Regatta

Neue Sieger, alter Glanz: Kiwis stürmen Matchrace-Gipfel

Das 22. Match Race Germany hat zum dritten Mal in der Geschichte des Duellsegel-Klassikers auf dem Bodensee ein neuseeländisches Team gewonnen

Tatjana Pokorny am 10.06.2019
Match Race Germany 2019
Andy Heinrich/Match Race Germany

Den neuseeländischen Match-Race-Germany-Gewinnern um Steuermann Nick Egnot-Johnson bescherten die drittplatzierten Hamburger um Skipper Max Gurgel eine zünftige Siegerdusche

Im Match Race Germany haben die Besucher am Pfingstmontag in Langenargen eines der spannendsten Finale in der Geschichte des Duellsegel-Klassikers erlebt – und dazu alle Wetterregister, die der Bodensee zu ziehen hat. Die Palette reichte über Flaute, Winde bis zu 15 Knoten, ein Gewitter und zwischendurch wieder Sonnenschein. Mindestens so abwechslungsreich war das Finale selbst, das am Ende der fünftägigen Matchrace-Regatta über die volle Distanz von fünf Matches ging und seine Teilnehmer bis zur letzten Sekunde forderte. Am Ende gelang es dem erst 20 Jahre alten Neuseeländer Nick Egnot-Johnson und seinem Knots Racing Team, den Schweizer Matchrace-Virtuosen Eric Monnin und dessen Capvis Match Race Team mit 3:2 zu bezwingen, obwohl sie zwischendurch schon mit 1:2 zurücklagen.

Match Race Germany 2019

Der entthronte Champion und sein 23 Jahre jüngerer Bezwinger aus Neuseeland: Eric Monnin und Nick Egnot-Johnson

Damit vereitelten die Neuseeländer auch die Hoffnung der Eidgenossen auf den Hattrick nach Siegen 2017 und 2018 und sorgten für den dritten Kiwi-Triumph nach 2010 (Adam Minoprio) und 2012 (Phil Robertson). Mit zwingenden Starts, überzeugender Bootsgeschwindigkeit und konzentriertem Trimm gelang Egnot-Johnsons Team mit Sam Barnett, Zak Merton Tauranga, Tim Snedden und Bradley McLaughlin der Triumph bei der ersten Teilnahme am deutschen Grand Prix auf Anhieb. Steuermann Egnot-Johnson sagte: "Ich denke, wir haben das Duell mit gutem Bootsspeed und gutem Bootshandling für uns entschieden. Im Finale haben die Bedingungen mit mehr Wind und einem Gewitter dann auch an unser Heimatrevier vor Auckland erinnert. Wir hatten so viel Spaß da draußen auf dem See. Es war ein Privileg, gegen die Titelverteidiger antreten zu dürfen, und wir würden sehr gern im nächsten Jahr wieder dabei sein."

Wie das 22. Match Race Germany am Pfingstmontag zu Ende ging

Match Race Germany 2019

Zwei Jahre lang waren Eric Monnin und sein Capvis Swiss Match Racing Team die Dominatoren auf dem Bodensee. In diesem Jahr mussten sie sich trotz starker Gegenwehr den Neuseeländern geschlagen geben. Doch sie wollen sich "ihren" Titel im kommenden Jahr zurückholen…

Ein Sieg mit "Mama-Magie"?

Vielleicht ist beim 20-jährigen Nick Egnot-Johnson, der nicht einmal halb so alt ist wie der geschlagene zweimalige Match-Race-Germany-Gewinner Monnin (43), neben viel eigenem Talent auch ein wenig "Mama-Magie" im Spiel. Die Mutter des talentierten Steuermanns, eine gebürtige Amerikanerin, die aber schon lange in Neuseeland zu Hause ist, gewann 1992 bei den Olympischen Spielen Silber in der 470er-Jolle und war die erste Frau, die im Rahmen der Frauen-Kampagne im America’s Cup 1995 eine Cup-Yacht steuerte. Vom America’s Cup träumt auch der Sohn: "Eines Tages wollen wir gern im America’s Cup für Neuseeland antreten. Heute sind wir stolz darauf, die Royal New Zealand Yacht Squadron zu repräsentieren." Was der Verein ist, der aktuell mit dem Emirates Team New Zealand die wichtigste Trophäe des internationalen Segelsports verteidigt. Wie groß die Rolle ist, die der Segelsport in Egnot-Johnsons Heimatstadt Auckland spielt, lässt sich mit einer Zahl beschreiben: Auf etwa vier Menschen kommt in der "City of Sails" ein Boot. Und: In Auckland gibt es mehr Boote als Autos. So ist es wenig verwunderlich, dass immer wieder neue Shooting Stars aus dem "Land der langen weißen Wolke" in den professionellen Segelsport drängen.

Match Race Germany 2019

Im Halbfinale agierten Max Gurgel und sein Team VmaxYachting noch "hot and cold", wie es der neuseeländische Sieger Nick Egnot-Johnson formulierte. Erst besiegten die Hamburger zum Auftakt mal knackig den Titelverteidiger, dann verloren sie Matches gegen vermeintlich schwächere Gegner. Im Viertelfinale, auch "Max-Duell" genannt, bezwang die Crew vom Hamburger Segel-Club im deutsch-österreichischen Duell das Team Segelmanufactur von Max Trippolt aus Bregenz. Im Halbfinale mussten sie sich den späteren Gewinnern unglücklich geschlagen geben, revanchierten sich aber mit einer Galavorstellung im kleinen Finale und wurden bei ihrem dritten Einsatz im Match Race Germany glückliche Dritte. Mit von der Gurgel-Partie waren Anders Kronberg Kjaer, Daniel Zenker, Karl Gurgel und Robin Zinkmann

Das kleine Finale gewann Max Gurgels Hamburger Team VmaxYachting mit 2:0 souverän gegen das slowenische Lumba Match Race Team von Dejan Presen. Für den Physiker und "Boote-Flüsterer" Max Gurgel bedeutete das ein "Happy End" nach dem etwas unglücklich gegen die später siegreichen Neuseeländer in nur einem frühen Morgen-Match verlorenen Halbfinale, in dem nach Gurgels gewonnenem Start ein 30-Grad-Winddreher die Kiwis auf dem Weg zur Top-Marke bevorzugt und in Führung hatte gehen lassen. Gurgel sagte: "Das kleine Finale haben wir dann mit einem klaren Start-Ziel-Sieg und einem echten Kampfsieg für uns entscheiden können. Darüber sind wir jetzt alle im Team wirklich glücklich."

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Hatten viel Spaß miteinander, bis sich im "Max-Duell" der Österreicher Max Trippolt (r.) dem Hamburger Max Gurgel geschlagen geben musste

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Max Gurgel und sein Hamburger VmaxYachting Team wollten ins Halbfinale und erreichten ihr Ziel. Beinahe hätte ihr Weg sogar ins große Finale geführt…

Für ein volles wie gelungenes Segelprogramm auf dem Wasser sorgten die neue Wettfahrtleiterin Sabine Brugger und ihr Team vom Yacht-Club Langenargen, dem weiter der 21-malige Wettfahrtleiter Rudi Magg als Berater angehört. Sabine Brugger sagte: "Mir hat diese Premiere Spaß gemacht. Die Segler haben respektvoll und professionell agiert und unsere Arbeit damit leicht gemacht." Das bestätigte auch Sport-Direktor Eberhard Magg, der das Match Race Germany 1997 aus der Taufe gehoben hatte und gemeinsam mit Event-Direktor Harald Thier und dem Team vom Match Center Germany veranstaltet: "Wir hatten in diesem Jahr wieder eine tolle Mischung aus Routiniers wie Eric Monnin oder Dejan Presen, aber auch junge Wilde aus Übersee am Start. Besonders haben mich der sportlich hochwertige Auftritt der Neuseeländer bei ihrer Premiere und die Hamburger um Max Gurgel beeindruckt. Unser Konzept, zukünftigen Stars des Segelsports mit dem Match Race Germany ein Karriere-Sprungbrett zu bieten, werden wir auch in Zukunft beibehalten."

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Eine Szene aus der Viertelfinalbegegnung zwischen den Teams von Eric Monnin und Lukasz Wosinskis polnischem HRM Racing Team

Weshalb auch 2020 wieder Talente wie in diesem Jahr Will Boulden aus Australien Kurs auf Langenargen nehmen werden. Der Steuermann vom Royal Freshwater Bay Yacht Club im australischen Perth, der im Viertelfinal-Duell mit den viertplatzierten Slowenen ausgeschieden war, sagte: "Wir hatten eine Teilnahme am Match Race Germany seit fast zwei Jahren auf unserer Wunschliste, wollten unbedingt bei einer der führenden Matchrace-Regatten der Welt starten. Wir streben eine Profikarriere an, Ziel ist ein Engagement im America’s Cup oder etwas Vergleichbares in der Arena."

Match Race Germany 2019

Der Australier Will Boulden und sein Alpha Racing Team: In der Vorrunde eine Macht, im Viertelfinale am slowenischen Routinier Dejan Presen und dessen Lumba Match Race Team gescheitert

Die sportliche Bilanz von Matchrace-Motor Eberhard Magg fiel nach fünf spannenden Tagen beim Match Race Germany positiv aus: "Der Wind hat zwar nicht immer kooperiert, doch der Auftakt war fulminant und das Finale ein Krimi. Am Ende konnten wir das volle Programm segeln und haben tollen Sport, enge Rennen und so einige Überraschungen erlebt. Das ist es doch, was eine Regatta für ihre Teilnehmer und Fans ausmacht. Damit kann man als Veranstalter nur glücklich sein." 

Nach dem deutschen Tour-Stopp und einer kurzen Sommerpause wird die internationale Match Race Super League mit dem amerikanischen Detroit Cup und dem Aircarlin New Caledonia Match Race in Noumea fortgesetzt. Die Tour-Rangliste führt nach den ersten drei Regatten der Saison 2019 der Pole Lukasz Wosinski vor seinem Landsmann Patryk Zbroja an. Beide konnten in diesem Jahr bereits eine Regatta der Match Race Super League gewinnen, mussten sich auf dem Bodensee aber besseren Teams geschlagen geben, die den Tabellenführern mit ihren Erfolgen jetzt Druck machen. Die Plätze drei und vier in der Rangliste belegen nach ihren Match-Race-Germany-Erfolgen nun Nick Egnot-Johnson und Eric Monnin.

Hier geht es zu den Ergebnissen.

Match Race Germany 2019

Sonnenuntergang beim Match Race Germany: Schloss Montfort bot schwäbischen Meerwert

Match Race Germany 2019

Feuerwerk auf Schloss Montfort, das in Langenargen traditionell die schöne Kulisse für die Matchrace-Duelle bildet

Tatjana Pokorny am 10.06.2019

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