Transat Jacques Vabre 2017

Multi 50 "Drekan" gekentert, Boris Herrmann zurückgefallen

Der Nordatlantik ist im Winter kein freundlicher Ort. Eric Defert und Christopher Pratt gingen mit ihrem Tri gestern Abend koppheister, sind aber wohlauf

Jochen Rieker am 09.11.2017
Multi 50 "Drekan Group"
VPLP

Um 22 Uhr Mittwochabend meldeten die beiden Skipper des Multi 50 "Drekan Group" der Rennleitung ihre Havarie. Sie seien im Mittelrumpf sicher, sagten sie, trügen aber vorsorglich ihre Überlebensanzüge. Die Bedingungen zum Zeitpunkt der Kenterung waren rau: Es herrschte Nordostwind Stärke sechs bis sieben und im Mittel gut vier Meter hohe Wellen.

Defert und Pratt, die das 2005 gebaute und 2014 stark modifizierte VPLP-Design erst in dieser Saison übernommen haben, standen etwa 300 Meilen entfernt der Azoren-Insel San Miguel, als sie kenterten. Das MRCC Punta Delgada koordinierte zusammen mit dem MRCC Lissabon eine Rettungsaktion.

Bereits um Mitternacht erreichte der holländische Frachter "Beautriton" die Position des Trimarans. Per Funk einigten sich Kapitän und Skipper, wegen des Wetters mit der Bergung bis zum Morgengrauen zu warten. Um 10 Uhr heute früh waren Eric Defert und Christopher Pratt dann an Bord der "Beautriton" in Sicherheit. Was mit ihrem Trimaran geschehen soll, steht noch nicht fest. Für eine Bergung ist es derzeit viel zu ruppig.

Von alldem bekamen die Regattafans wenig mit, denn der Server der Transat Jacques Vabre ist seit Stunden offline. YACHT online gelang es aber, mit der Rennleitung zu sprechen. Diese verwies auf das Online-Nachrichtenportal "Le Télégramme", wo der Tracker voll funktionsfähig ist. Hier der Direktlink!   

Transat Jacques Vabre 2017 – Tracker vom 9. November, Stand 09:00 UTC

Transat Jacques Vabre 2017 – Tracker vom 9. November, Stand 09:00 UTC 

In allen vier Klassen dominieren nach wie vor die Favoriten das Geschehen.

Ultime

"Edmond de Rothschild" hat in der Nacht seine Führung bei den Ultime-Tris eingebüßt. Thomas Coville und Jean-Luc Nélias sind mit "Sodebo" vorbeigezogen. Zuletzt aber war der Flügel-Tri von Seb Josse wieder deutlich schneller unterwegs.

Unterdessen ist "Prince de Bretagne" südlich der Azoreninsel Santa Maria vor Anker gegangen, um das Großfall zu ersetzen. Sollte die Reparatur gelingen, werden Lionel Lemonchois und Bernard Stamm nicht mehr in den Kampf um die Spitze eingreifen können, was ohnehin aussichtslos erschien, weil der 80-Fuß-Tri den beiden weitaus größeren Ultimes konstruktiv unterlegen ist.

Imoca

Bei den Open 60 dominieren seit Tagen Jean-Pierre Dick und Yann Eliès, die Routiniers. Mit ihrem Foil-Imoca "St. Michel – Virbac" konnten sie sich Anfang der Woche im Starkwind klar von "SMA" absetzen. Doch Paul Meilhat und Gwénolet Gahinet lassen sich nicht recht abschütteln; sie liegen derzeit nur rund 30 Seemeilen zurück und sind noch in Schlagdistanz. 

Für Boris Herrmann und Thomas Ruyant auf "Malizia" läuft es leider nicht so richtig rund. Sie sind nach wie vor nur auf Rang 8, was nicht ihrem Potenzial und dem ihres Bootes entspricht. Offenbar hatten sie zeitweise nicht die richtige Segelkonfiguration fahren können und mit einem kleinen Schlenker nach Nord auch taktisch den Anschluss verpasst. Thomas Ruyant ließ gestern jedoch durchblicken, dass sie sich inzwischen wieder sortiert hätten und mit der Aufholjagd begännen. 

Multi 50

Den derzeit engsten Zweikampf machen die beiden führenden Boote der Multi 50 unter sich aus. Lalou Roucaryol und Alex Pella segeln mit "Arkema" auf Höhe von Madeira nur fünf Seemeilen vor Erwan Leroux und Vincent Riou auf "FenêtréA" – und bis auf zwei Zehntelknoten auch gleich schnell. Das bleibt spannend!

Class 40

Eng geht es auch in der Class 40 zu, wo sich Phil Sharp und Pablo Santurde mit einem Husarenritt an die Spitze vorgearbeitet haben und diese seit zwei Tagen solide verteidigen. Sie liegen runde 30 Seemeilen vor den Mitfavoriten "Aïna" und "VandB", loggen Geschwindigkeiten kaum unter denen der Imocas.

Vorige Nacht neigte sich Sharps "Imery" in harten Böen zwei Mal auf die Seite. "Ich bin aufgewacht, als meine Koje quasi senkrecht stand. Ziemlich beunruhigend", konstatierte der Brite trocken. Beim zweiten Mal flog sein Schlafsack in eine Pfütze aus Seewasser, die sich am Niedergang gebildet hatte: "Nicht gut!" Immerhin wurde der Einsatz der Crew beim Blick auf den Tracker gewürdigt. 

Jochen Rieker am 09.11.2017

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