125. Kieler Woche

Neuer Rekord, alte Harmonie: Hunger und Jess siegen vor Kiel

Für Wolfgang Hunger ist es der 22. Kieler-Woche-Titel, für Vorschoter Holger Jess der elfte. Acht davon haben sie mit Können und Ehrgeiz in einem Boot gewonnen

Tatjana Pokorny am 25.06.2019
125. Kieler Woche
Sascha Klahn / Kieler Woche 2019

Mit Biss, Können und Spaß: Wolfgang Hunger und Holger Jess haben die Kieler Woche 2019 im 505er gewonnen

"Weil er immer beißt." Das ist Holger Jess' einfache Antwort auf die Frage, warum sein 505er-Steuermann Wolfgang Hunger so gut ist. So gut, dass er am Dienstagnachmittag seinen eigenen Kieler-Woche-Rekord um einen weiteren Sieg auf sagenhafte 22 Titel erhöht hat. Wer soll die jemals einholen? Jess selbst hat die Kieler Woche auch schon elfmal gewonnen. Acht Titel haben der Orthopäde aus Strande und der Bootshändler aus Eckernförde gemeinsam errungen. Damit hatten sie 1997 angefangen, zwischendurch aber auch mit anderen Partnern gesegelt. Jetzt sitzen die beiden Klassenbesten nach langer Pause seit der WM im Winter wieder in einem Boot und lassen es mit 58 und 56 Jahren erneut zusammen krachen.

125. Kieler Woche

Wolfgang Hunger und Holger Jess: gemeinsam im 505er erfolgreich

Nächstes Ziel ist die Europameisterschaft. Hunger und Jess bleiben hungrig, auch wenn das Starterfeld in Kiel mit 30 Booten zwar qualitativ, nicht aber quantitativ ihren Vorstellungen entsprach. "Wenn einige mal aufhören, in der Liga rumzujuxen und sich mal wieder richtig messen wollen, dann wachsen auch die Felder wieder", kommentierte Holger Jess die Frage danach trocken. Den Sieg vor Kiel sicherte sich das norddeutsche Duo mit neun Punkten Vorsprung vor Penny und Russell Clark aus Großbritannien und den dänischen Brüdern Jørgen und Jacob Bojsen-Møller. Dabei hätten Hunger/Jess in der letzten Wettfahrt gar nicht mehr antreten müssen, taten es aber dennoch, weil sie die Wettfahrt als weitere Vorbereitung auf die Europameisterschaft nutzen wollten.

Neuer Europameister in der OK-Jolle ist der Schwede Freddy Lööf. Der sechsmalige Olympiateilnehmer und Starboot-Olympiasieger von 2012 war vor Kiel bei seinem unwiderstehlichen Solo-Auftritt mit fünf Siegen in zehn Wettfahrten so gut, dass er zum letzten Rennen nicht mehr antreten musste. EM-Silber ging an den Franzosen Valerian Lebrun, Bronze holte Lööfs Landsmann Thomas Hansson-Mild. Die Medaillenhoffnung des mitfavorisierten Jan Kurfeld waren in Folge einer nicht streichbaren Disqualifikation im vorletzten Rennen geplatzt, nachdem er bereits am Montag ein Rennen wegen Pumpens hatte aufgeben müssen. Am Kurfelds schwarzem Dienstag hatte die Jury seine Körperbewegung als Pumpen gewertet, als Kurfeld in der Verfolgerfahrt nach dem Abfallen wieder anluvte. "Einige werten die Aktion so, andere anders", kommentierte Kurfeld die Entscheidung. Weil er zum Abschlussrennen nicht mehr antrat, stürzte er mit dreimal voller Punktzahl aus den Top Drei auf Platz 23 ab. Bester deutscher EM-Starter war mit dem Schweriner André Budzien der Weltmeister von 2018 auf Platz zehn.

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OK-Europameister und Starboot-Olympiasieger Freddy Lööf aus Schweden

Besser noch als Lööf beendete Paralympics-Sieger Heiko Kröger aus Ammersbek die Serie in der für Segler mit und ohne Handicap offenen Klasse 2.4mR: Der 53-Jährige siegte in zehn Rennen sieben Mal, war damit eine Klasse für sich. "In Kiel zu gewinnen ist immer schön. Ich habe mich riesig gefreut, dass es geklappt hat", sagte Kröger. Zum Aus des Segelns bei den Paralympics erklärte der Steuermann: "Darüber sind wir hinweg. Die Paralympics haben wir nicht mehr nötig. Wir haben es geschafft, so in das normale Leben zu wechseln, wie es wohl in keiner anderen Sportart möglich ist." In den futuristischen Einhand-Foilern Moth und Wazp, die sich wie die Yachten im America’s Cup auf Tragflächen aus dem Wasser heben und über das Wasser zu fliegen scheinen, verwies der dominierende Schweizer Adriano Petrino seine deutschen Rivalen Max Lutz (Kieler Yacht-Club) und Julian Ramm (Seglervereinigung Itzehoe) auf die Plätze zwei und drei. 

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Segelte in der 2.4mR zum zwölften Kieler-Woche-Sieg: Heiko Kröger

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Kieler-Woche-Sieger in der Motte: Adriano Petrino aus der Schweiz

Mit gerade einmal 14 Jahren ist Ole Schweckendiek der bisher jüngste Kieler-Woche-Sieger dieses Jahres. Nachdem der Kieler bei der Europameisterschaft in Südfrankreich vor drei Wochen als Dritter in der Altersklasse U16 groß aufgetrumpft hatte, toppte er nun seine bisherige Performance. Erst im vergangenen Jahr ist er vom Opti in den Laser umgestiegen, jetzt war er der Konkurrenz haushoch überlegen. Mit dem Sieg im vorletzten Rennen machte er alles klar und hat nun schon Pläne für die nächste Klasse: "Im Sommer steht noch die Deutsche Meisterschaft zur Travemünder Woche an, danach werde ich dann irgendwann in den Laser Radial umsteigen." Auf dem Podium zur Sieger-Pressekonferenz hatte er offenbar Spaß: "Vielleicht kann ich im nächsten Jahr wieder hier sein."

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Ole Schweckendiek ist im Laser 4.7 der bislang jüngste Kieler-Woche-Sieger bei ihrer 125. Jubiläumsauflage

Auf der gleichen Bahn wie die 505er segelten die Flying Dutchman. Und hier gelang den Ungarn Szabolcs Majthényi/András Domokos eine Rarität: Nach elf Rennen mussten sie sogar einen ersten Rang streichen, denn in allen Wettfahrten ließen sie die komplette Konkurrenz hinter sich. Damit machten die FD-Rekordweltmeister das halbe Dutzend an Kieler-Woche-Siegen voll. Noch häufiger siegten die Ungarn allerdings bei den Welttitelkämpfen: Zwölfmal gewannen Majthényi/Domokos den WM-Titel – zuletzt im Februar vor Neuseeland. Nach Ende der ersten Kieler-Woche-Halbzeit steigen am Mittwoch die Olympiasegler und damit auch die neuseeländischen America’s-Cup-Stars, Olympiasieger und 49er-Segler Peter Burling und Blair Tuke ins Geschehen ein.

Hier geht es zu den Ergebnissen.

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Deisy Nhaquile aus Mosambik segelte in der offenen Wertung der Laser-Radial-Jollen auf Platz 52

Tatjana Pokorny am 25.06.2019

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