu sein, hat mich das ein bisschen traurig gemacht. Ich habe ihm eine kleine Nachricht geschickt und geschrieben, dass ich das auch schon erlebt habe und weiß, wie es sich anfühlt, damit er sich mit der ganzen Lage vielleicht ein bisschen besser fühlt."

Vendée Globe 2020/2021

Dieses Bild von der guten gemeinsamen Teilnahme mit Thomas Ruyant am Transat Jacques Vabre postete Boris Herrmann schon am Freitag

Boris Herrmann verteidigte über Nacht seinen siebten Platz bei 374 Seemeilen Rückstand zur Spitze und gehört weiter der von Jean Le Cam angeführten Verfolgergruppe der Boote auf den Plätzen vier bis zehn an. Die sieben Boote trennen nur rund 140 Seemeilen voneinander. Auch sie schenken sich beim Südatlantik-Abstieg nichts. Herrmann erinnerte sich im Südatlantik bei Temperaturen um 26 Grad an die gemeinsame Teilnahme mit Thomas Ruyant am Transat Jacques Vabre 2017. Zu einem Foto von den beiden damals Viertplatzierten schrieb Herrmann: "Lieber Thomas Ruyant! Dieses Bild wurde vor drei Jahren aufgenommen. Es ist großartig zu sehen, dass du so gut im Rennen liegst. Auch wenn wir jetzt jeder unser eigenes Rennen in der Vendée segeln, erinnere ich mich wirklich gern an unser gemeinsames Abenteuer, das mir viel bei der Vorbereitung auf dieses Solo-Rennen geholfen hat. Bleib weiter so stark… Aber vergiss nicht aufzupassen, was hinter dir kommt."

Tatjana Pokorny am 21.11.2020

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